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Handwerkliche Staubwedel für die documenta kommen aus Treysa

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Von: Sandra Rose

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Kamen bei einem Kunstprojekt zum Einsatz: Nadja Langstroff bei der Fertigung eines Staubbesens.
Kamen bei einem Kunstprojekt zum Einsatz: Nadja Langstroff bei der Fertigung eines Staubbesens. © Kerstin Theiss

Produkte aus Hephata-Werkstätten stehen für Nachhaltig- und Wertigkeit. „Cleaning as Awareness-Practice“ heißt die Kunst-Performance, bei der sie zum Einsatz gekommen sind.

Treysa – Im Rahmen der partizipativen Kunst-Performance „Cleaning as Awareness-Practice“, die das Staatstheater Kassel auch anlässlich der documenta fifteen auf dem Plan hatte, kamen Staubwedel der Bürstenmacherei der Hephata Diakonie in Treysa zum Einsatz.

In der zertifizierten Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist Nadja Langstroff eine der Kolleginnen, die in mühevoller Handarbeit Rosshaar- und Ziegenhaar mittels eines Bronzedrahts in die Holzrahmen der Staubwedel einziehen, heißt es aus Hephata. Hiermit hatte Langstroff, die selbst gerne Acrylbilder im Treysaer Atelier Farbenhaus malt, indirekt Anteil an einem Kunstprojekt.

Auf Anfrage der Künstlerin Birgit Severin stifteten Günter Kripko, Bereichsleiter der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Steffen Heinz, Leiter der Bürstenmacherei, mehrere Staubwedel an das prozesshafte Kunstwerk „Temple of Alternative Histories“, das das Staatstheater Kassel in den nächsten Wochen im Rahmenprogramm der documenta zeigt. Das Projekt thematisiert den Menschen in seiner Umwelt und Verflechtungen zwischen Mensch und Materie.

Putzen für die Achtsamkeit

Zum Auftakt leitete die Künstlerin zwei Workshops zum Thema Reinigung als Achtsamkeitspraxis. In einer Performance, an der jeder teilnehmen konnte, wurde in Kassel gemeinsam in der Oper und um die Oper sauber gemacht. Severin verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, indem sie Objekte als Erweiterungen von Körper und Geist betrachtet.

Über eine Veränderung von Prozessen will sie die materielle Welt neugestalten und so zu einer sozialeren und nachhaltigeren Gesellschaft beitragen, heißt es weiter. „Nachhaltigkeit ist in aller Munde – hierzu gehört auch die Übernahme von Verantwortung. Im Akt der Pflege und Fürsorge für unsere Umgebung können wir dies erlernen und verwirklichen“, erklärt Severin.

Der Gedanke dahinter: Das Polieren des Bodens poliere auch Herz und Geist, tue gut und zeuge gleichzeitig von der Übernahme von Verantwortung für die Umwelt, verdeutlicht die Künstlerin.

Der zumeist unbeliebte Akt des Putzens werde durch zwei Effekte aufgewertet: Putzen bedeute Verantwortung für den Zustand desssen zu übernehmen, was einen umgebe und diene dazu, sich selbst achtsam zu zentrieren und neu zu besinnen. Und weil Achtsamkeit in der Auswahl der Putz-Utensilien anfängt, wollte Severin hochwertige Produkte verwenden. „Weil wir die Borsten von Hand einziehen, sind unsere Produkte widerstandsfähiger“, sagt Steffen Heinz.

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