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Heizen ohne Öl und Erdgas dank Fernwärmenetz und Biogas

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Von: Johannes Rützel

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Heinz Heilemann, Ralf Schmitt und Erich Korell (von links) auf der Baustelle im Garten von Hedwig Bittner, die ihren Grund gerne teilt.
Heinz Heilemann, Ralf Schmitt und Erich Korell (von links) auf der Baustelle im Garten von Hedwig Bittner, die ihren Grund gerne teilt. Sieben von 14 Kilometern des Wärmenetzes verlaufen durch Privatgrundstücke. © Rützel, Johannes

Gegen große Widerstände haben Ehrenamtliche das Energienetz geplant und gebaut. Hessische Kommunen nehmen sich jetzt Wasenberg zum Vorbild.

Wasenberg – „Wir sind den anderen zehn Jahre voraus“, stellt Erich Korell fest. 2021 hat der 69-Jährige das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Energiegenossenschaft Wasenberg übernommen.

Andere blicken in Zeiten der Energieknappheit mit Interesse auf das Dorf. „Die Behörden und Kommunen rennen uns jetzt die Bude ein“, sagt Korell. Von überall her würden Delegationen kommen und um Rat fragen. Nach Korbach, Kelkheim, Frankenhain und Ascherode haben sie Kontakt.

In Mengsberg gibt es ein ähnliches Projekt. Allerdings möchten die Mengsberger ihre Wärme selbst produzieren, während die Wasenberger die Abwärme von Biogasanlagen der EAM einkaufen.

Unglaublich günstige Wärmepreise

Was die Bürger in Wasenberg 2013 überzeugte, war der unglaublich günstige Arbeitspreis von 0,8 Cent pro Kilowattstunde. Heute sind die Menschen froh, vom globalen Energiemarkt unabhängig zu sein.

Korell und seine Mitstreiter arbeiten ehrenamtlich, „trotzdem bieten wir unseren Mitbürgern ein Rundum-Sorglos-Paket“, sagt er.

Das Wärmenetz hat viele positive Effekte. Es macht den Ort attraktiv und steigert den Wert der Häuser. Außerdem würde es den Zusammenhalt in Wasenberg stärken: „Die Leute haben begriffen, dass das Fernwärme-Netz ihnen gehört“, sagt Vorsitzender Ralf Schmitt. Den zum Freibad umgewandelten Löschteich beliefert die Genossenschaft gratis mit Wärme, der Eintritt ist für alle Schüler frei.

In Wasenberg werden dank Wärmenetz jährlich 1,2 Millionen Liter Heizöl gespart, sagt die Genossenschaft. 80 Prozent der Wasenberger sind angeschlossen, 6 Millionen Euro wurden investiert. In acht bis zehn Jahren sollen alle Schulden abbezahlt sein. 

Beitrag für den Klimaschutz

„Unser Antrieb sind unsere Kinder und Enkel“, sagt Korell. Heinz Heilemann pflichtet ihm bei: „Wir wollen unseren Beitrag gegen den Klimawandel leisten.“ Das aktuelle Ziel sei, den gesamten Ort mit Strom aus Fotovoltaik zu versorgen. Wie schnell das gehe, hänge vor allem von den Behörden ab.

Die Trägheit der Kommunen ist ein Problem, sind sich Schmitt, Korell und Heilemann einig. Am wichtigsten für den Erfolg seien dennoch die handelnden Personen. Anderen Projektverantwortlichen würden sie raten, auch gleich Glasfaserkabel zu verlegen, wenn ein Fernwärmenetz eingebaut wird.

Erich Korell Vorsitzender der Energiegenossenschaft
Erich Korell, Vorsitzender der Energiegenossenschaft © Rützel, Johannes

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