125 Jahre Männergesangverein Görzhain: Geburtstagsfest an diesem Wochenende

Herren geben den Ton an

Die Sänger im Jahre 1967: Seit 125 Jahren hat das Singen in Görzhain Tradition. Gründer des Vereins war Dorfschullehrer Justus Ferreau. 1957 übernahm der Bundesbahnbeamte Heinrich Richhardt die Chorleitung. Er leitet die Männer bis heute an. Foto: Privat/nh

Görzhain. Hier geben die Männer den Ton an: Seit 125 Jahren treffen sich die Mitglieder des Görzhainer Männergesangvereins Harmonie zu Proben und Auftritten. An diesem Wochenende feiert der Verein sein Jubiläum.

Den Verein aus der Taufe hob Dorfschullehrer Justus Ferreau: Zur Fastnacht 1885 hörte er in der Görzhainer Wirtsstube den Männern beim gelegentlichen Singen zu. Ferreau lud die Herren kurzerhand zu einer Singstunde in den Schulsaal ein. 20 Görzhainer kamen fortan regelmäßig. Der erste Auftritt gelang schon im März, beim Handschlag – heute ist das die Verlobung – von Ferreaus Nichte. Eingeübt wurden Volkslieder, überwiegend vierstimmig. In den Jahren nach 1890 ruhte der Verein. Die Arbeit in der Gegend war knapp. Viele Männer zog es zum Geldverdienen nach Westfalen. Die Schüler wurden von Ferreau jedoch zum Singen animiert. 1898 ging der Dorfschullehrer in Rente. Sein Nachfolger war Lehrer Heinrich Geißel, der fortan auch die Gesangsstunden abhielt. Nachwuchs gab es kaum. Die jungen Männer zogen in den Krieg. Den Gesang hielt der Lehrer in Görzhain immer aufrecht. Er sang mit den Volksschülern, mit den Frauen und älteren Männern des Dorfes.

Im Frühjahr 1924 blühte der Verein auf. Viele junge Männer traten bei. Zur gleichen Zeit wurde die erste Satzung entworfen, ein Vorstand gewählt und 26 aktive Sänger verzeichnet. Der Lohn für den Dirigenten betrug drei Mark monatlich – einschließlich Stromgeld. Mitglieder zahlten 20 Pfennig Monatsbeitrag. Die ersten Vereinsabzeichen wurden angeschafft, für 75 Pfennig pro Stück. Seit 1927 trägt der Gesangverein den Namen Harmonie. Im Zweiten Weltkrieg ruhte der Verein, erst 1949 – als die Männer aus Kriegsgefangenschaft zurück kehrten – lebten die Übungsstunden wieder auf. Stets waren es die Lehrer, die den Eifer am Singen unterstützten.

Seit 1957 bis heute lenkt Chorleiter Heinrich Richhardt, ein Bundesbahnbeamter, die Geschicke des Vereins. Das Görzhainer Urgestein steht seit 53 an der Spitze der Sänger. Volkslieder, aber auch Kirchenlieder, gehören zum Repertoire der 34 Aktiven im Alter von 29 bis 84 Jahren. Gesungen wird bei Festen, Hochzeiten, Beerdigungen sowie an Feiertagen in der Kirche. „Pro Jahr treffen sich die Männer zu 36 Übungsstunden, durchschnittlich 24 bis 26 Auftritte kommen noch hinzu“, sagt Vorsitzender Klaus-Peter Kötter.

Unter den Görzhainer Vereinen herrscht guter Zusammenhalt. Deshalb musste sich der Männergesangverein auch keine Gedanken um Helfer machen. „Die Gymnastikgruppe, die Burschenschaft und der Bayern-Fan-Club unterstützen uns beim Theken- und Kassendienst“, erklärt Kötter. Beim Geburtstagsfest geben die Männer nämlich nicht allein den Ton an. Im eigens gegründeten Jubiläumschor singen zum 125. Bestehen ausnahmsweise auch die Görzhainer Frauen mit.

Von Sandra Rose

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