Auf dem Wurfscheiben-Schießstand in Momberg ist Treffsicherheit gefragt

Hier wird scharf geschossen

Am Schießstand können jeden Sonntag die Disziplinen Trap und Doppeltrap geschossen werden: Karl-Heinz Schmittdiel (v.l.) und Horst Weber vor dem Bunker mit der Wurfmaschine. Fotos: Haaß

Momberg. Schon von Weitem ist das dumpfe Geräusch der Flintenschüsse zu hören und weist den Weg zum Wurfscheiben-Schießstand zwischen Mengsberg und Momberg. Alle zehn Meter machen Hinweisschilder auf die Gefahr aufmerksam: Sobald die rote Fahne weht, wird scharf geschossen. „Der letzte Reporter, der bei uns war, hat von 37 Schuss nicht einmal getroffen“, sagt der erfahrene Wurfscheibenschütze Horst Weber schmunzelnd. Schützen, die noch keine Erfahrung mit dem Schrotschießen haben, werden auf dem Momberger Stand nur einzeln zugelassen. Eine Aufsicht überwacht sämtlich Handgriffe, außerdem bekommt der Schütze nur eine Patrone ausgehändigt. „Wer nicht weiß, wo der erste Schuss hingeht, bei dem ist der zweite Schuss weggeworfenes Geld“, stellt Horst Weber nüchtern fest.

Nach einer umfassenden Sicherheitsunterweisung in die Handhabung der Schrotflinte und der Wurfmaschine durch Karl-Heinz Schmittdiel feuere ich insgesamt sechs Schüsse ab. Bei den letzten zwei liegt der Schuss sauber im Ziel, die Wurfscheiben zerplatzen in einer orangefarbenen Staubwolke. Das Schießen mit der Schrotflinte auf die schnellen kleinen Flugscheiben ist speziell: Mit knapp 70 Stundenkilometern verlassen die Scheiben die Wurfmaschine. Man darf im Grunde nicht lange zielen, sondern muss eher intuitiv schießen

Bereits seit 1973 betreiben Horst Weber und Karl-Heinz Schmittdiel den Schießstand in Eigenregie.

„Mein Schwager hat uns damals mit seinen Flinten dazu gebracht“, erzählt Horst Weber am Sonntagmorgen in einer Schießpause im schmucken Schützenhaus. Gemeinsam mit Karl-Heinz Schmittdiel und dem 2015 verstorbenen Rudi Rausch verwirklicht sich Weber Anfang der 1970er- Jahre den Traum vom eigenen Wurfscheibenschießstand. Heute ist die computergesteuerte Anlage auf dem modernsten Stand und bietet beste Voraussetzungen.

Pro Jahr investieren die Standbesitzer seitdem rund 290 Stunden Arbeitszeit für Unterhaltung und Pflege. Er habe das Mal für sich ausgerechnet, sagt Horst Weber: „Seit 1973 sind bestimmt 120 000 Euro in Form von Fahrtkosten und Lohn zusammenkommen.“

Der Momberger Schützenverein sei über die Eigeninitiative der drei Schützenbrüder damals gar nicht begeistert gewesen. Man befürchtete Konkurrenz, erzählt der 79-Jährige: „Heute haben wir aber zum Schützenverein ein sehr gutes Verhältnis.“ Aktuell schießen 15 Sportschützen regelmäßig auf der gepflegten Anlage auf die orangefarbenen Scheiben aus Steinmehl und Harz. „Aus Rücksicht auf sensible Tierschützer sagt man übrigens nicht mehr Tontaube, sondern Wurfscheibe“, erklärt Horst Weber.

Von Matthias Haaß

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