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Hildegard Lehsau erinnert sich an den Betrieb in der ehemaligen Synagoge

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Von: Sandra Rose

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Das Foto zeigt die Mitarbeiterinnen der Handschuhnahtanstalt mit ihrem Chef Paul Adolph, in der unteren Reihe sitzt die Loshäuserin Hildegard Lehsau (dritte von links).
Beim Betriebsausflug: Das Foto zeigt die Mitarbeiterinnen der Handschuhnahtanstalt mit ihrem Chef Paul Adolph, in der unteren Reihe sitzt die Loshäuserin Hildegard Lehsau (dritte von links). © Hildegard Lehsau/Privat

Der geplante Verkauf der Ziegenhainer Synagoge, über den wir in der vergangenen Woche berichteten, beschäftigt auch unsere Leser weiter.

Ziegenhain – Hildegard Lehsau aus Loshausen hat uns dazu ihre Erinnerungen mitgeteilt. Sie schreibt, dass der Artikel bei ihr „schöne Erinnerungen“ wachgerufen habe.

Nach Abschluss der Mittelschule sei klar gewesen, dass sie eine Ausbildung im Büro machen wollte. Deshalb bewarb sie sich bei der Handschuhnahtanstalt Paul Adolph in Ziegenhain um einen Ausbildungsplatz. Der Betrieb wurde nach dem Krieg in der ehemaligen Synagoge betrieben.

Am 1. April 1958 erhielt Hildegard Lehsau schließlich dort ihren dreijährigen Lehrvertrag und in der ehemaligen Synagoge in der Kasseler Straße 28 begann ihr beruflicher Werdegang. Sie schreibt weiter: „Es war ein kleiner familiärer Betrieb, wo ich für alle Büroarbeiten zuständig war. Viel Fachwissen erhielt ich in der Kreisberufsschule. Am 31. März 1961 konnte ich einen sehr erfolgreichen Abschluss bei der IHK machen.“

Ihr damaliger Chef Paul Adolph kam aus dem Sudetenland und hatte nach dem Krieg in den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten der Synagoge eine Handschuhnahtanstalt aufgebaut. Vorgefertigte Lederhandschuhe wurden also nur genäht. „Das geschah mit Leuten an Maschinen im Betrieb. Es gab aber auch Heimarbeiterinnen, die Maschinen zu Hause hatten, aber auch die Handschuhe per Hand nähten, sogenannte Handlascher“, berichtet die Loshäuserin. Das Foto zeigt die Beschäftigten auf einem Betriebsausflug. Sie stammten teils aus dem Sudetenland, teils waren es Einheimische. Für Hildegard Lehsau war es damals „eine schöne Zeit“.

Paul Adolph sei 1970 verstorben, seine Frau 1986. Was dann aus dem Gebäude wurde, ist auch der Loshäuserin nicht bekannt. „Aber die jetzige Fassade sieht toll aus. Hoffentlich findet sich jemand, der das Haus Nr. 28 wieder herrichten kann, wünscht sich die Loshäuserin, die auch auf die veröffentlichten Erinnerungen von Uwe Wirtz eingehen möchte: „Ich möchte etwas richtigstellen. Das Ehepaar Adolph hatte einen Sohn und eine Tochter in Erlangen. Beide hatten die Söhne Peter und Axel – also die Enkel des Ehepaars Adolph, nicht die Neffen – mit denen Uwe Wirtz wohl gespielt hat.“ (Sandra Rose)

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