Leiterin von Gedenkstätte und Museum Trutzhain wechselt nach Dachau

Historikerin sagt adieu

Zehn Jahre für Trutzhain: Waltraud Burger übergibt die Leitung von Gedenkstätte und Museum Trutzhain. Sie wird pädagogische Leiterin der Gedenkstätte Dachau. Foto: Grede

Trutzhain. Waltraud Burger geht. Der Name der Historikerin wird für den professionellen Aufbau der Gedenkstätte und Museum Trutzhain stehen. Noch im Februar nimmt die 47-Jährige ihre neue Tätigkeit als pädagogische Leiterin der Gedenkstätte Dachau auf. Zehn Jahre leitete die Marburgerin die Trutzhainer Einrichtung – dokumentierte die Geschichte, gab Schicksalen einen Namen, der Gedenkstätte ein Profil.

Ihr beruflicher Einstieg in Trutzhain ist eng verbunden mit der Entstehung der Gedenkstätte, die seit 2003 offiziell den Namen Gedenkstätte und Museum Trutzhain trägt. Waltraud Burgers Jahre in dem Schwalmstädter Stadtteil waren bestimmt von dem langen, schwierigen Weg vom ursprünglichen Museum für den Frieden – die einst private Sammlung in den Räumen des Trutzhainer Dorfgemeinschaftshauses – bis hin zur jetzigen Präsentation der Ausstellung und Forschungsarbeiten über die Geschichte des Stalag IX A und der daraus entstandenen Kommune Trutzhain.

Recherche über die Lager

Die Recherchen über die verschiedenen Abschnitte der Geschichte Trutzhains als Kriegsgefangenenlager, Lager für Mitglieder der Waffen-SS und Wehrmachtssoldaten, Durchgangsstation für Displaced Persons, aber auch der Übergang von der Militäeinrichtung zu einem Sozialwesen, einer Gemeinde, in der Heimatvertriebene ein Zuhause fanden, seien angestoßen, sagte Burger. Zudem sei die Inventarisierung der Archive zu 70 Prozent erfolgt.

Die Höhepunkte des beruflichen Wirkens der Historikerin in Trutzhain markieren auch die der Gedenkstätte. Dazu zählt unter anderem das bundesweites Gedenkstättenseminar 2005: Historiker, Bildungs- und Gedenkstättenleiter trafen sich zu einer Konferenz in Trutzhain. Damit habe sich die Schwalmstädter Einrichtung erstmals bundesweit einen Namen gemacht – ein bedeutender Faktor für den fachlichen Austausch mit anderen Experten.

„Ich wollte immer die Menschen mit auf den Weg nehmen.“

Waltraud Burger

Viel bedeutete der Gedenkstättenleiterin auch das Mitwirken an der Ausstellung „Im Fremden ungewollt zuhaus’. Neue Heimat in Hessen und Trutzhain“ (2008) und die Zusammenarbeit mit dem Willingshäuser Künstlerstipendiaten Marcel Krummrich (2009), der als Fotograf Trutzhain und seine Menschen vorstellte wie sie sich heute präsentieren. Eine positive Zäsur sei auch die Aufnahme Trutzhains – als einziges Lager Deutschlands, das sich zum Dorf entwickelte – in das bundesweite Förderprogramm Soziale Stadt gewesen. Für Waltraud Burger ein wichtiger Anstoß, zum einen, um den Charakter der Siedlung zu erhalten, zum anderen aber auch die Einwohner für die Geschichte ihrer Gemeinde zu sensibilisieren. 2008 würdigte die Sparkassen-Kulturstiftung das Engagement der Gedenkstätte mit ihrem Museumspreis.

Immer sei ihr wichtig gewesen, dass sie „Menschen mitnimmt auf dem Weg“. Dabei denkt sie an die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern im Museum, aber auch an die mit Lehrern und Schülern: Die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort, der Regional- und Nationalgeschichte untereinander verbindet – „davon lebt dieses Haus“.

Der Wechsel nach Dachau? Nach zehn Jahren sei dies der passende Zeitpunkt gewesen, sich in ihrem beruflichen Leben noch einmal zu verändern, sagt die 47-Jährige. Die Wissenschaftlerin freut sich darauf, sich künftig mit mehreren Kollegen im Team austauschen zu können.

Ihrer Nachfolgerin, Karin Brandes, die schon am Konzept der Gedenkstätte beteiligt war, hinterlässt Waltraud Burger einen Ort, an dem Geschichte in einem deutschlandweit einzigartigen Denkmalkomplex aus Dorf, Museum und Friedhöfen lebendig geworden ist.

Von Sylke Grede

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