Panzer steckte bei Dillich fest

HNA-Leser erinnern sich an die Zeit der Herbstmanöver

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Versorgungshalt: Kampfpanzer des Typs Leopard 1 haben auf einem Feld oberhalb eines kleinen nordhessischen Dorfes gestoppt. Die Panzer gehören zum Panzerbataillon 62 aus Stadtallendorf.

Der Artikel über die Herbstmanöver hat unsere Leser veranlasst, in Fotoalben zu kramen. Uns erreichten Bilder und viele Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. 

Im Gegensatz zu heute gehörte das Militär im Frühjahr und Herbst zum Alltag der Menschen.

Während des Manövers Constant Enforcer 1979 gelangen unserem Leser Alwin Fieser in Görzhain einige Schnappschüsse von Fahrzeugen der US-Armee. Zu sehen ist unter anderem ein schwerer Brückenlegepanzer M48. Der Spezialpanzer hatte eine 20 Meter lange Brücken, mit der Gewässer überquert werden konnten. Fieser bekam auch noch einen kastenförmigen Mannschaftstransporter M113 und einen M578 Bergepanzer mit Kran vor die Linse.

Enge Sache: Brückenlegepanzer der US-Army in Görzhain bei der Übung 1979. 

Auch der NeukirchenerAndreas Kaufmann kann sich gut an eine Begebenheit mit US-Panzern erinnern. Bei einem der Stahlkolosse sei 1981 direkt vor der Haustür seines Elternhauses der Hydraulikschlauch geplatzt und das Öl habe sich über die frisch verputzte Hauswand ergossen, sagt der Neukirchener: „Der Manöverschaden wurde von den Amerikanern später bezahlt.“ Apropos bezahlt: Die Währung für Einmannpackungen der US-Armee sei Bier gewesen, erzählt Kaufmann schmunzelnd: „Für sechs Flaschen gab es ein EPA.“ 

Die Herbstmanöver Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger seien jedes Jahr ein Abenteuer gewesen, so Stefan Thiel aus Treysa: Bei der Oma wurde eine Stracke erbettelt oder heimlich aus der Wurschtekammer entführt, beim Bäcker Kühnhold wurde Brot oder Brötchen geholt und ab ging es mit Fahrrad in den Wald bei Florshain.“ Die Nahrungsmittel tauschten Thiel, sein Bruder und ein Freund bei den GI gegen Fresspakete, Feldhemden, Stabtaschenlampen.

Wenige Jahre später sei ihnen natürlich klar gewesen, welch Folgen ein großes Manöver für die Umwelt habe und wie extrem die entstandenen Schäden seien, erzählt Thiel: „Da war das Abenteuer schon längst verflogen und mit Ende des Kalten Kriegs wurde man dankbar, dass dieser Wahnsinn Vergangenheit wurde.“

Dorf kümmert sich um Soldaten

1963 verfuhren sich bei dem Großmanöver Big Lift belgische Panzer vom amerikanischen Typ M 47 Patton auf dem Braunkohle-Zechengelände zwischen Dillich, Haarhausen und Neuenhain. Einer der Stahlkolosse blieb fast bis zum Turm im Schlamm stecken, weiß Kay-J. Rudolph aus Treysa. Bergeversuche mit anderen Panzen misslangen und so blieb der Patton für einige Tage in Dillich. Nicht nur für Kinder, sondern auch für die erwachsenen Dillicher sei das natürlich ein Erlebnis gewesen, erzählt Rudolph: „Um die Besatzung wurde sich rührend gekümmert und sie wurde mit Lebensmitteln, etwa Ahler Worscht, versorgt.“

Im Gilserberger Hochland sei das Gelände der Bäckerei Viehmeier an der alten B3, oft Stützpunkt der Herbstmanöver gewesen, berichtet HNA-LeserFriedrich Otto: „Besonders freundlich waren die dunkelhäutigen GI. Ich fragte: Gewinnt Cassius Clay oder Sonny Liston den Kampf um die Schwergewichts-Box-Weltmeisterschaft. Die Antwort – natürlich Cassius Clay – kam prompt. Ich hingegen hielt damals Sonny Liston für unschlagbar.“

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