Zu Gast: Autorin und Stiftungsgründerin Annette Rexrodt von Fircks war in Neukirchen

Die Hoffnung ist der Weg

Gegen den Krebs: von links Regina Kress, Vorsitzende des Vereins Auxilium, Annette Rexrodt von Fircks und Hilde Schulte. Foto: Rose

Neukirchen. Wenn man jung ist, glaubt man an den vermeintlichen Freibrief, alt zu werden: Annette Rexrodt von Fircks wurde im Alter von 35 Jahren plötzlich mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert – sie war an Brustkrebs erkrankt.

Die Mutter dreier Kinder erhielt von den Ärzten eine denkbar schlechte Prognose. „15 Prozent, das war meine Überlebenschance“, erzählte die 54-Jährige, die am Freitagabend in Neukirchen zu Gast war.

„Sein Sie fürsorglich mit anderen, aber vor allem mit sich selbst.“

Annette Rexrodt von Fircks

Eingeladen war die Autorin und Stiftungsgründerin vom Verein Auxilium. Den Kontakt hatte die frühere, langjährige Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Hilde Schulte, hergestellt.

Im Cafe Orchidee wurde Rexrodt von der Auxilium-Vorsitzenden Regina Kress begrüßt. Die Gäste lauschten der Autorin, die eindringlich und einfühlsam erzählte: „Der Krebs wurde erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Es herrschte Sprachlosigkeit – in mir und um mich herum.“

Heute gehe es ihr gut. Warum sie überlebt habe, darauf habe sie keine Antwort. „Es gibt keinen Leitfaden.“ Überzeugt sei sie jedoch: „Heilung findet auf vielen Ebenen statt.“

Zur Seite gestanden habe ihr ihre beste Freundin, „mit ihr konnte ich ein Stück Normalität leben“. Sie selbst habe Strategien entwickelt, sich selbst zu stärken. „Man kann auch mit einer Erkrankung heil werden.“ Die Hoffnung habe sie getragen: „Diesen Gedanken habe ich gehütet wie einen Schatz.“ Es sei „nichts Esoterisches dabei“, sich für die Hoffnung zu entscheiden. Denn es gebe keine falsche Hoffnung, „sie ist kein Ziel, sondern ein Weg“.

Sie habe in der Klinik gelernt, achtsam mit sich umzugehen. „Ich habe mir die innere Stimme zum Freund gemacht.“ Vor der Chemotherapie mit einer Hochdosis hatten ihr die Ärzte prognostiziert, dass es die Hölle werden würde. Rexrodt erklärte dazu: „Ich konnte mir die Hölle schlichtweg nicht leisten. Ich wollte nicht gegen das Zellgift kämpfen. Ich machte mir die Therapie zum Freund.“

Einfach sei das nicht gewesen: „Als die Chemo beginnen sollte, schob man den Infusionsständer in mein Zimmer, er sah aus wie ein geschmückter Tannenbaum. Mit gefüllten Beuteln, rot, grün und gelb.“

Als die Therapie beendet war, sei nichts mehr wie zuvor gewesen. „Mein früheres Leben gab es nicht mehr“, erinnert sich Rexrodt.

Von Sandra Rose

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.