Ingmar Maybach war wieder in Ottrau zu Gast und sinnierte übers Berufsbild Pfarrer

Humor aus dem Hinterhalt

Charme-Offensive für das Evangelium: Ingmar Maybach bei seinem Auftritt in der Ottrauer Kirche. Fotos: Rose

Ottrau. Deutschland macht den Kelch-Test: So heißt das aktuelle Kabarettprogramm von Pfarrer Ingmar Maybach. Der Geistliche war am Freitagabend zu Gast im Ottrauer Gotteshaus.

Er präsentierte die Fortsetzung der bundesweiten CSU - der christlich-satirischen Unterhaltung. Quer durch die Evangelien, die Mythen der Kirche und der Gesellschaft parlierte sich der Pfarrer wieder in die Herzen der Zuhörer. Maybach trat bereits zum zweiten Mal in Ottrau auf.

Dabei ging es dem Geistlichen zunächst darum, die Kirche „fit für die Zukunft“ zu machen. Das funktioniere ähnlich wie beim Fußball - über Begeisterung. Und die musste der Pfarrer den Gästen nicht lange vorbeten. Getragen vom Wunsch „Maybach muss Bischof werden“ startete der Kabarettist gut gelaunt seine Charme-Offensive für die Evangelien. Mit hinterhältigem Humor erzählte Maybach vom Beruf des Pfarrers. Vielfältig seien die Gruppen, die sich im Gemeindehaus treffen: „Zum Beispiel die Frauenhilfe, das Weißkopf-Geschwader.“ Spätestens alle zwei Wochen müsse man sich sehen lassen. Inspiriert davon sei das Lied „Aber bitte mit Pastor“ entstanden, ein Tango. „Sie singen bitte dazu Halleluja und Olé - aber nicht gleichzeitig“, empfahl der Pfarrer. Das Thema Fußball finde sich auch in der Bibel. „Der Herr ist mein Schäfer, mir wird nichts Magath.“ Im Buch Jesaja sogar der Nationaltrainer: „Und der Löw spielt friedlich mit dem Lahm.“

Tägliche Dramen

Schon lange habe sich Maybach jedoch vorgenommen, ein Theaterstück zu schreiben. „Als Pfarrer erlebt man Dramen - mit schwierigen Menschen und schwierigen Situationen.“ Hauptperson seines Dreiakters: die Braut. Sie sei bereit, mit allen Mitteln für den „schönsten Tag im Leben“ zu kämpfen. Sei Weihnachten - „da wird der tragische Entschluss der Familie mitgeteilt“ - vorbei und sei man nach Silvester immer noch ein Paar, beginne im Januar die Planung. „Nicht umsonst sagen Kollegen: Lieber zwei Beerdigungen als eine Braut.“ Vom Trauspruch („muss der in der Bibel stehen oder geht auch einer von Rosenstolz?“) über die Dekoration, die Musik bis hin zum Kleid zog Maybach die Bräute schonungslos durch den Kakao. Über Monate tyrannisiere die Braut mit Telefonaten und Ortsterminen Pfarrer, Küsterin und den Organisten. Um zwei Wochen vor der Hochzeit mitzuteilen: „Der Reifrock ist zu breit für den Mittelgang. Ich heirate im Nachbarort.“ Die Bibel biete auch Vorlagen für Schlager: Etwa „Glaube, Liebe, Hoffnung“ aus dem Korinther-Brief. Als Ingmar Guildo Alexander karikierte Maybach den „Eurovision Song Contest“. Wie es mit dem biblisch-christlichen Grundwissen bestellt war, testete der Pfarrer im Kelch-Test, Fazit: „Der Gemeinde liegt das Alte Testament mehr. Und Singen ist deutlich besser als Wissen.“

Begeisterter Applaus, der lange anhielt.

Von Sandra Rose

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