Humor unterm Wursthimmel

Kunststipendiat Janosch Feiertag dockt an Dorfkultur an

 Janosch Feiertag und Horst Haber stehen zusammen im Reiterstübchen.
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Das Reiterstübchen als Kunstmotiv: Hier haben sich Künstler Janosch Feiertag und Horst Haber kennen gelernt.

Janosch Feiertag hat sich schnell in Willingshausen eingelebt und stellt jetzt vor Ort in der Kunsthalle aus.

Willingshausen. Eine seltene Symbiose aus Kunst und Kultur im Allgemeinen, Willingshäuser Dorfkultur im Besonderen geht die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen ein. Der 52. Stipendiat hat in dem Malerdorf nicht nur gewohnt, sondern hier gelebt – dies hat unverkennbare Spuren in seiner Schau „Schnaps oder Chopin?“ hinterlassen.

„Vivat hoch die Malerei, und ein Schoppen sei dabei“ – es lebe die Kunst und das Feiern. So wie Feiertag das alte Blechschild am einstigen Eingang des Willingshäuser Malerstübchen künstlerisch adaptiert hat, so ähnelt der Flyer zur Ausstellung einem Kirmesplakat: Schwälmer Hännes trifft auf Haaßebier: „Schnaps oder Chopin (Schoppen)?“

Wer die Kunsthalle Willingshausen betritt, fühlt sich sogleich mitten im Ort. Von der Decke hängt ein Himmel aus Würsten herab – die bunten, mit Schafwolle ausgestopften Plastikdärme hat Feiertag gegenüber in der ehemaligen Metzgerei Bechtel gefunden, als er dort eine temporäre Cocktailbar einrichtete. Unter den Würsten fällt der Blick auf ein großes grünes Tor, wie es früher an fast jeder Scheune in der Schwalm hing. Das Tor öffnet zur Rechten den Blick ins Malerstübchen – auf geradezu verblüffende minimalistische und zugleich schelmische Weise stellt Feiertag einen Bezug zu Historie und Gegenwart dar.

Das Dorf inspiriert Feiertag bei seiner Arbeit

Feiertag hat viele entdeckt bei seinem dreimonatigen Aufenthalt in Willingshausen und schärft mit der Distanz des von außen Kommendem auch den Blick der Besucher. „Wie Sticker“, so Kurator Heiner Hoffmann, hängen seine Bilder an den Seitenwänden.

Hinter dem Tor zur Linken das Willingshäuser Reiterstübchen mit einem Tisch, darauf sorgfältig aufgestellte Schlitzer Urkorn-Fläschchen – Schnaps eben. Hier im Clubhaus der Willingshäuser Reiter hat Feiertag Horst Haber kennen gelernt. „Er hat sich unheimlich Mühe gemacht, das Dorf kennen zu lernen“, sagt der Willingshäuser über den Kunststipendiaten.

Dies bescheinigte in seiner Laudatio auch Heiner Hoffmann dem 34-Jährigen anerkennend, der in Kassel visuelle Kommunikation studiert hat: „Feiertag hat sich mit Unbekümmertheit in Willingshausen überraschen lassen.“ So ist es dem jungen Vater in der überaus sehenswerten und teils amüsanten Ausstellung mit viel verstecktem Witz gelungen, Willingshausen, der Schwalm und darüber hinaus einen künstlerischen Spiegel vorzuhalten, der ein Gefühl von Heimat aufkommen lässt und doch etwas Neues schafft.

Der Richtige für das Kunststipendium

Ein Astloch im Tor dient als Guckloch – dahinter sind die Zellaer Kirmesburschen zu sehen, wie sie mit dem Pferdewagen durch Willingshausen ziehen. Da hatte Feiertag zur rechten Zeit die Kamera zur Hand.

Überhaupt lässt die Ausstellung vermuten, dass der 34-Jährige auch der richtige Stipendiat zur richtigen Zeit ist und das in der ehemaligen Malerkolonie verwurzelte Kreative in Willingshausen fortsetzt.

Dies bestätigte Verena Tietze-Winter im Namen der vollständig zur Vernissage anwesenden Sparkassen-Finanzgruppe zu dem von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkassen-Versicherung, der Kreissparkasse Schwalm-Eder, dem Landkreis sowie der Gemeinde Willingshausen seit 25 Jahren getragenen Förderung junger Künstler. „Es eröffnen sich neue Perspektiven, das Kunststipendium auch besser zu vernetzen“, so Verena Tietze-Winter zur Zukunft des Kunststipendiums.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 7. November, Dienstag bis Freitag 14 bis 17 und Samstag und Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. (Kerstin Diehl)

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