Idylle bekommt Risse

Frielendorf: Im Silbersee sinkt der Pegel

Pfähle von verrotteten Stegen ragen hoch aus dem Wasser, der Uferbereich ist breiter: Das sind die deutlich sichtbaren Zeichen für das Sinken des Wasserspiegels im Silbersee.
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Pfähle von verrotteten Stegen ragen hoch aus dem Wasser, der Uferbereich ist breiter: Das sind die deutlich sichtbaren Zeichen für das Sinken des Wasserspiegels im Silbersee.

Der Silbersee in Frielendorf gibt Rätsel auf. Am Badesee, der aus einem Braunkohle-Tagebau entstand, sinkt deutlich der Wasserspiegel. Nach den Ursachen wird jetzt geforscht.

Frielendorf. Der Silbersee ist in diesen frühsommerlichen Tagen eine wahre Idylle. Wildrosen verströmen ihren Duft, einzelne Schwimmer ziehen ihre Bahnen, eine Stand-up-Paddlerin durchquert den See. Aber die scheinbar perfekte Welt an Frielendorfs touristischer Lebensader weist deutlich sichtbar Risse auf: Die Uferbereiche werden breiter, Pfähle von verrotteten Stegen ragen meterhoch aus dem Wasser: Der Wasserpegel sinkt.

Sorgenvoll betrachtet man diese Entwicklung im Frielendorfer Rathaus. „Wir wollen rechtzeitig handeln und nicht Zustände wie am Edersee haben“, erklärt Bürgermeister Thorsten Vaupel. Eine mögliche Ursache könnte aus seiner Sicht die Trockenheit der vergangenen Jahre, insbesondere in den Sommern 2018, 2019 und 2020, sein.

Gerade im vergangenen Jahr hat es eine rasante Verschlechterung der Situation gegeben. Der Wasserspiegel des Silbersees ist im Zeitraum von Juni 2020 bis Oktober 2020 um rund 30 Zentimeter gefallen. Das Zusammenspiel aus einem hohen Verdunstungsgrad wegen der vielen Sonnentage und das Absinken des Grundwasserspiegels durch die Trockenheit könnte die Ursache sein, meint Vaupel. Wegen der Trockenheit seien auch die wenigen Zuläufe, die der See hatte, versickert.

Historische Aufnahme des Tagebau in Frielendorf

Die Gemeinde ist angesichts der Brisanz der Situation bereits aktiv geworden, um ein mögliches Auslaufen des Gewässers auszuschließen. Im Verlauf des Bächleins Klinge im nahegelegenen Ortsteil Allendorf fließt circa 300 Meter vom Silbersee entfernt Wasser aus einem Rohr in die Klinge. Um festzustellen, ob dieses Wasser aus dem Silbersee abfließt, wurden mehrere Parameter des Wassers mit denen des Silbersees im Labor untersucht und verglichen. Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass das Wasser nicht aus dem Silbersee kommt.

Die Ermittlungen gingen weiter: Mit zwei Mitarbeitern recherchierte der Bürgermeister beim Bergbauamt in Bad Hersfeld. Sie sichteten dort aufwendig alte Pläne des ehemaligen Tagebau-Gebietes, um ein mögliches Versickern in alte Schächte auszuschließen. Eigentlich eine naheliegende These angesichts der Geschichte des Areals. Aber – diese Recherchen in Bad Hersfeld ergaben ebenfalls keinen Anhaltspunkt für das Abfallen des Wasserspiegels im Silbersee, erklärt Bürgermeister Vaupel. Nun geht die Gemeinde einen Schritt weiter. Um weitere Aufschlüsse zu bekommen, ist im Bereich des Silbersees eine hydrogeologische Untersuchung beauftragt. Ziel der Untersuchung ist, den Grundwasserspiegel festzustellen und über einen noch zu definierenden Zeitraum zu beobachten. Gleichzeitig kann der durch die Untersuchung festgestellte Grundwasserspiegel mit Untersuchungen abgeglichen werden, die im Vorfeld der Errichtung des Wellness-Paradieses angefertigt wurden.

Apropos Wellness-Paradies: Die Treppe vom feststehenden Gebäudebestand herunter zur Sauna, die auf dem See schwimmt, musste um einige Stufen verlängert werden – wegen des sinkenden Wasserspiegels des Silbersees. (Sylke Grede)

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