Im Heimatmuseum Neukirchen gewährte die Steinmetzfamilie Ritter einen Einblick in ihr altes Handwerk

Für ihren beißenden Spott berüchtigt

Steinmetzzeichen: Das Zeichen an der Marienkapelle Neukirchen stammt aus dem 15. Jahrhundert

Neukirchen. Zum 4. Mal lud der Museumsverein Neukirchen zu einer Veranstaltung „Altes Handwerk“ in seine Räume ein. Am Sonntag stand mit dem Steinmetzhandwerk einer der ältesten Berufe im Mittelpunkt.

Die ortsansässige Steinmetzfamilie Ritter (Hintergrund) war zu dritt – Vater, Sohn und Tochter – erschienen, um über ihren Beruf zu berichten, aber auch eine Rückschau in die Geschichte des Handwerks zu geben.

Holger Ritter, Seniorchef, verdeutlichte mit alten Werkzeugen, wie die Steinmetze vor Jahrhunderten die großen Steinquader in Form brachten. Die Steingröße bemaß sich aus der Größe des Stadttores und der Zugkraft der Ochsen. Die Gäste konnten kaum glauben, dass es den Steinmetzen gelungen ist, mit einfachen Werkzeugen große ebene Quader herzustellen.

Benjamin Ritter, ebenfalls Steinmetzmeister im elterlichen Betrieb, gab einen Einblick in das Leben und Arbeiten der Steinmetze im Mittelalter. Damals schlossen sich die Steinmetze in so genannten Steinmetzhütten zusammen. Die Hütte bezeichnete sowohl das Bauwerk der Werkstatt als auch der Zusammenschluss als Zunft. Die Meister, Gesellen und Lehrlinge arbeiteten an festgelegten Plätzen mit eigenen Regeln.

Klare Zuständigkeiten

So war der Meister für den Zustand der Hütte verantwortlich, während der Geselle nach der Arbeit das Werkzeug aufzuräumen hatte und die Fenster schließen musste. Jeder Fehler wurde mit einer Geldstrafe belegt. „Ein vergessenes Fenster kostete 3 Pfennig“, erzählte Benjamin Ritter. Das Geld wurde gesammelt und stand für Notfälle innerhalb der Zunft zur Verfügung. „Sie unterstützen damit ihre Zunftmitglieder bei eventuellen Gerichtskosten, kauften aber auch Bier dafür.“

Die Steinmetze galten als große Spötter und bekamen immer wieder Ärger mit der Gerichtsbarkeit. Wer im Mittelalter Steinmetz werden wollte, musste vier Bedingungen erfüllen: Er musste katholisch und zweitens ein eheliches Kind sein, wobei drittens der Vater kein Metzger sein durfte. Die vierte Voraussetzung bestand in der Stellung eines Bürgen. Erfüllte ein junger Mann alle vier Bedingungen, wurde er für fünf Jahre als Lehrling in einer Steinmetzhütte aufgenommen.

Kurz vor Ende seiner Lehrzeit weihten ihn die anderen Gesellen in die Geheimnisse ihrer Zunft ein. Bei der Lossprechung bekam der Geselle von seinem Meister sein persönliches Steinmetzzeichen. Dieses Zeichen schlug der Geselle fortan in die von ihm behauenen Steine. Vor allem bei großen Bauprojekten war die Kennzeichnung unerlässlich, da erst sie gewährleistete, dass der Steinmetz für seine Arbeit bezahlt wurde.

Manche Gesellen begaben sich nach der Freisprechung auf eine dreijährige Wanderschaft, um so ihren Meistertitel zu erwerben.

Von Christiane Decker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.