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Immer mehr Schotterflächen schaden Tieren und Pflanzen

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Von: Johannes Rützel

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Aus für Schottergärten in Neukirchen: In der Satzung steht, dass Grundstücke so nicht mehr gestaltet werden dürfen.
Aus für Schottergärten in Neukirchen: In der Satzung steht, dass Grundstücke so nicht mehr gestaltet werden dürfen. (Symbolbild) © dpa

Die Kommunen sind beim Verbot der sterilen Gärten zurückhaltend. In Fritzlar und Melsungen findet sich seit 2019 keine Mehrheit für ein Verbot.

Schwalm-Eder – Schottergärten, darunter leiden Igel, Insekten und Vögel. „Die Welle von Schottergärten geht jetzt erst los, es ist en vogue und betrifft vor allem Neubaugebiete“, sagt Holger Arndt, Fraktionssprecher der Grünen in Neukirchen. Auf Arndts Antrag hin wurden geschotterte Bereiche in Neukirchen kürzlich auf auf zwei Prozent der Grundstücksfläche begrenzt.

Kommunen verbieten Schotterflächen über Bebauungspläne

In Schwalmstadt erlaubt der Bebauungsplan in den Neubaugebieten nur fünf Prozent der Fläche mit Schotter zuzuschütten. Dort heißt es zur Begründung, dass eine Gestaltung von Gärten mit hoher Versiegelung als kritisch zu werten sei, weil sie den Lebensraum von Tieren, Insekten und Bienen verkleinern und sich der Boden zu stark erwärmt. „Unabhängig von Bebauungsplänen sind große und sterile Schottergärten baurechtlich zu beanstanden“, teilt eine Mitarbeiterin der Stadt auf HNA-Anfrage mit.

Vor rund einem Jahr haben Niedenstein und Wabern über ihre Bebauungspläne Schottergärten auf Neubaugrundstücken untersagt.

Holger Arndt Grünen-Sprecher Neukirchen
Holger Arndt Grünen-Sprecher Neukirchen © Die Grünen Neukirchen

Anders sieht es in den größeren Städten Fritzlar und Melsungen aus: 2019 gingen Anträge an die Stadtverwaltungen, ausdrücklich verboten sind Schottergärten dort aber noch nicht. Christiane Rößler hatte den Antrag in Melsungen eingebracht, er komme auch immer wieder ins Stadtparlament, es gebe dort aber keinen Konsens, so die grüne Lokalpoltikerin.

Hessische Landesbauordnung lässt Interpretationsspielraum

In Hessen müssen die Kommunen aktiv werden, weil die Landesbauordnung zu den Schottergärten unterschiedlich ausgelegt werden kann. Darin steht lediglich, dass die nicht bebauten Flächen wasserdurchlässig und begrünt oder bepflanzt sein müssen.

Theoretisch können Kommunen ein Pflanzgebot aussprechen. Das sei aber kompliziert und aufwendig. „Weder die Stadt noch die Bauaufsichtsbehörde beim Kreis haben ausreichende Kapazität, um Schottergärten zu sanktionieren“, heißt es aus dem Rathaus Schwalmstadt dazu. Dabei würde es vielen Tieren schon helfen, kleine Flecken der Gärten der Natur zu überlassen, so etwa Peter Lorenz, Nabu Kassel.

Hintergrund: Für Gärten sind die Kommunen zuständig

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hatte bereits 2019 an die Kommunen appelliert, mehr gegen Schottergärten zu unternehmen. In Neubaugebieten habe dieser Trend mittlerweile große Dimensionen angenommen. In Baden-Württemberg verbietet das Landesnaturschutzgesetz Schottergärten generell und stellt klar, dass sie auch gegen die frühere Landesbauordnung verstoßen haben. Schottergärten müssen dort also auch zurückgebaut werden. 

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