Auf Schienen zurück in die Zukunft

Initiative fordert die teilweise Reaktivierung der Kanonenbahn

Stillgelegte Gleisanlage der Kanonenbahn bei Frielendorf am Silbersee.
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Stillgelegte Gleisanlage der Kanonenbahn bei Frielendorf am Silbersee.

Mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen – der griffige Satz beschäftigt nicht nur die Aktivisten im Dannenröder Forst im Zusammenhang mit dem Bau der A49, sondern auch eine Bürgerinitiative (BI) im Schwalm-Eder-Kreis. Ganz konkret geht es um die Reaktivierung der Bahnlinie zwischen Treysa und Homberg.

Schwalm-Eder – Die BI „Rettet die nordhessische Kanonenbahn“ hat Argumente herausgearbeitet die für den Wiederbetrieb der alten Strecke sprechen. Auch eine erste Kostenanalyse liefert die Bürgerinitiative und fordert den Landkreis auf, eine Machbarkeitsstudie in der Sache zu erstellen.

Rund sieben Millionen Euro würde es kosten, erklärt der Vorsitzende der Initiative, Prof. Dr. Herbert Wassmann: „Es wird immer argumentiert es sei zu teuer, dabei ist es überschaubar. Ein paar hundert Meter Autobahn kosten mehr.“ Die Berechnung habe ein Mitglied der Bürgerinitiative erstellt, das auch beruflich mit der Thematik betraut sei, so Wassmann weiter: „Die Zahlen sind durchaus realistisch.“ In erster Linie solle die Bahnstrecke von Schülern, Studenten und Berufspendlern genutzt werden. Darüber hinaus könne die touristische Nutzung des Luftkurort Frielendorf mit dem Silbersee sowie der Altstadt von Homberg verbessert werden.

Bahntrasse Treysa - Homberg

Kanonenbahn: Mehr Menschen in den Zug

Nach Angaben der Bürgerinitiative würden durch eine Reaktivierung der 2003 stillgelegten Strecke über 25 000 Menschen an das überregionale Schienennetz angebunden. Eine in Betrieb genommene Kanonenbahn könnte sich somit auch positiv auf die Bevölkerungsentwicklung der dann wieder zum Netz der Deutschen Bahn gehörenden Kommunen auswirken, meint Prof. Dr. Wassmann: „Der gesicherte Bahnanschluss ermöglicht Menschen von außerhalb, bezahlbares Wohnen in der Nähe der Anliegergemeinden zu nutzen und in Anspruch zu nehmen.“ Sollte es wirklich zu einer Reaktivierung der Bahnverbindung kommen, schlägt der Vorsitzende der Bürgerinitiative auch eine Umbenennung vor. Statt Kanonenbahn könnte das Teilstück dann zum Beispiel Knüllwald-Bahn heißen, so Wassmann: „Die Strecke erschließt ja das Knüllgebiet.“

Kanonenbahn: Landkreis favorisiert Bahnradweg

Der Schwalm-Eder-Kreis sieht eine Reaktivierung der alten Bahnlinie hingegen skeptisch und würde statt Zügen lieber Fahrräder auf der Strecke sehen.

Die Nutzung der Kanonenbahn als Radweg zwischen Schwalmstadt und Homberg wäre die direkte und kürzeste Verbindung, die eben verläuft und dem Sicherheitsaspekt in hohem Maße Rechnung trage, so Kreispressesprecher Stephan Bürger auf Anfrage der HNA: „Unseres Erachtens ist die Reaktivierung der Bahnstrecke aus wirtschaftlichen Gründen unrealistisch und steht in einem sehr ungünstigen Verhältnis von Kosten und Nutzen.“ Da die Trasse Frielendorf und Homberg nur am Rand streift, sei nicht zu erwarten, dass viele Menschen das Angebot nutzen würden, gibt der Kreissprecher zu bedenken.

Dem Argument widerspricht der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Zum einen könne man die beiden Bahnhöfe beispielsweise mit Bürgerbussen an die Orte anbinden, und zum anderen seien die Menschen zum Beispiel durch die Nutzung von E-Bikes wesentlich flexibler als noch vor ein paar Jahren, sagt Prof. Dr. Wassmann und betont weiter, dass es der BI nicht darum gehe, Radfahrer und Bahnfreunde gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu verbinden.

Strecke liegt im Dornröschenschlaf

Von einer Reaktivierung der Kanonenbahn wären in erster Linie Schwalmstadt, Homberg und Frielendorf betroffen. In einer gemeinsamen Presseerklärung äußerten sich die drei Bürgermeister zu den Vorschlag der Bürgerinitiative.

Egal ob Sanierung der Strecke und Reaktivierung des Bahnbetriebs oder Umbau der Bahnanlagen zu einem Radweg: beide Varianten hätten Charme und beide Optionen würden eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo darstellen, stellen Dr. Nico Ritz, Thorsten Vaupel und Stefan Pinhard fest. Grundsätzlich sollte ernsthaft darüber diskutiert werden, wie man die Kanonenbahn aus ihren Dornröschenschlaf holen könnte, fordern die Bürgermeister. Sollte aus Wirtschaftlichkeitsgründen dabei eine Reaktivierung der Bahnstrecke nicht gegeben sein, wäre ein Bahnradweg für die Sicherung der Trasse ein großer Vorteil, so die drei Verwaltungschefs.

Die Bahn teilte mit, dass sich im Bereich Homberg befindliche Grundstücke nicht mehr im Besitz des Konzerns befinden und vor einer Reaktivierung von der Stadt Homberg zurückgekauft werden müssten. „Die Reaktivierung der Strecke 6710 Treysa-Homberg wurde in einer Studie des Landes Hessens zum Potenzial stillgelegter Strecken als derzeit nicht zielführend eingestuft. Es liegt daher auch keine Kosteneinschätzung vor“, so eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage.

Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen äußerte sich nicht zur Causa Kanonenbahn, teilte aber mit, dass das Land in der Reaktivierung von Bahnlinien einen Beitrag für eine klima- und umweltfreundliche Mobilität sehe. (mha)

Informationen, Argumente und Kostenaufstellung findet man unter kanonenbahn-nordhessen.de/

Von Matthias Haaß

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