Bahn und Radweg könnten parallel verlaufen

Interessengemeinschaft befürwortet Zugverbindung von Treysa nach Melsungen

Bahngleise verlaufen durch ein Waldstück. Im Gleisbett liegen herbstlich verfärbte Blätter.
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Kanonenbahn: Ob hier jemals wieder ein Zug rollt, steht noch in den Sternen. Die Reaktivierung von Bahnlinien als Teil der Verkehrswende wird aber nicht nur in der Region, sondern auch bundesweit diskutiert.

Die Diskussion um eine mögliche Reaktivierung der Kanonenbahn von Treysa in Richtung Homberg nimmt kein Ende. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen spricht sich für die Strecke aus.

Treysa – Die Befürworter einer Reaktivierung der Kanonenbahn machen weiter mobil. In einer Stellungnahme meldet sich jetzt die „Interessensgemeinschaft (IG) Schnellbahn Treysa-Melsungen“ zu Wort. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen spricht sich für Bahnreaktivierungen aus, bricht aber auch eine Lanze für Radfahrer. Im Gegensatz zur „Bürgerinitiative zur Reaktivierung der Bahnstrecke Treysa-Homberg“ geht die Interessensgemeinschaft sogar noch einen Schritt weiter und fordert nicht nur die Wiederinbetriebnahme der Kanonenbahn bis Malsfeld, sondern auch die Weiterführung bis Melsungen. Außerdem sollte die Bahnstrecke elektrifiziert und für den Gütertransport ertüchtigt werden.

Bahnstrecke mit militärischer Bedeutung

Das  erste Teilstück der in der Region als Kanonenbahn bekannten Bahnstrecke wurde 1875 eröffnet. Im Endausbau verband die Bahnlinie die Städte Leinefelde, Eschwege, Spangenberg, Malsfeld, Homberg (Efze) und Treysa miteinander. Beim Bau der Strecke spielten auch militärstrategische Gesichtspunkte eine Rolle.

Die Strecke in einen Radweg umzubauen hält die Interessensgemeinschaft in Zeiten der Verkehrswende nach eigenen Angaben für einen völlig aus der Zeit gefallenen Witz. Wie IG-Sprecher Hans Schrewe im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, könnte sich gerade Schwalmstadt besser aufstellen, wenn die Stadt nicht nur auf die A 49, sondern noch stärker auf die Bahn setzen würde. Zusätzlich zu den für den Berufsverkehr wichtigen Bahn-Verbindungen nach Kassel und Frankfurt sollte auch die Schienen-Schnellverbindung zu der nur 30 Kilometer entfernt liegenden Tourismus- und Jobregion Fulda-Werra reaktiviert werden.

Interessensgemeinschaft: Reaktiverung der Kanonenbahn durchaus umsetzbar

Dort verbinde ein mittlerweile ausgebautes Bahn-Netz mit modernen Zügen die Städte Melsungen, Eschwege, Rotenburg, Bebra, Bad Hersfeld, Fulda und Eisenach miteinander, meint Schrewe: „In 30 Minuten nach Melsungen zu kommen ist nicht unrealistisch und würde zwei Jobregionen und touristische Highlights sehr gut miteinander verbinden. Die Reaktivierung der Kanonenbahn sei durchaus umsetzbar, ist der Sprecher der Interessensgemeinschaft überzeugt und verweist auf die nach der Deutschen Einheit wieder aufgebaut Verbindung von Bebra nach Eisenach. Neu gebaut wurde die Strecke zum neuen Stadtbahnhof Eschwege und folgen wird die Reaktivierung der Strecke Gersfeld Bad Salzungen, sagt Schrewe.

Auch für Fahrradpendler- und Touristen sei die Reaktivierung wichtig, denkt Hans Schrewe: „Denn nur die Bahn bietet für Fahrradfahrer einen unkomplizierten, umfassenden und schnellen Mitnahmetransport an.“ Aber nicht nur regionale Initiativen machen sich für die Reaktivierung von Bahnstrecken stark. In diesem Jahr veröffentlichte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine Liste stillgelegter Eisenbahnstrecken, die zumindest theoretisch wieder in Betrieb genommen werden könnten.

Alte Kanonenbahn: VDV hält schlägt vor, Wiederinbetriebnahme sinnvoll zu prüfen

Auf dieser Liste findet sich auch das Teilstück alten Kanonenbahn Treysa-Homberg. Der VDV stellte in seiner Ausarbeitung fest, dass bei der Strecke zumindest ernsthaft geprüft werden sollte, ob eine Wiederinbetriebnahme sinnvoll sein könnte. Das sich Fahrrad und Bahn nicht ausschließen, sondern ergänzen zeigt ein weiterer Vorschlag des VDV: Statt einer Entscheidung entweder Radweg oder Schienenstrang sei auch bei eingleisigen Trassen durchaus beide Varianten möglich.

Bei entsprechendem Trassenquerschnitts könnte ein Radweg durchaus bahnparallel verlaufen und dabei die Funktion eines Begleitwegs für die Bahnstrecke miterfüllen, so die Experten. Ob diese Variante der friedlichen Koexistenz auch bei der Kanonenbahn möglich wäre, müsste geprüft werden, zumindest auf einigen Abschnitten erscheint es aber fraglich.

Information: Ausarbeitung des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zur Reaktivierung von Bahnstrecken als pdf unter vdv.de/reaktivierung-von-eisenbahnstrecken-2020.pdfx, Kontakt Interessensgemeinschaft: ig-schnellbahn-treysa-melsungen@freenet.de (Von Matthias Haaß)

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