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Jausenhütte in der Schwalm lädt seit 50 Jahren zur Rast ein

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Drei Generationen Tschepa von links: Maritta, Georg, Ingo und Hannes stoßen auf das Jubiläum an.
Drei Generationen Tschepa von links: Maritta, Georg, Ingo und Hannes stoßen auf das Jubiläum an. © Philipp Knoch

Bis in die Antike reicht die Geschichte der Gasthäuser zurück. In unserer Serie Lokalzeit stellen wir Ihnen unsere Lokale mit ihren Wirten vor.

Zella – Auf der Zellschen Kopp‘, einer Anhöhe bei Zella, betreibt die Familie Tschepa eine Schankwirtschaft. Schon seit 50 Jahren bieten sie eine Einkehrmöglichkeit für vorbeikommende Radfahrer und Wanderer an.

Rhönschafe und Dexterrinder, eine irische Rasse, grasen auf den Weiden, eine schwarze Katze rollt sich neben dem Hausherren zusammen und lässt sich bereitwillig kraulen. Ein Bauernhofidyll wie aus dem Bilderbuch. In einer dunklen Holzhütte ist die Theke untergebracht, ihr schließt sich eine Terrasse mit einem Dach aus Weinpflanzen an. Im Außenbereich wartet ein Grillplatz auf Gäste. Viele unterschiedliche Bäume spenden Schatten, rustikale Sitzbänke sind mit Schaffellen gepolstert.

1972 fing es mit Ponyreiten und Ausschank an

Vor der Gründung der Schankwirtschaft stand auf der Kuppe nur eine einzelne Lärche, heute als Naturdenkmal auf jeder Wanderkarte zu finden. Das Ehepaar Georg (73) und Maritta (69) Tschepa aus Zella erbte das Stückchen Land.

Hier siedelten sie Schafe und Ponys an. Die Gäste, die zum Ponyreiten mit ihren Kindern vorbeikamen, erinnert sich Maritta Tschepa, wollten auch etwas trinken und verweilen. So entstand die Idee einer Schankwirtschaft, seit 1972 darf Georg offiziell Gäste bewirten. „Es hat sich so ergeben“, resümiert Tschepa. Das Gelände habe man nach und nach hergerichtet.

Massagen im Munitionsbunker

In einem ehemaligen Munitionsbunker auf der Anhöhe hat sich Georg Tschepa, Masseur, Raiki-Meister und selbst ernannter Esoteriker, einen Raum mit Klangschalen und Räucherstäbchen eingerichtet. Hier behandelt er Patienten mit Klangmassagen. Daneben steht eine Schwitzhütte. Tschepa hat auch schon einen Schamanen aus Indien auf der Zellschen Kopp‘ begrüßen können.

Ihre Wirtschaft solle ähnlich wie eine Almhütte in den Alpen ein ungezwungener Anlaufpunkt zum Verweilen sein. Hier könne man vom Alltag abschalten. „Viele freuen sich, dass sie ohne Smartphone, ohne Elektrosmog runterkommen können“, sagt Tschepa.

Täglich geöffnet ab 17 Uhr

Hauptsächlich kämen Radfahrer und Wanderer hier her, berichtet der 49-jährige Sohn Ingo. Ab 17 Uhr habe man jeden Tag geöffnet. Die Saison gehe von Mai bis Oktober. „Wenn niemand von uns da ist, nehmen sich die Stammgäste selber was zu trinken und lassen ein bisschen Geld auf dem Tresen liegen“, berichtet Maritta Tschepa.

Der 1. Mai ist immer der Höhepunkt des Jahres. „Da haben wir immer viel Laufkundschaft, es ist ein Kommen und Gehen“,berichtet Ingo Tschepa. Bis zu 250 Leute habe man in guten Jahren schon über den Tag hinweg begrüßen können. Für Firmenfeiern und Geburtstage kann die Hütte reserviert werden. Für sie bereite man auch Essen zu, natürlich von den eigenen Tieren.

„Zum Leben hat die Wirtschaft nie gereicht, sie ist eine Herzensangelegenheit. Ans Aufhören haben wir nie gedacht“, erzählt Georg. Man habe die Hütte immer als Freizeitvergnügen angesehen. Geld verdiente das Ehepaar mit der Landwirtschaft, Georg Tschepa hat außerdem seine eigene Massagepraxis in Zella.

Jubiläumsfeier am 16. September

Das Jubiläum am 16. September will man mit Freunden und Familie feiern. „Auch alle anderen, die sich verbunden fühlen, können vorbeikommen. Für die Verköstigung ist gesorgt“, freut sich Tschepa auf die Feier.

Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Sowohl Sohn Ingo als auch Enkel Hannes (20) wollen die Schankwirtschaft irgendwann mal weiterführen und noch viele Gäste auf der Zellschen Kopp‘ begrüßen. Von Philipp Knoch

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