Session ohne Veranstaltungen (2)

Karnevalisten im Lockdown: Unsinn hat Sinn – ohne Lachen geht es nicht

So schön soll es wieder werden: Unser Archivbild zeigt Prinzenpaar und Hofstaat im Januar 2018, rechts Günter Felgenhauer.
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So schön soll es wieder werden: Unser Archivbild zeigt Prinzenpaar und Hofstaat im Januar 2018, rechts Günter Felgenhauer.

Wir haben Köpfe des Schwälmer Karnevals gefragt: Wie erleben Sie die Session ohne Aktion? Wie und wann geht es karnevalistisch weiter?

Schwalmstadt – Günter Felgenhauer ist als Chef des Karnevals-Komitees der Liedertafel Treysa – kurz KKdLT – ein eingefleischter Karnevalist. Der 72-Jährige startete 1970 als Treeser Johannismann in der Bütt, Jahrzehnte war er Sitzungspräsident, seit 2012 amtiert er als Komiteechef. Denkt Felgenhauer an voriges Jahr, so fallen ihm augenblicklich Superlative ein: Es war „eine rauschende Kampagne voller Leidenschaft, Energie und Ausdauer“. Und echte Treeser lassen sich von einer Pandemie noch lange nicht zurückpfeifen: „Trotz Handelsstreik und Brexitqual, wir feiern weiter Karneval! – Das ist und bleibt unser Motto bis zum 11.11.2021.“

Aber Felgenhauer ist wenn nötig auch Realist, „nach dem rauschenden Fest kam der Härtetest! Keine Proben, keine Treffen mit Freunden, kein Karneval“. Sicher ist für Felgenhauer in dieser Session ohne Aktion aber, dass „wir trotzdem alle engagierte Karnevalisten bleiben“. Gerade das Völkchen der Karnevalsfreunde puste so rasch nämlich nichts um, „getreu unserer Vereinsparole: „Wenn´s auch mal kocht und auch mal siedet, wir halten zusammen,wie von Hand geschmiedet.“

Karnevalisten im Lockdown: Vorstand behält ein weiteres Jahr die Geschäftsführung

Trotz allen Widrigkeiten sei positiv zu vermerken, dass das amtierende Prinzenpaar, Prinzessin Lisa I. und Prinz Christian III. von der Malerkolonie, weiter amtierend bleibt und alle Verpflichtungen im Rahmen seiner Möglichkeiten wahrnimmt. Durch die ausgefallene Jahreshauptversammlung behalte der Vorstand für ein weiteres Jahr die Geschäftsführung, Vorstandssitzungen fänden nach Bedarf virtuell statt. Einen regen Austausch pflegen die Treeser Karnevalisten laut Felgenhauer selbstverständlich auch derzeit, zum Beispiel über WhatsApp-Gruppen. Und jedes Vereinsmitglied wird bei einem runden oder Schnapszahl-Geburtstag beglückwünscht. Wichtig sei es besonders, den Nachwuchs nicht aus dem Blick zu verlieren, die Jüngsten haben von den Gruppenleiterinnen eine kleine Aufmerksamkeit erhalten, um ihre Verbundenheit zum Verein zu fördern.

Der Ausblick ist den Treesern wichtig, „wir wünschen uns allen für die kommende 63. Kampagne genau diese Energie, Leidenschaft und Ausdauer zurück!“

Karnevalisten im Lockdown: KKdLT blickt hoffnungsvoll auf den 11.11.2021

Den treuen Besuchern Frohsinn zu bereiten und die täglichen Sorgen etwas zu mildern oder vergessen zu machen – das sei der wesentliche Sinn. Dazu passe dieser Spruch in dieser Zeit ganz besonders: Lachen ist ein gutes Ding/das Beste auf der Welt/und wenn Du nicht mehr lachen kannst,/ist´s schlecht um Dich bestellt/sag nur nicht so leicht dahin,/der Unsinn hätte keinen Sinn./Denn in den Stunden wo der Unsinn waltet/sind die Sorgen ausgeschaltet,/und sorgenlos sein, das heißt Gewinn/also hat der Unsinn Sinn!“

In diesem Sinne blickt das KKdLT nach vorn, „unser gemeinsames Ziel ist der 11.11.2021, traditionell im Saal Rockensüß mit Inthronisation des neuen Prinzenpaares. Da glauben wir alle fest dran!“ Diese Reime gibt Felgenhauer den HNA-Lesern noch mit: Corona hat sich eingestellt, weiter es uns in Atem hält, es bedroht die ganze Welt, hat alles auf den Kopf gestellt. Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir wollen diesen Feind besiegen! Nun habt Geduld und bleibt zu Haus, und haltet auch den Abstand aus, kämpft alle mit, wir werden siegen und uns bei den Prunksitzungen im Februar 2022 in den Armen liegen.

Karnevalisten im Lockdown: FCV in diesem Jahr ohne Wahl

Auch in Frielendorf gab es natürlich keine Wahl, „der FCV hat die Absage des Karnevals als zwingend notwendige Maßnahme im Rahmen des Lockdowns akzeptiert“, teilt Vereinspräsident Thorsten Nöll für den FCV mit, den Frielendorfer Carneval Verein 1968. Es wurden keine übergreifenden Online-Aktivitäten geplant und es werde auch keine Online-Veranstaltung oder Ähnliches geben. Der FCV insgesamt habe sich lediglich am Aufruf der VR-Partnerbank „Karneval mal anders“ beteiligt und ein kurzes Video gestaltet und eingesendet. Darüber hinaus hätten einzelne Untergruppen begonnen, Rückblicke auf die letzten Jahre über Instagram und Facebook zu posten.

Die Kommunikation innerhalb des Vereins finde aktuell vornehmlich in den Untergruppen statt, meist durch den Massengerdienst WhatsApp. Die übergeordnete Vereinsarbeit sei aufgrund der bereits im Herbst abgesagten Kampagne sehr stark reduziert. Die tatsächlichen Auswirkungen für den FCV würden sich erst nach Ende der Pandemie zeigen. Das Motto für dieses Jahr sei, so Nöll: positiv denken und negativ bleiben. Der Frielendorfer Carneval Verein begeistert alljährlich im großen Saal des Hotels Hassia mit den Darbietungen seiner Tanzgruppen und Sketchen. Besonders die Männertanzgruppe Fresh-Mett-Boys ist weit über die Grenzen der Marktfleckengemeinde bekannt.

Karnevalisten im Lockdown: VfB Schrecksbach hatte große Pläne für 2021

„Wir waren alle stolz und glücklich auf unsere Veranstaltungen und voller Pläne für 2021“, so Simone Fischer-Kremer aus Schrecksbach mit. Bitter hat die Pandemie die Narren dort getroffen, „sollte doch der Fasching 2021 der Auftakt zum Jubiläumsjahr des 100-jährigen Bestehens des VfB Schrecksbach sein“. Das Ungemach zeichnete sich schon ab, als die Helferparty für 2020 im Sommer ausfallen musste. Leider sei bald auch klar geworden, dass es 2021 keine „Jubiläums-Faschingssause“, stattdessen eine „Coronapause“ gibt. Letztlich gelte natürlich auch hier, was überall ganz obenan steht: „Statt Verdruss heißt es gesund zu bleiben und zu hoffen, dann stehen uns närrisch irgendwann wieder alle Wege offen.“

Ganz untätig bleiben die Schrecksbächer dabei nicht: Die Schwälmer Après Ski Jungs nutzen die Zeit und sind fleißig am Dichten. Auch die Garde Blau-Weiß und die ganze VfB-Faschingsfamilie sei dann wieder mit an Bord. Simone Fischer-Kremer: „Wir hoffen, auch unser Musiker und musikalischer Regisseur Manni Kasper ist dann wieder mit am Start.“ Gebeten um einen Bericht für diese Ausgabe richtet sie nochmal ein großes Dankeschön an alle Helfer, die versprochene Party werde auf jeden Fall nachgeholt. Derzeit könne man sich nur zurückerinnern an Glanzlichter 2020 in der buntgeschmückten Mehrzweckhalle mit der Blau Weißen Garde, Schwälmer Après Ski mit Johannes und Fabio, Männer und Frauen in der Kneipe, Seniorendancing, Frauen in der Midlife Crises, Red Ladies, Sarah Connor, Bull Mangroup und anderen mehr.

Karnevalisten im Lockdown: Der erste Karneval in Spieskappel war 1996 im DGH

Anna-Maria Euler ist das Gesicht des Spieskappeler Karnevals bei den Klosternarren. „Das was mir am Karneval gefällt, ist ausgelassene Stimmung, Frohsinn, die Alltagssorgen vergessen zu lassen und Leute zum Lachen zu bringen“, zählt sie auf. Das geht mit Sketchen und heiteren Geschichten, „auch gesangsmäßig lass‘ ich mir da was einfallen, so manches Lied wurde für den Karneval umgetextet und gesungen“. Der Lohn für die Mühe ist der Spaß, „es ist für mich die größte Freude, wenn man über mich lacht“, berichtet Anna-Maria Euler frank und frei.

Der erste Karneval in Spieskappel war 1996 im DGH, und einer der Höhepunkte war ein kleiner Festzug durchs Dorf im Jahr 2016 – daran erinnerten sich viele heute noch. „Büttenreden oder Begebenheiten aus dem Dorf mussten einfach sein, da durfte so mancher Spieskappler nicht fehlen, die waren anwesend und haben herzlich darüber gelacht.“ Eins ihrer Markenzeichen ist immer ihr „Randschwälmer-Platt“.

Wie alle Narren bedauert Anna-Maria Euler, dass in der jetzigen Zeit kein Karneval stattfinden kann – gerade weil man ein kleiner Verein mit persönlichem Charakter sei, „uns fehlt das familiäre Zusammenkommen mit den Mitgliedern, das Üben und Planen für die nächste Veranstaltung“. Ohne das Miteinander sei kaum Kreativität möglich, „jedem Aktiven fällt immer noch was ein, das wir übernehmen können“. (Anne Quehl/Matthias Haaß)

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