Karten geben Hinweise auf Gefahr

Starkregen ist nicht nur an Flüssen und Bächen eine Gefahr

THW Fahrzeug auf einer Straße im Katastrophengebiet in Ahrweiler
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Welche extremen Auswirkungen Starkregen haben kann, zeigen eindrücklich die Bilder aus Ahrweiler in Nordrhein-Westfalen. Eine Sturzflut hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Ein durch Starkregen ausgelöstes Hochwasser kann auch jeden Ort im Schwalm-Eder-Kreis treffen. Große Abflussmengen sind kaum beherrschbar. Helfen können spezielle Hinweiskarten.

Schwalm-Eder. Wenn wie in NRW in kurzer Zeit bis zu 200 Liter Wasser auf den Quadratmeter niederprasseln, besteht insbesondere an Hängen die Gefahr von Schlammlawinen. Kommt der Faktor Orografie, also die Beschaffenheit von Relief und Erdoberfläche, hinzu, dann kann sich der Oberflächenabfluss zu einer reißenden Sturzflut entwickeln und beträchtliche Schäden anrichten. Das kann auch in unserer Region passieren.

Solche Ereignisse mit immensen Abflussmengen seien kaum beherrschbar, heißt es auf Anfrage aus dem Regierungspräsidium Kassel gegenüber unserer Zeitung. In so einer Situation sind auch die Hilfskräfte erst einmal machtlos. Mobile Dämme könnten zwar helfen die Wasserfluten abzulenken, müssten aber rechtzeitig an der richtigen Stelle positioniert werden. Die Schutzmaßnamen gegenüber Hochwasser durch Starkregen sind im Vorfeld durch ein geeignetes Risikomanagement abzuschätzen, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Kommunen. Denn, eine Vorhersage, wo genau es regnet, ist nur sehr kurzfristig möglich. Das ist das Tückische am Phänomen Starkregen. Während in einem Ort das Wasser in die Keller läuft, ist nur wenige Kilometer entfernt alles in Ordnung.

Entsprechend schwierig gestaltet sich die Warnung. „Wir nutzen hier gern den Vergleich mit einem Wassertopf auf dem Herd. Wir wissen, dass das Wasser gleich beginnen wird zu kochen, wir wissen aber nicht genau wo die Blasen aufsteigen werden“, sagt Thomas Junghänel vom Deutschen Wetterdienst. Auf Basis von Tagesmessungen ab 1951 könne man bereits heute erkennen, dass die Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen in Deutschland teilweise zugenommen haben, so Junghänel weiter.

Informationen können Leben retten

Aus diesem Grund empfehlen Experten die Nutzung von Warnapps wie zum Beispiel Hessenwarn. Da man Regen nicht verhindern kann, setzt das Land Hessen auf Informationen und vorbeugende Maßnahmen. Auf einer Starkregenkarte können Kommunen Gefahrenpotenziale erkennen. Das sind Stellen, die in der Vergangenheit und aufgrund des Versiegelungsgrads besonders von Starkregen betroffen waren. Ein Indiz für zukünftige Ereignisse.

Noch detaillierter wird es mit Fließpfadkarten und Starkregen-Gefahrenkarten: Welche Straßen oder Plätze sind bei Starkregen besonders gefährdet? Gibt es kritische Bereiche wie Krankenhäuser oder Altenheime die in einem Überflutungsbereich liegen? Gibt es starke Hangneigungen bei landwirtschaftlichen Flächen, von denen das Wasser in den Ort fließt?

Im Ernstfall können diese Informationen nicht nur Sachwerte, sondern auch Leben retten. Wer weiß, dass sein Haus gefährdet ist, kann sich vorbereiten – viele Menschen in der Eifel ertranken in ihren Kellern, einfach weil das Wasser zu schnell kam. Wie das Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie auf Anfrage mitteilte, gibt es aber bislang noch keine für den Schwalm-Eder-Kreis fertiggestellte Fließpfadkarte.

Mehr Informationen zum Thema Starkregen gibt es beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Matthias Haaß)

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