Baracke als Blickfang: Kein Haus wie jedes andere

Verfall gestoppt: Das Gebäude an der Warthe-Weichsel-Straße wurde saniert und dient jetzt zum Teil als Lager einer Firma. Es ist von einer wechselvollen Geschichte geprägt, die eng mit der Geschichte Trutzhains verbunden ist. Foto:  Decker (1)/Repro (HNA)

Trautzhain. Jahrelang nagte der Zahn der Zeit an einer der Originalbaracken des ehemaligen Stalag IX A Ziegenhain in Trutzhain. Das Gebäude an der Warthe-Weichsel-Straße, Ecke Altvaterstraße, verfiel. Die Farbe der Fassade blätterte ab, das Dach war undicht und die Stützen verfaulten.

Jetzt ist die Baracke rundherum von Waldemar Schmidgal (Trutzhain) renoviert worden. Er nutzt das Gebäude als Lager für seinen Betrieb.

„Es ist die einzige RAD-Baracke, die noch erhalten ist“, erklärt Karin Brandes, Leiterin der Gedenkstätte Trutzhain (RAD steht für Reichsarbeitsdienst).

Sie wurde 1940 als Holzbaracke für die Wachmannschaften im deutschen Vorlager des Kriegsgefangenenlagers aufgestellt und diente als Schulungsraum und Offizierskasino.

Lager wurde Camp

Am 30. März 1945 befreite die 3. US-Armee die Gefangenen, um danach Wehrmachtsangehörige, NSDAP-, SS- und SA-Mitglieder im Lager zu internieren. Aus dem STALAG IX A Ziegenhain wurde das Civil Internment Camp 95 Ziegenhain. Das ehemalige Offizierskasino der deutschen nutzen nun die amerikanischen Offiziere.

Ein unbekannter Künstler verschönerte den Innenraum mit einem Bild der US-Freiheitsstatue, das er einfach direkt auf die Wand malte. Dieses Wandstück befindet sich als Dauerleihgabe in der Gedenkstätte Trutzhain.

Ab August 1946 wandelte sich das Lager erneut. Aus dem Gefangenenlager wurde ein Auffanglager für jüdische Displaced Persons (übersetzt: Personen, die nicht an diesem Ort beheimatet sind). „Juden fanden hier vor ihrer Ausreise aus Deutschland Unterkunft und Schutz“, erläutert Bernd Lindenthal, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte. Ab 1948 siedelte der Kreis Ziegenhain auf dem Gelände Flüchtlinge an, die ein Gewerbe oder Handwerk betrieben.

Ab 1951 arbeitete der Drechsler Franz Strecha in der Baracke. Später übernahm Rudolf Plotz das Haus für seinen Spielautomatenbetrieb. 1992 erbte dessen Nichte Kristina Plotz die Baracke.

„Es ist oft ein langwieriger Prozess, bis die beste Lösung gefunden ist“, sagt Architekt Hans-Dieter Schnarr. Er begleitete jahrelang das mittlerweile ausgelaufene Förderprogramm „Soziale Stadt“ in Trutzhain, innerhalb dessen eine Reihe Baracken saniert worden sind. „Es hat mehrere Jahre gedauert, bis es zum Verkauf kam“, so Schnarr.

Ursprüngliches Aussehen

Waldemar Schmidgal, der neue Eigentümer, ist zufrieden. „Es war viel Arbeit, aber jetzt begrüßt die Baracke alle Besucher und Bewohner Trutzhains wieder mit ihrem ursprünglichen Aussehen“, findet Schmidgal. Für ihn ist der Blick aus dem Fenster seines Wohnhauses auch schöner geworden, denn er wohnt im Eckhaus schräg gegenüber.

Von Christiane Decker

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