Keine Bahn ohne Papierausdruck

Schwalmstadt: Kritik an Online-Buchungsverfahren im Freibad Ziegenhain

Schwimmmeister Frank Schulz vom Freibad Ziegenhain (rechts) mit von links Gerdie Gemeinhardt, Sabina Schaaf und Ute Kraft am und im großen Becken.
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Bild aus Zeiten vor Corona: Schwimmmeister Frank Schulz vom Freibad Ziegenhain (rechts) mit von links Gerdie Gemeinhardt, Sabina Schaaf und Ute Kraft am und im großen Becken.

In Zeiten von Corona muss auch ein banaler Freibadbesuch angemeldet sein. In Schwalmstadt sorgt das Online-Buchungssystem aktuell für Kritik.

Schwalmstadt. An der Schwalmstädter Lösung der Onlinebuchung vor dem Freibadbesuch gibt es geharnischte Kritik. Magistratsmitglieder und Stadtverordnete sehen sich mit Beschwerden konfrontiert. Denn: Wer hinein möchte, muss in der Regel Internetzugang haben. Es wird aber trotzdem kein Zeitfenster gebucht, wie es zum Beispiel in Museen längst üblich ist.

Die Folge: Auch wenn das Bad in den zurückliegenden Schönwettertagen eher leer erschien, gab es für manchen keinen Zutritt, ganz einfach, weil die Höchstbesucherzahl gezeichnet war.

Anders wird es zum Beispiel in Neukirchen gehandhabt, wo die Verantwortlichen ein Maximum an Besuchern zur selben Zeit definiert haben – 403 nämlich – und dazu die inzwischen sehr verbreitete Luca-App einsetzen. So berichtet Dr. Anke Holl unserer Zeitung: „Bin ich bereits um 8.15 Uhr wieder aus dem Bad, blockiere ich für den gesamten Tag einen von 600 Plätzen [neuerdings hochgesetzt auf 1000, Anmerkung der Redaktion]. Der Link ist nicht auf den Handys zu öffnen, sodass man tatsächlich einen DinA4-Ausdruck machen muss. Und da drucke ich nicht nur den den Barcode aus, sondern jedes Mal Werbung für die Region.“

Badbesucher kritisieren Preispolitik der Stadt

Anke Holl, die als Besucherin und nicht als Schulleiterin der Melanchthon-Schule argumentiert, erklärt weiter, dass man, wenn man nicht über einen privaten Drucker verfügt, in einen Büromarkt oder Bekannte bitten muss. Es sei auch fragwürdig, dass es keinerlei Ermäßigung gebe. Noch heftiger missfällt es ihr, dass es offenbar System habe, dass die Hürden für Ältere und sozial Schwache hoch sind – das habe sie durch Rückfragen an den Anbieter des Buchungsprogramms recherchiert: „Dies sei genauso gewollt – das empfinde ich als eine große soziale Ungerechtigkeit.“ Gerade in der Pandemie stufe sie die Preispolitik und die Eintrittsregelung als „ausgrenzend“ ein. In Neukirchen und Alsfeld beispielsweise seien sozialere Lösung gefunden worden.

Bürgermeister Stefan Pinhard sagt zu all dem im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die verschiedenen Bäder kaum vergleichbar seien. Jedes System habe Nachteile und wie überall werde auch für Ziegenhain nach Verbesserungen gesucht. So werde über ein Zählsystem per Lichtschrankentechnik nachgedacht. Es sei ein „Learning by Doing“ – Lernen im Prozess. Eine besondere Schwierigkeit stelle die Begrenzung der Personen in den Becken dar, im großen dürfen es 100, im kleinen 75 sein. Da nutzt die neubeschaffte Software auch nichts, die nach HNA-Information pro Buchung Geld kostet, auch wenn der Besucher wegbleibt. (Anne Quehl)

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