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Kinderpornografie: Polizei kommt Familienvater durch Zufall auf die Schliche

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Schwalmstadt: Ein Mann hatte kinderpornografisches Material auf seinem Handy (Symbolfoto).
Schwalmstadt: Ein Mann hatte kinderpornografisches Material auf seinem Handy (Symbolfoto). © Christopher Neundorf/Imago

Ein Familienvater lud Kinderpornos herunter – dafür erhielt er 19 Monate Haft auf Bewährung. Man kam ihm durch sein verlorenes Handy auf die Schliche.

Schwalmstadt – Ein 51-jähriger Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis wurde vor dem Amtsgericht Schwalmstadt zu einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Er besaß über 500 Bilddateien kinderpornografischen Materials.

Von April bis Juni 2020 habe sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft die Bilder zu 26 Tatzeitpunkten verschafft. Darüber hinaus wurden noch mehr Bilder gefunden. Die kinderpornografischen Bilder wurden auf seinem Handy und seinem Computer entdeckt. Er habe diese aus dem Internet heruntergeladen.

Schwalmstadt: Angeklagter verliert Handy – Kinder-Pornos entdeckt

Die Tat fiel auf, weil das Handy des 51-Jährigen auf dem Bürgersteig vor seinem Haus gefunden wurde.

Auf den sichergestellten Datenträgern sollen sich Bilder von deutlich unter 14-Jährigen befunden haben, an denen sexuelle Handlungen aller Art vorgenommen wurden. Teilweise handelte es sich um Säuglinge. Auch Nacktfotos mit besonderem Fokus auf die Genitalien der Kinder seien unter den Bildern.

Schwalmstadt: Angeklagter leugnet

Zu Beginn der Verhandlung leugnete der Angeklagte, der sich immer wieder nervös den Schweiß von der Stirn tupfte, die Anklagepunkte. Er verwies zusammengesunken auf der Anklagebank sitzend auf seinen erwachsenen, behinderten Sohn. Dieser könnte die Bilder heruntergeladen haben, während der 51-Jährige arbeitete.

Schlüssig war die Erklärung für die Richterin nicht: Die Taten ereigneten sich teils außerhalb der Arbeitszeit des Beschuldigten. „Es ist strafmildernd, wenn sie sich zu den Vorwürfen bekennen“, appellierte sie an den Angeklagten. Der Beschuldigte verließ mit seinem Pflichtverteidiger für eine kurze Zeit den Gerichtssaal. Danach erklärte der Verteidiger im Namen seines Mandanten, dass der Angeklagte die Tat in vollem Umfang einräume.

Der Lebenslauf des Angeklagten ist gespickt mit diversen Kleindelikten. Besonders Trunkenheit am Steuer tauchte immer wieder im Vorstrafenregister auf. Er schlage sich aktuell mit Gelegenheitsjobs durch, berichtete der Vater von zwei Kindern. Bei den Taten sei er betrunken gewesen. Er habe sich auch schon in Therapie wegen Alkoholsucht befunden.

Schwalmstadt: Familienvater muss in Therapie

Verteidigung und Staatsanwaltschaft waren sich einig: Man könne es bei einer Bewährungsstrafe belassen. Auch in der Höhe gab es keine Abweichung in ihrer Forderung. Zusätzlich solle der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und sich zu einem Therapeuten begeben. Es müsse herausgefunden werden, ob der Mann eine pädophile Neigung habe, die gegebenenfalls zu behandeln sei.

Das Urteil schloss sich den Forderungen bezüglich Arbeitsstunden und Therapie an. Die Richterin erhöhte die Bewährungsforderung aber um vier Monate auf ein Jahr und sieben Monate Gesamtstrafe. Sie wertete die Vergehen, bei denen der 51-Jährige mehrere hundert Bilder heruntergeladen hatte, schwerwiegender. „Hinter jedem Bild steht eine tragische Geschichte und eine wahnsinnig traurige Kindheit“, gab sie dem Verurteilten mit auf den Weg. Darüber solle er sich auch als Vater Gedanken machen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Philipp Knoch)

Vor Kurzem verurteilte das Amtsgericht Schwalmstadt einen jungen Mann, der mit einem Messer auf einen Freund eingestochen hatte.

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