Tag der offenen Töpferei: In Hessen öffneten 50 Werkstätten, darunter auch der Erbehof

Vom Klumpen zum Collier

Willingshausen. Alles begann mit einem kleinen Brennofen in der alten Küche der Erbes in Willingshausen. Und einem Klumpen Ton. An dem Material hat sich wenig geändert. Doch aus der kleinen Küche sind die Töpfer mittlerweile in eine große Werkstatt gezogen.

Das war vor 31 Jahren. Heute steht der Erbehof in Willingshausen für keramische Arbeiten, für mit Schwälmer Motiven bemalte Schüsseln und Tassen und für handgemachten Schmuck. Gudrun und Peter öffneten am Wochenende - wie knapp 50 andere Töpfer in Hessen auch - ihre Werkstatt.

Reges Treiben

An beiden Tagen herrschte reges Treiben, ließen sich die Keramiker bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Peter Erbe saß mit einer Seelenruhe an der Scheibe und zeigte, wie aus schlichten Tonklumpen praktische Gefäße entstehen. Nach und nach hat sich der gebürtige Berliner die Handwerkstechnik angeeignet und schließlich auch seine Meisterprüfung darin gemacht. „Bis Anfang der 1990er-Jahre hatte mein Mann noch eine Schildermacherwerkstatt - irgendwann standen wir vor der Wahl, ob wir die oder die Töpferei ausbauen“, erzählt Gudrun Erbe. Auch Tochter Petra ist Keramikerin geworden und hilft regelmäßig im elterlichen Betrieb.

„Es ist für mich jedes Mal wieder ein spannender Moment, wenn ich den Brennofen öffne. Es entsteht nie ein und dasselbe Teil, jedes Stück ist anders.“

Gudrun Erbe

Mit Schüsseln, Vasen und vor allem Ölkrügen - „die sind für die Schwalm ganz typisch“ - fing vor 31 Jahren alles an. Damals waren alle Waren aus dunklem Ton. Doch auch Töpfer gehen mit der Mode beziehungsweise müssen sich Trends und vor allem der Nachfrage der Kunde stellen: „Irgendwann kam heller Ton für das Geschirr dazu. Die Schalen und Tassen wirken dadurch filigraner“, erklärt die Willingshäuserin.

Schwere Erkrankung

Vor einigen Jahren sorgte eine schwere Erkrankung bei Gudrun Erbe für eine Geschäftsidee, die hervorragend aktuell hervorragend ankommt. „Ich hatte eine Gesichtslähmung und wurde mit unbestimmter Prognose aus der Klinik entlassen.“ Das Kneten des Tons habe sie schon immer als eine Art Meditation empfunden.

Und das tat sie auch nach diesem Schicksalsschlag, was sie immer tat, wenn sie Sorgen quälten, hinsetzen und den Ton in den Händen kreisen lassen. „Ich habe kleine Kugeln geformt und mein Mann fragte mich, was ich damit denn wollte“, erinnert sich Erbe. Da habe sie gesagt: „Wenn ich mit dem linken Auge wieder richtig schauen kann, mache ich daraus Schmuck.“ Gesagt, getan.

Schmuckwerkstatt

Das ist jetzt sechs Jahre her. Und neben den Farben und Mustern für das Geschirr haben Erbes auch diese Idee weiter entwickelt. Aus Kugeln und allerlei geformten Perlen werden in der Werkstatt Ketten, Armbänder und Ohrringe aufgefädelt auf kunststoffummantelten Draht. Vielfach nach den Wünschen der Kunden, die nach Herzenslust in der Vielfalt der bunten Perlen stöbern können.

Gudrun Erbe experimentiert dabei gern mit Kristallglasuren: „Es ist für mich jedes Mal wieder ein spannender Moment, wenn ich den Brennofen öffne. Es entsteht nie ein und dasselbe Teil, jedes Stück ist anders.“

Von Sandra Rose

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