Detektivarbeit im Amt

Kontaktverfolger im Schwalm-Eder-Kreis mit schwierigem Job

Personenkontaktverfolger des Gesundheitsamtes wie hier Anna-Lena Heipel müssen jede Menge Beruhigungsarbeit am Telefon leisten.
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Personenkontaktverfolger des Gesundheitsamtes wie hier Anna-Lena Heipel müssen jede Menge Beruhigungsarbeit am Telefon leisten.

Mit 90 Mitarbeitern interviewt das Gesundheitsamt Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und fragen nach Kontakten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu ihrer Arbeit.

Schwalm-Eder – Sie sind die Detektive im Gesundheitsamt – die Personenkontaktverfolger. Sie interviewen Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind und fragen sie nach ihren Kontakten. Und sie schicken sie in Quarantäne, wenn es nötig ist. Nicht alle sind einsichtig. Andere haben Angst, wenn das Gesundheitsamt anruft. In Fragen und Antworten arbeiten wir ein Gespräch mit dem Leiter des Gesundheitsamts Dr. Ulrich Klinge, dem Teamleiter der Kontaktverfolger Tobias Heipel, der Interviewerin Anna-Lena Heipel und dem Pressesprecher des Landkreises Stephan Bürger auf. Angesichts der angespannten Corona-Lage wurde das Gespräch telefonisch geführt.

Wieviele Menschen sind inzwischen im Team Personenkontaktverfolgung beim Gesundheitsamt beschäftigt?

90 Mitarbeiter interviewen inzwischen im Gesundheitsamt. Nach Vorgabe des Landes sind mit Beginn der zweiten Corona-Welle zehn Personen je 20 000 Einwohner zur Rückverfolgung einzusetzen. Bis dahin waren nur fünf nötig gewesen. Sie arbeiten an allen Wochentagen in zwei Schichten.

Woher kommt das Personal?

Über 70 Prozent der Kontaktverfolger kommen aus anderen Fachbereichen der Kreisverwaltung. Hinzu kommen Aushilfskräfte auf 450-Euro-Basis. Alles basiert auf Freiwilligkeit.

Wie werden sie auf ihren Einsatz vorbereitet?

Die Ausbildung ist schwierig, bestätigt Anna-Lena Heipel, da sie im laufenden Geschäft passieren muss. Vier Mitarbeiter der Hygieneabteilung des Gesundheitsamtes sind für die zwei- bis dreistündigen Schulungen zuständig. Zudem ist die Personenkontaktverfolgung für die Gesundheitsämter nichts Neues, so der Leiter des Gesundheitsamtes. Sie ist ein Instrument des Infektionsschutzes. „Neu ist allerdings der Umfang über so einen langen Zeitraum“, erklärt Klinge.

Ist es ein Phänomen der Ballungsräume, dass in den Gesprächen auch wahrheitswidrige Angaben gemacht werden?

Nein, auch hier werden Kontakte verschwiegen oder gar ein PCR-Test verweigert. Das geht aus einem Bericht des Ersten Kreisbeigeordneten Jürgen Kaufmann hervor. Der Großteil der Menschen aber sei okay, sagt Anna-Lena Heipel. Insgesamt gebe es am Telefon viel Beruhigungsarbeit zu leisten.

Die Interviewer bekommen vermutlich durchaus Haarsträubendes mit. Stoßen sie da nicht auch an ihre Grenzen?

„Für alle, die hier arbeiten, ist das eine Belastung“, bestätigt Tobias Heipel, „aber wir sind ein gutes Team.“ Unter denen, die eingesetzt sind, gebe es nur niedrige Ausfallzeiten. Auch über die zurückliegenden Feiertage sei es nicht schwer gewesen, die Dienstpläne zu füllen.

Man hört immer wieder, von Menschen, die sich unvernünftig verhalten – zum Beispiel in der Kenntnis zum PCR-Test zu müssen vorher noch schnell Termine wahrnehmen. Was wird Kontaktpersonen empfohlen ?

Es werde diesen Menschen selbstverständlich empfohlen, ihre Kontakte bis zum Testergebnis zu minimieren, erklären die Interviewer. „Wir müssen aber auch darauf vertrauen, dass die Menschen ihren Verstand benutzen.“

Sind bestimmte Fälle bekannt?

Ja. So soll nach HNA-Informationen zum Beispiel eine Person, die zum PCR-Test zum Testcenter musste, vorher noch zur benachbarten Zulassungsstelle gegangen sein, um etwas zu erledigen. Weitere ähnlich gelagerte Fälle sind der HNA bekannt.

(Sylke Grede)

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