Tracht modern interpretiert

Kornelia Ullrich macht aus Traditionsteilen tragbare Mode

In ihrer Schwälmer Manufaktur: von links Kornelia Ullrich und Tochter Melina Schrammel vor der Stoffrolle mit
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In ihrer Schwälmer Manufaktur: von links Kornelia Ullrich und Tochter Melina Schrammel vor der Stoffrolle mit

Es ist ein Atelier wie ein Schmuckkästchen, das sich Kornelia Ullrich in Ziegenhain eingerichtet hat: Ein aufgearbeiteter alter Schrank, gut erhaltene Trachtenteile, Stoffrollen und Knöpfe, Schnitte und der Sinn für alles Schöne und eben die Schwälmer Tracht werden hier sichtbar.

Ziegenhain – Kornelia Ullrich möchte die Tradition bewahren, steht aber auch für Neuinterpretationen rund um die Tracht: „Die Tradition soll keinesfalls komplett verloren gehen – ich möchte sie aber in die Gegenwart transportieren“, sagt die 62-Jährige.

Beispiele gibt es im Atelier dafür genügend. Rechts und links an den Wänden reihen sich die fertig genähten Jacken und Leinenmäntel in verschiedensten Größen auf den Stangen. Kornelia Ullrich ist Schwälmerin durch und durch, wurde in ihrem Haus in Ziegenhain geboren. Sogar in dem Raum, in dem sich nun ihr Atelier der „Schwälmer Manufaktur“ befindet.

Schwälmer Trachten alltagstauglich machen

Auf einer Station ihres Lebens verschlug es sie zwischen 1984 und 1988 nach München. Dort ließ sie sich zur Maßschneiderin ausbilden. Der Grundstein für ihre spätere Geschäftsidee war sehr früh geboren. Gearbeitet hat die 62-jährige nämlich „in einem ganz anderen Job“. Noch betreibt sie die Schwälmer Manufaktur nebenbei – das soll sich aber mit Eintritt in die Rentenzeit ändern.

Immer schon ist die Mutter zweier erwachsener Töchter mit der Tracht in der Schwalm konfrontiert, selbst getragen hat sie sie aber nie. Dafür viele aus ihrer Verwandtschaft. Nach und nach entstand so eine Faszination gegenüber dieser speziellen Kleidung. „Diese Kleidungsstücke sind einfach so schön anzuschauen, aber eben nicht im Alltag tragbar“, sagt Ullrich. Grund genug, um sich den feinen Stoffen anzunehmen. „Da muss man nur mal nach Bayern blicken. Die wunderschönen Dirndl sind komplett alltagstauglich. Das kann die Schwälmer Tracht auch werden“, ist die Ziegenhainerin überzeugt.

Kunden haben Affinität zur Schwalm

Melina Schrammel aus Borken, Ullrichs jüngere Tochter, erinnert sich noch an die jeweils ersten Teile ihrer Mutter. „Die Herstellung hat unheimlich lang gedauert, weil so viele Details geklärt werden mussten.“ Es hieß, jemanden zu finden, der nachhaltiges Leinen vertreibt. Die Knöpfe sollten möglichst detailgetreu handgefertigt werden. Eine Weberei musste gefunden werden. Es folgten viele Gespräche, unter anderem mit der Weberei Egelkraut, mit der Ullrich seitdem zusammenarbeitet. Die Jacken werden maschinell bestickt. Mit einem Muster, das dem Original sehr ähnelt. Die Knöpfe werden per Hand gearbeitet, bestickt und am Ende angenäht. Je nach Farbmuster passend. Grundsätzlich werden die Jacken und der neue weiße Leinenmantel in den Konfektionsgrößen 36 bis 46 gefertigt.

Mit ihren modern interpretierten, alltagstauglichen Modestücken richtet sich Ullrich derzeit ausschließlich an Frauen ab 30 Jahren. In Planung ist jedoch eine Weste in Anlehnung an die sogenannte „Klengelwest“ (Klingelweste). Zu finden ist eines dieser raren Exemplare im Original im Schwälmer Museum in Holzburg.

Ihre Stücke verkauft Ullrich in ihrem Atelier: „Die meisten meiner Kunden haben eine Affinität zur Schwalm. Auch ausgewanderte Schwälmer habe ich schon im Ausland beliefert.“ Hierfür nutzt die Ziegenhainerin auch Soziale Medien. Zuletzt war Ullrich in der Sendereihe „Herrliches Hessen“ zu sehen. (Vanessa Schnücker)

Kontakt:

Schwälmer Manufaktur, Im Hain 15, Schwalmstadt, Tel. 0171/5 20 30 20, schwaelmer-manufaktur.de

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