Beziehungen über Generationen 

Treffen unter Freunden: Vor 75 Jahren sind viele Kriegsgefangene aus Trutzhain wieder nach Hause gekehrt 

Foto aus dem Jahre 1977: Besuch von Georges Lepreux mit seiner Familie. Jean Claude Lepreux, Georg Diehl, Wilfried Döringer, Anna Döringer, Heinrich Döringer, Christine Francois und Eleonore Döringer. Vorn Andrea Döringer und Jörg Döringer.
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Foto aus dem Jahre 1977: Besuch von Georges Lepreux mit seiner Famil ie. Jean Claude Lepreux, Georg Diehl, Wilfried Döringer, Anna Döringer, Heinrich Döringer, Christine Francois und Eleonore Döringer. Vorn Andrea Döringer und Jörg Döringer.

Im März 1945 wurde das Gefangenlager in Trutzhain, Stalag IX A, nach jahrelangen Schreckenszeiten endlich befreit. Das NS-Regime errichtete während des zweiten Weltkriegs um 1939 das Kriegsgefangenenlager, das Platz für bis zu 8000 Gefangene aus verschiedensten Nationen bot.

Zunächst waren es Polen und Franzosen, unter ihnen auch der französische Landwirt Georges Lepreux (1907 bis 1986) aus Montreuil aux Lions. Später kamen Belgier, Briten, Niederländer, Serben sowie Italiener und Amerikaner hinzu.

Großteil musste Zwangsarbeit ausüben

Der Großteil der Gefangenen musste Zwangsarbeit in der Landwirtschaft oder der Rüstungsindustrie außerhalb des Lagers verrichten. Landwirt Georges Lepreux wurde im Dörfchen Dorheim in diesen Kriegsjahren zur Zwangsarbeit auf dem Bauernhof von Heinrich Döringer (1903 bis 1995) eingesetzt. Georges Lepreux lebte und arbeitete in dieser Zeit auf dem Hof und unterstützte Heinrich Döringer mit seiner Frau Elisabeth und den beiden Söhnen Hans und Wilfried. Keineswegs sah man den Franzosen als Feind, sondern man sah ihn als Freund der Familie, er fühlte sich in dieser schwierigen Zeit wie ein Familienmitglied.

Wie ging es der Familie in Dorheim? 

„Wilfried chocolat“, so waren oft seine Worte, als er den kleinen Jungs eine Freude machen wollte. Es kam der Tag des Abschieds für Georges in 1945 und seine Heimreise nach Montreuil aux Lions, einem Ort 65 Kilometer von Paris entfernt. In all den Nachkriegsjahren ließ ihn jedoch der Gedanke nicht los: Wie geht es Heinrich und seiner Familie in Dorheim? Im Jahre 1970 entschloss er sich mit seiner Familie unangekündigt eine Reise nach Dorheim zu machen, um 25 Jahre nach dem Krieg zu schauen, was Freund Heinrich macht. Die Freude unter den Familien war groß und es gab jede Menge Emotionen. Georges lud Heinrich und seine Familie ein, ihn doch in Frankreich auch mal zu besuchen.

Der Ford ging auf der Fahrt kaputt

In 1971 ging die Reise mit einem Ford los über die Grenze in Saarbrücken weiter über die Nationalstraße in Richtung Paris. Die Fahrt dorthin war ein echtes Abenteuer, denn die Lichtmaschine ging kaputt und der Ford musste in einer französischen Werkstatt repariert werden. Georges hatte sich Sorgen gemacht: Wo bleiben Heinrich und Wilfried? Als dann etwas verspätet das Ziel Montreuil aux Lions erreicht wurde, war die Freude auf dem Bauernhof von Georges Lepreux und seiner Familie groß. In all den weiteren Jahren erfolgten in regelmäßigen Abständen Besuche zwischen beiden Familien. Nach dem Tod von Georges und Heinrich pflegten die Kinder und Enkel der beiden Freunde die weiteren regelmäßigen Freundschaftskontakte.

Regionales Essen zu den Treffen

Alle Treffen waren und sind immer mit gutem regionalen Essen und Ausflügen in den Regionen geprägt. So gab es Ausflüge an den Edersee, nach Marburg, zum Bergpark Kassel, in den Wildpark Knüll oder nach Paris, Reims oder Chateau Thierry. Ohne Georges Lepreux Enkelin Christine wäre dies jedoch nur schwer möglich gewesen, denn nach dem Tod ihres Großvaters übernahm sie das Übersetzen der Sprachen. Sie kann sehr gut Deutsch und immer wieder wird die Geschichte der Großväter erzählt. In diesem Jahr feiern die Familien ihre 75 jährige beziehungsweise 50 jährige außergewöhnliche Freundschaft. Zu diesem Anlass gibt es einen Bildband mit den schönsten Fotomomenten der Deutsch/Französischen Freundschaft.

Von Jörg Döringer

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