Küchentisch statt Wahllokal

Schwalm: Deutlich mehr Menschen nutzen Briefwahl

So sah es vor fünf Jahren bei der Auszählung im Ziegenhainer Rathaus aus, im Hintergrund kontrolliert Wahlvorstand Stefan Beckmann die Zahlen.
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So sah es vor fünf Jahren bei der Auszählung im Ziegenhainer Rathaus aus, im Hintergrund kontrolliert Wahlvorstand Stefan Beckmann die Zahlen.

Die Corona-Pandemie hat das Wahlverhalten vieler Menschen verändert. Auch in der Schwalm erlebt die Briefwahl einen regelrechten Boom. Die Wahlentscheidung wird am heimischen Küchentisch getroffen und nicht am Sonntag in der Wahlkabine. Wir haben uns bei einigen Kommunen umgehört.

Schwalm. In der Gemeinde Frielendorf haben nach Angaben von Bürgermeister Thorsten Vaupel von 6000 Wahlberechtigten bis zum Mittwoch bereits 1950 Wähler die Möglichkeit der Briefwahl genutzt. Das seien 33 Prozent, so der Verwaltungschef: „Die 2000er-Marke werden wir leicht knacken.“ Je nachdem wie die Wahlbeteiligung am Ende ausfalle, rechne er mit einen Briefwahlanteil von gut 50 Prozent, meint Thorsten Vaupel.

Der Aufwand für die Verwaltung hat sich durchaus erhöht. Die Wahlunterlagen als solche seien zwar ohnehin da, müssten aber nun in Briefumschläge gepackt werden, sagte der Frielendorfer Bürgermeister: „Normalerweise reicht es, wenn der Praktikant mit der Postmappe zur Post geht, jetzt muss mit dem Auto gefahren werden.“

Nachfrage nach Briefwahl ist groß

Eine deutlich größere Nachfrage der Briefwahlunterlagen gibt es auch in der Gemeinde Oberaula. Wie Elke Saurwein vom Wahlvorstand mitteilt, haben aktuell 1100 Menschen Briefwahl beantragt – insgesamt gibt es 2674 Wahlberechtigte. Im Vergleich: 2016 hatten sich 559 Menschen die Unterlagen zuschicken lassen. „Wir hatten hier am Anfang eine regelrechte Schwemme an Briefwahl-Beantragungen“, erklärt Saurwein, die in den vergangenen Wochen viele Vorbereitungen rund die Wahl auf den Weg bringen musste. Unter anderem wurde personell aufgerüstet.

Die Auszählung der Briefwahl erfolgt in Dreier-Teams, deren Helfer vorab via Schnelltest getestet werden. Alle sind mit FF2-Masken ausgestattet worden. Den Auszählungswahlvorstand bilden fünf Teams mit jeweils drei Personen, dem Briefwahlvorstand gehören erstmals 14 Personen an. Pro Wahllokal werden sieben Helfer im Einsatz sein, im Kernort neun. Aus dem Neukirchener Rathaus berichtet Wahlleiter Günter Schmitt von aktuell 1872 verschickten Briefwahlunterlagen – damit nutzen 32 Prozent der Wahlberechtigten das Angebot. Bei der Wahl vor fünf Jahren lag die Quote bei gerade einmal elf Prozent (650 Briefwählern). „Aber wir waren vorbereitet – schon bei der Bürgermeisterwahl gab es 1000 Briefwähler“, erklärt Schmitt. Der Wahlvorstand von neun Personen wurde für die Auszählung um weitere vier Wahlhelfer ergänzt.

Mehr als 5000 Briefwähler in Schwalmstadt erwartet

Im Schwalmstädter Rathaus sind bis jetzt 4720 Wahlscheine beantragt worden. Damit steigt die Tendenz sehr deutlich: 2016 waren es 1720. Insgesamt sind 14471 Menschen wahlberechtigt. Man rechnet damit, bei den Briefwählern bis Sonntag die 5000er-Marke zu knacken.

Aus den ursprünglich zwei Briefwahlvorständen sind laut der Planung von Wahlleiterin Doris Heinmüller fünf geworden: „Ob unsere Einschätzung richtig war, wird die Erfahrung zeigen.“ Auf keinerlei Erfahrung, aber auf Hygieneempfehlungen des Landes, setzt die Wahlleiterin bei der Vorbereitung: „Wir sind bei der Ausstattung der Wahllokale über die Empfehlung gegangen und haben die Lokale mit Spuckschutzwänden ausgestattet.“ Dazu seien FFP2-Masken sowie OP-Masken für Wähler, die am Wahltag keine trügen, gekauft worden, auch Schnelltests für die Auszählungsvorstände. „Zwar sollen sich die Wähler am bestens ihre Kulis selbst mitbringen, aber 5000 Stück liegen für den Wahlsonntag bereit.“ (Sandra Rose und Matthias Haaß)

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