„Kunden sind ungeduldig“

Einkauf mit 2G: So lief es am ersten Werktag mit der neuen Regel im Altkreis Ziegenhain

Hier ist der 2G-Nachweis nicht verpflichtend: Kundin Martha Stumpf aus Loshausen (links) und Andrea Stelzig vom Ziegenhainer Einzelhandelsgeschäft Jamm.
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Hier ist der 2G-Nachweis nicht verpflichtend: Kundin Martha Stumpf aus Loshausen (links) und Andrea Stelzig vom Ziegenhainer Einzelhandelsgeschäft Jamm.

Nur Geimpfte oder Genese haben noch Zutritt zu Geschäften, wenn diese nicht Waren des täglichen Bedarfs führen. Wir haben an Werktag eins in Frielendorf und Ziegenhain vorbeigeschaut.

Schwalm. Bei Stippvisiten in Geschäften in Frielendorf und Ziegenhain wird am Montag deutlich, dass zwischen Verständnis für die neuen Auflagen und Frust vor allem eines herrscht: Verwirrung – bei Kaufleuten und Kunden gleichermaßen.

„Man ist verunsichert, und die Kunden sind es auch“, sagt Erna Kellhammer von der Erzgebirgstruhe in Frielendorf. Wenn es ein Weihnachtslädchen in der Region gibt, dann ist es hier. Schwibbögen, Kerzenständer, hölzerne Engelchen direkt aus Seiffen – alles, was Liebhaber der Handwerkstradition aus dem Erzgebirge höherschlagen lässt, gibt es hier. Die Einzelhändlerin aus Wernswig ist froh, nicht schließen zu müssen, aber ganz nachvollziehen kann sie die neuen Corona-Regeln nicht. „Es hat alles immer sehr gut funktioniert“, sagt sie. Jetzt befürchtet sie, „dass nicht alle Kunden bereit sind, das mitzumachen“. Die Leute seien angespannt.

Neu im Sortiment des Erzgebirgslädchens in Frielendorf: Erna Kellhammer zeigt eine Räuchermännchen-Figur des inzwischen so prominenten Virologen Christian Drosten. Wer diese hier erwerben will, muss geimpft oder genesen sein.

Dies bestätigt Marlen Völker von Polster 7 ein paar Schritte weiter auf der anderen Straßenseite: „Die Kunden sind sehr ungeduldig geworden.“ Wer eintritt, muss erst einmal nachweisen, dass er geimpft oder genesen ist und dann seine Adresse auf einem vorbereiteten Formular notieren – Völkers haben bestens vorgesorgt. Räumungsverkauf steht von außen an der Polsterwerkstatt. Drinnen gibt es Kissen in allen Formen und Farben, Trachtenhosen und Schmeckewöhlerchen, doch nicht mehr lange. „Wir werden unsere Angebot reduzieren, und uns mehr auf die Polsterei konzentrieren“, so die 23-Jährige. Die Auftragsbücher für Polsterarbeiten seien voll, doch die Kunden im Geschäft machten sich schon länger rar, „einfach mal shoppen gehen ist wohl nicht mehr angesagt“, so Völker. Die 2 G-Regel mache dies nicht besser.

Das Weihnachtsgeschäft ist diesen Advent anders, Kunden schauen immer seltener herein: Marlen Völker von Polster 7 in Frielendorf zeigt ein Kissen zum Fest.

2G im Einzelhandel: Nicht jeder Händler kontrolliert

Petra Knieling hat für ihr Pokal- und Gravurstudio selbst die Lösung parat: Da sie neben Edelsteinen und Pokalen auch Heimtierbedarf im Sortiment hat, trifft die 2G-Regel auf ihr Frielendorfer Geschäft nicht zu. Auch der Blumenladen gegenüber kann wie gewohnt alle hinein lassen – „ich habe mich heute morgen extra nochmal bei der Gemeinde erkundigt“, sagt Lilia Berschauer, „ich bin froh, ich würde mir ansonsten Kunden vergraulen“.

Ähnliches befürchten auch andere Einzelhändler, die von den Restriktionen betroffen sind. Ein Drittel werde außen vor gelassen, und das in Zeiten, wo ohnehin viele schon bei Amazon bestellen würden, sagt ein Fachhändler, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Ähnliche Situation in Ziegenhain: Auch hier ist das Stimmungsbild bei den Einzelhändlern gemischt. Wer selbst nicht viel von einer Impfpflicht hält, der gibt die Vorgaben auch nicht unbedingt an die Kunden weiter, so die Beobachtung. Nachweiskontrolle? Fehlanzeige. Doch dies ist an diesem Vormittag ein Einzelfall.

2G im Einzelhandel: Notfalls Beratung vor der Tür

„Viele kommen rein und zeigen schon ihren Impfnachweis“, sagt Andrea Stelzig vom Einzelhandelsgeschäft Jamm in Ziegenhain. Dabei wird der Nachweis bei Jamms gar nicht gebraucht: Dank Artikeln des täglichen Bedarfs wie Zeitschriften, Tabakwaren, Schulheften und Paketdienst bleibt das Einzelhandelsgeschäft außen vor. Dabei, so Martha Stumpf aus Loshausen, sei es doch gut, dass es die 2G-Regel gibt, es müsse sich endlich etwas ändern, die Impfnachweise seien da das geringere Übel.

Auch Markus Knoch vom Elektrofachgeschäft Rieper hat mit der Umsetzung der neuen Regeln kein Problem: Wer hier auf der Suche nach einer neuen Waschmaschine oder einem Wasserkocher rein schaut, wird zuvor befragt und muss seinen Nachweis vorzeigen. Knoch nimmt es pragmatisch: „Zur Not könnte ich jemanden auch draußen vor der Ladentür beraten.“ (Kerstin Diehl)

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