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Kunden suchen nach Alternativen zur Gasheizung

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Von: Maike Lorenz

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Marcus Theis steht vor einem Firmenauto.
Heizungsbaumeister Marcus Theis arbeitet mit seinen beiden Söhnen im Familienbetrieb in Schwalmstadt. © Maike Lorenz

Die stark gestiegenen Gaspreise machen die Nutzung von Gasheizungen für viele Menschen unattraktiv. Das merken auch die Heizungsbauer aus der Region, die Nachfrage sinkt deutlich.

Schwalm-Eder – Norbert Wahl (30), Heizungsinstallateur aus Spangenberg, erklärt, dass die Nachfrage nach Erdgasheizungen eingebrochen sei, die Nachfrage nach Flüssiggasheizungen jedoch weiterhin bestehe. Im Gegensatz zum Erdgas seien die Verbraucher beim Flüssiggas nicht von Lieferungen aus Russland abhängig. „Flüssiggas ist ein Abfallprodukt aus der Ölproduktion und kommt von der Nordsee“, sagt Wahl.

Marcus Theis (53) arbeitet mit seinen beiden Söhnen als Heizungsbaumeister in Schwalmstadt. Er sagt, die hohe Nachfrage nach Wärmepumpen sei unter anderem wegen des Materialmangels kaum zu stemmen.

Eine große Herausforderung sei es zum Beispiel, an die Speicher für die Wärmepumpen zu gelangen. Erschwert wird das unter anderem dadurch, dass viele deutsche Hersteller von Wärmespeichern ihre Produktion ins Ausland, beispielsweise nach Polen, verlagert hätten. Dort seien die Energiekosten günstiger als in Deutschland. Einen Beitrag daran, dass der Strom in Deutschland vergleichsweise teuer ist, habe auch der geplante Ausstieg aus der Atomenergie.

Materialmangel ist eine Herausforderung

Um auf den Materialmangel reagieren zu können hat Theis sein Lager vergrößert. Manche seiner Kollegen, erzählt er, verbringen zudem „ihre Abende damit, die Online-Kataloge von Großhändlern zu aktualisieren“.

Auch Theis bestellt sich sein Material online. Meist sind die begehrten Materialien mit „nicht verfügbar“ gekennzeichnet. Doch zuletzt hatte er auch Glück. „Zufällig“, wie er berichtet, ist in dem Moment, in dem er in den Katalog gesehen hat, ein sogenannter Pufferspeicher verfügbar gewesen. Theis musste nicht lange überlegen und kaufte sofort. Neu geliefert steht der Speicher jetzt im Hof.

In solch seltenen Erfolgsmomenten ist der Materialmangel eine Herausforderung, die der 53-Jährigen gerne annimmt. Fälle wie dieser zeigen aber auch, wie groß der Mangel in der Branche ist. Hinzu kommt, dass es sich für Betriebe schwierig gestaltet, neue Mitarbeiter zu finden. Dabei ließe sich im Handwerk mittlerweile genauso gut verdienen wie in der Industrie, ist Theis überzeugt.

Er fasst die Probleme der Branche zusammen: „Die Aufträge sind da, aber das Material kommt nicht und wenn das Material da ist, gibt es zu wenig Mitarbeiter, um das Material einzubauen.“ Das von Wirtschaftsminister Robert Habeck verkündete Ziel, ab 2024 jährlich 500 000 Wärmepumpen in Betrieb zu nehmen, sei so nicht erreichbar, meint Theis.

Wärmepumpen seien für fast alle Häuser geeignet

Der Schwalmstädter hat beobachtet, dass viele seiner Kunden von den aktuellen Entwicklungen wie zum Beispiel dem Atomausstieg verunsichert sind. Sie zögerten aus diesem Grund noch mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien, sagt er. Vor dem Hintergrund der hohen Gas- und Ölpreise sei bei vielen Menschen das Interesse an Erneuerbaren Energien aber gestiegen, so Theis.

Klar ist für den Heizungsbauer: „Nicht jeder kann sich eine Wärmepumpe anschaffen, dann würde das Stromnetz zusammenbrechen.“ Prinzipiell hält Theis das Heizen mit Wärmepumpen für empfehlenswert. Die Installation sei bei fast allen Wohnhäusern möglich. Ausnahmen seien beispielsweise Altersheime, die viel und schnell Energie bräuchten.

Theis ist davon überzeugt, dass Öl ein „auslaufender Brennstoff ist“. Aus diesem Grund verkauft er seinen Kunden kaum noch Ölheizungen. Dazu gibt es aber in der Branche unterschiedliche Meinungen: Obermeister Arno Hucke sagt, der Ölpreis sei bisher nicht so stark gestiegen, dass die Nutzung von Ölheizungen für Verbraucher unwirtschaftlich wäre.

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