Kunstbetrachtung: Konrad Nachtwey rückte das Theater in den Mittelpunkt

Kurioses hinter den Kulissen

Wieder ein interessiertes Publikum: Konrad Nachtwey (Mitte) mit Gästen im Kunstkabinett. Nächste Kunstbetrachtung: 4. Dezember, 19 Uhr. Foto: Rose

Ziegenhain. Manchmal ist es mehr Schein als Sein, eine Illusion, in der doch ein Stück Wahrheit steckt – das Theater hat seit jeher die Menschen, auch die Maler, inspiriert. Jene Welt, die scheinbar so entrückt, gleichwohl sich doch so plakativ vor den Augen des Zuschauers ausbreitet. „Theater im Bild und als Bild – alles nur Theater?“ lautete der Titel der jüngsten Kunstbetrachtung im Museum der Schwalm.

Konrad Nachtwey erläuterte, wie sich Theaterszene und Künstler gegenseitig befruchteten und voneinander partizipierten. So entstand um 1880 Lovis Corinths Werk „Neger Othello“, „als Abbildung eines exotischen Menschen, ähnliches hatten früher schon Rubens und Rembrandt gemalt“. Der Germanist und Literaturkritiker Richard Alewyn habe etwa erklärt, dass sich der Barock tiefer als jede andere Epoche auf das Theater eingelassen habe. „Es ist eine Tatsache, dass jede antike Stadt ein Amphitheater hatte“, sagte Nachtwey. Die Theaterwissenschaften seien hingegen ein Kind des 20. Jahrhunderts. Lessing habe von der Theateraufführung als transitorisches Kunstwerk gesprochen: „Also einem Kunstwerk, das im Moment der Vollendung auch schon wieder verschwunden und so gar nicht mehr herstellbar ist.“

Das Dilemma des Vergehens habe auch das Genre des Films nicht lösen können. Vielfach ließen sich Künstler vom Theater so stark beeinflussen, dass sie Bühnendekorationen entwarfen. Maler Peter von Cornelius realisierte Literaturillustrationen wie etwa „Auerbachs Keller“ aus Goethes Faust. Was das so genannte Wandertheater interessant machte, waren wohl vor allem die Wagen, mit denen die Akteure umher zogen – „das Geheimnisvolle“.

Nach dem Krieg gab vor allem Willi Baumeister den Ton an: Der Grafiker und Bühnenbildner prägte die abstrakte Richtung in Westberlin. Jedoch auch „romantische“ Maler wie Carl Spitzweg lockten die Szenen, die rund ums Theater zu beobachten waren, es entstand ein Bild „Hinter den Kulissen“. In Frankreich erblühte mit dem Tanztheater auch eine neue künstlerische Ausdrucksweise: „Große Bilder für draußen, die auf Litfaßsäulen prangten.“ Toulouse-Lautrec zeigte Zirkusszenen als „etablierte Theaterwirklichkeit“. Termin: Lebendiges Museum, Sonntag, 2. November, ab 12 Uhr.

Von Sandra Rose

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