200 Gäste beim Frühstückstreffen für Frauen – Es ging um das Grenzensetzen

Das Leben zurück erobern

Konzentration: Blick in die Ziegenhainer Kulturhalle. Tamara Hinz (rechts) sprach über den Umgang mit schwierigen Menschen.

Ziegenhain. „Du machst mich fertig! – Wenn schwierige Menschen uns die Freude am Leben rauben“: Mit diesem Thema beschäftigten sich am Samstagmorgen 200 Frauen in der Kulturhalle in Ziegenhain. Beim Frühstückstreffen sprach diesmal Referentin Tamara Hinz.

Zuvor sang der Chor der Neuapostolischen Kirche Treysa und es durfte beim Frühstück ausgiebig geplaudert werden.

Dass man im Leben auf schwierige Menschen trifft, habe wohl jeder schon selbst erlebt, leitete Tamar Hinz das Thema ein. Sie selbst stamme aus einer Alkoholiker-Familie. Im Umgang mit solchen Menschen empfahl die Referentin zunächst, die Augen bewusst zu öffnen: „Je konkreter Probleme benannt werden, umso besser kann ich sie bearbeiten.“

„Wer Groll hegt, ist emotional gebunden. Das sind giftige Gefühle, die mich selbst vergiften.“

Tamara Hinz

Ein klar umrissener Konflikt richte auf Dauer nicht so viel Schaden an wie „grummelnder“ Ärger. „Nennen Sie das Kind beim Namen“, ermutigte Hinz. Tatsächlich falle es den meisten schwer, der Wahrheit ins Auge zu blicken. „Wir scheuen den Konflikt.“

Dabei tue man sich damit keinen Gefallen. „Man hat Erwartungen, die der andere nicht erfüllen kann und mag und wird immer wieder enttäuscht.“

Es gelte, den Blick auch auf sich selbst zu richten. „Wenn ein anderer Mensch mich verletzt, hat das immer auch etwas mit mir zu tun. Dann ist dort mein wunder Punkt, sind dort Verletzungen, die vorher schon da waren.“ Schwierigen Menschen spiele man damit in die Hände: „Dabei müssen wir versuchen zu verstehen, wie der andere tickt. Denn wer andere verletzt, leidet ebenfalls an einer Stelle seines Lebens.“ Diese Menschen hätten einen Mangel an sozialen Fähigkeiten gepaart mit einem hohen Maß an Uneinsichtigkeit. Es fehle die Reflexion.

Man müsse sich klar machen, dass ein erwachsener Mensch sich kaum ändern lasse. „Schwierige Menschen streiten Fehlverhalten ab, reden es schön oder stellen sich gar als Opfer misslicher Umstände dar“, verdeutlichte sie. Sie seien Grenzüberschreiter, und zwar sowohl im Tun als auch im Handeln. „Auch Schweigen ist eine Methode, andere zu manipulieren.“ Wichtig sei, zu diesen Menschen emotionalen Abstand zu entwickeln.

„Achten Sie auf den anderen und vergeben Sie ihm“, sagte die Referentin. Wer den schwierigen Menschen geringschätze, ihn ablehne, sei unterm Strich nicht viel besser als er selbst. „Auch Gott hat vergeben. Wir alle brauchen Vergebung.“

Letztlich profitiere man davon am meisten. „Wer Groll hegt, ist emotional gebunden. Das sind giftige Gefühle, die mich selbst vergiften.“

Die Referentin empfahl, Grenzen zu setzen. „Aber realistische, durchführbare und passende.“ Es gelte, die eigene Schmerzgrenze klar abzustecken und darauf zu achten, dass der andere sie immer einhalte. Dann erobere man sich sein Leben zurück, besinne sich wieder auf die guten Begabungen und Fähigkeiten. „Stellen Sie sinn- und nutzlose Grübeleien ein, bewahren Sie sich Humor. Das entschärft die Situation. Und letztlich kann ein schwieriger Mensch auch immer Wachstumshilfe für das eigene Ich sein.“

Von Sandra Rose

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