Übersetzer Thomas Gunkel las in der Stadtbücherei

Lebensgeschichten mit feiner Ironie

Lesung: Der Übersetzer Thomas Gunkel las in der Stadtbücherei Schwalmstadt. Neben ihm die Leiterin Karen Homma-Malsam. Foto: Rose

Treysa. Die amerikanische Autorin Christie Hodgen zeichnet das Leben von Außenseitern nach. Von Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten, und starben. Ihr Buch „Fünf Menschen, die mir fehlen“ erzählt Lebensgeschichten voller Melancholie und hintergründiger Ironie. Thomas Gunkel hat den amerikanischen Roman ins Deutsche übersetzt – am Freitagabend las er vor einer Handvoll Gästen in der Stadtbücherei in Treysa.

Fasziniert habe ihn der außergewöhnliche Aufbau des Buches, sagte Gunkel: „Es erzählt von fünf Menschen, die das Leben der Hauptperson Mary Murphy geprägt haben und verstorben sind. Die Erzählform in der Du-Form ist ungewöhnlich.“ Die traurige Geschichte werde durch viel Witz aufgelöst: „Ich glaube, sonst würde man das beim Lesen auch gar nicht aushalten“, sagt der Übersetzer.

Gunkel erweist sich als hervorragender Vorleser, der jenen Personen, mit denen er sich über Monate beschäftigt hat, stimmlich feine Charakterzüge verleihen kann. Den versoffenen Onkel „der sein Leben in einem Seesack trägt“ mimt der Sachsenhäuser mit dunkler Stimme, um nur Wimpernschläge später „die wohl schönste Stadtbeschreibung, die ich je gelesen habe“ vorzutragen.

Gunkel lebt und leidet mit seinen Charakteren. Man meint, sie seien ihm ans Herz gewachsen. „Es ist wichtig, dass jede Figur ihren eigenen Ton hat“, erklärt er . Das sei manchmal schwierig, etwa bei Marys farbiger Zimmergenossin: „Sie spricht Black Englisch. Das ist im Deutschen schwer zu transportieren.“

Thomas Gunkel gab spannende Einblicke in das Buch und seine Arbeit: Die Gäste lauschten und tauchten ein – in Mary Murphys Leben und den fünf Menschen, die ihr fehlen. (zsr)

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