Eine etwas andere Projektbetrachtung: Schüler der CBS pflegten den Waldfriedhof

Lernen am anderen Ort

Ein Symbol für die Ungleichbehandlung: Auf dem Waldfriedhof wurden sowjetische und serbische Tote anonym verscharrt. CBS-Schüler pflegen seit 1992 die Stätte. Foto: Grede

Trutzhain. Mit Drahtbürsten ausgestattet, entfernten kürzlich Schüler der Carl-Bantzer-Schule Moos und Vogeldreck auf dem Waldfriedhof in Trutzhain. Ihr Engagement bewerteten die Schüler durchaus unterschiedlich. Während einige berichteten, ihre Klasse habe sich zuvor mit dem Thema beschäftigt, zeigten sich andere wiederum uninformiert. „Ich habe mit diesen Leuten hier nichts zu tun“, hatte eine Schülerin gegenüber der HNA erklärt. Eine andere sagte dagegen: „Erst hatten wir keine Lust zu der Aktion, doch jetzt macht es mehr Spaß als gedacht.“

In Fragen und Antworten greifen wir das Thema auf.

?Im südlichen Schwalm-Eder-Kreis gibt es kaum einen weiteren vergleichbaren Ort gelebter Geschichte. Wie wird die Gedenkstätte in Projekte und Unterrichtseinheiten mit eingebunden?

Das kreiseigene Projekt „Gewalt geht nicht!“ arbeitet eng mit den beiden Gedenkstätten in Guxhagen-Breitenau und in Schwalmstadt- Trutzhain zusammen, so Projektleiter Stephan Bürger: „Wir schätzen die Möglichkeit des Erinnerns an externen Lernorten sehr. Gerade, wenn Erinnern an einzelnen Geschichten und Personen fest gemacht wird, lassen sich Schüler auch emotional erreichen.“ Mit Bürger gab es für die Klasse, die an den Pflegearbeiten des Waldfriedhofs beteiligt war, zusätzlich einen Projekttag zum Thema „Miteinander statt gegeneinander!“.

?Ist an der Carl-Bantzer-Schule die Teilnahme an solchen Projekten wie das Pflegen der Kriegsgräber auf dem Waldfriedhof eine freiwillige Aktion?

!Die Teilnahme an der Pflege der Kriegsgräber sei kein freiwilliges Projekt, erklärte die Schulleitung der Carl-Bantzer-Schule. Die Patenschaft für den Waldfriedhof sei im Schulprogramm verankert: „Das bedeutet, dass diese Tätigkeiten für Schüler unserer Schule genau so wenig freiwillig sind wie das Berufspraktikum.“ Abgesehen von den gärtnerischen Tätigkeiten ermögliche dieser Ort exemplarisch die Geschichte des 2. Weltkrieges als Geschehen vor Ort begreifbar zu machen und individuelle Betroffenheit zu erzeugen, erklärt die CBS.

? „Irgendwelche Opfer des Krieges vielleicht?“, meinte ein Schüler gegenüber der HNA, seien auf dem Waldfriedhof bestattet. Die Idee, Verantwortung für einen solchen Ort zu haben, ist gut, sagt Gedenkstättenleiterin Karin Brandes, aber das müsse vorbereitet sein. Wie passiert das?

!Vorbereitet wurde diese Aktion im Geschichtsunterricht und durch den Besuch weiterer Gedenkstätten wie Guxhagen/Breitenau, so die Carl-Bantzer-Schule. Dabei wurde auch ausdrücklich auf den späteren Besuch in Trutzhain hingewiesen.

?Es sei kein Selbstläufer in einen außerschulischen Lernort wie die Gedenkstätte Trutzhain zu kommen, meint die Gedenkstättenleiterin. Die Gedenkstätte hält entsprechende Angebote vor. Wie kann man vorgehen?

!Die Carl-Bantzer-Schule: „Wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass die Schüler zuerst eine Führung durch die Gedenkstätte haben sollten und erst danach mit der Pflege der Gräber beginnen sollten.“

Von Sylke Grede

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