1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt

Letzte Chance: 1000 Arbeitsstunden für Intensivstraftäter aus dem Südkreisgebiet

Erstellt:

Von: Maike Lorenz

Kommentare

Die Tür des Amtsgerichts in Schwalmstadt.
Das Amtsgericht in Schwalmstadt: Hier ist ein 28-Jähriger zu 1000 Arbeitsstunden und einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. © Lea Beckmann

Das Amtsgericht Schwalmstadt hat einen 28-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und 1000 Arbeitsstunden verurteilt.

Schwalmstadt – Vorgeworfen wurden dem 28-Jährigen Unfallflucht und das Autofahren ohne Führerschein. Beides sind meist keine Straftaten, für die Angeklagte eine Haftstrafe ohne Bewährung befürchten müssen. Doch dieser Fall war anders: Der Angeklagte ist zahlreich vorbestraft.

Vor Gericht machte der Angeklagte aus dem Südkreisgebiet einen offenen und gefassten Eindruck. Er gab zu, im November 2021 ohne Führerschein ins Auto gestiegen zu sein, um seine beiden Kinder und eine Bekannte abzuholen. Seine Ex-Partnerin habe ihn darum gebeten.

Auf dem Rückweg nahm er beim Ausparken einem anderen Autofahrer die Vorfahrt. Es kam zum Zusammenstoß der Autos. „Bei mir sind natürlich die Alarmglocken angegangen“, berichtete der 28-Jährige vor Gericht. Aus Angst vor der Polizei sei er schließlich mit dem Auto geflüchtet. Seine Kinder und die Bekannte ließ er am Unfallort stehen. Dass der 28-Jährige wegfuhr, sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, sagte auch der Verteidiger.

Der Angeklagte hat zahlreiche Vorstrafen

Für den Richter ist der Vorfall eine Tat, die sich in die ganze Reihe von vorangegangenen Straftaten einreiht. „Es ist bemerkenswert, welche Unfugstaten sie begehen“, sagte er in Richtung des Angeklagten.

Bereits mit 14 Jahren wurde der Mann das erste Mal zu Jugendarrest verurteilt. In den nachfolgenden Jahren folgten Urteile wegen Diebstahls und Sachbeschädigung. Mehrere Male ist er zudem bereits wegen Trunkenheit am Steuer und dem Fahren ohne Führerschein verurteilt worden.

Das letzte Urteil wurde nur etwa einen Monat vor der Unfallflucht im November 2021 gesprochen. Der Angeklagte war wegen Zugfahrten ohne Ticket zu fünf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. „Immerhin ist er in dem Fall kein Auto gefahren“, sagte der Verteidiger des 28-Jährigen vor Gericht.

Dieser Sichtweise konnte der Richter nur zum Teil zustimmen: „Was ich ganz kritisch finde, ist, dass Sie diese Straftaten ohne wirklichen Grund begehen“, sagte er zum Angeklagten. Der Richter bekräftigte: „Es sind unnötige Fälle und es wird für Sie immer schwieriger werden, im normalen Leben Fuß zu fassen.“

Staatsanwalt forderte härtere Strafe

Entgegen der Forderung des Staatsanwaltes verurteilte der Richter den 28-Jährigen schließlich zu einer weiteren Bewährungsstrafe. Hinzu kommt die außergewöhnlich hohe Zahl von 1000 Arbeitsstunden, die der Angeklagte verrichten soll. „Das ist eine relativ hohe Stundenanzahl“, räumte der Richter ein und sagte zu den Anwesenden: „Das haben Sie so wahrscheinlich auch noch nicht gehört.“

Aus Sicht des Staatsanwalts wäre auch eine einjährige Freiheitsstrafe ohne Bewährung gerechtfertigt gewesen. Grund dafür sei unter anderem, dass die Bewährung des Angeklagten bereits zwei Mal verlängert worden ist. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Angeklagte in Zukunft straffrei bleiben wird“, argumentierte der Staatsanwalt. Auch Reue könne er bei dem Angeklagten nicht erkennen.

Eine letzte Chance

Der Richter machte sich ein wenig mehr Hoffnungen, dass der Angeklagte von nun an keine Straftaten mehr begeht. Zum 28-Jährigen sagte er: „Mir ist wichtig, Ihnen zu verdeutlichen, dass sie hier noch mal eine Chance bekommen. Aber die Karte, die sie gezeigt bekommen, ist dunkelrot.“

Dass der Richter sich für eine Bewährungsstrafe entschied, liegt wohl unter anderem daran, dass der Angeklagte durch andere Familienmitglieder schnell mit Kriminalität in Kontakt gekommen war. Das habe es ihm schwieriger gemacht, straffrei zu leben, befand der Richter.

Der Bewährungshelfer des Angeklagten berichtete zudem von einer offenen, guten Zusammenarbeit. Auch für den Verteidiger steht fest: „Der Junge verkauft sich unter Wert und kann aus seinem Leben mehr machen.“ (Maike Lorenz)

Auch interessant

Kommentare