Bei Festreden, Sekt und Häppchen feierte das Schuhhaus Herche gestern Jubiläum

Liebe zum Schuh seit 125 Jahren

Gruppenbild mit einem Herrn: Von links Ehefrau Heidi Schöpfer, Simone Ochs und Senior-Chefin Herche mit den zum Teil Jahrzehnte langen Mitarbeiterinnen, vorn Tochter Paula. Fotos: Quehl

Dass Pariser Schuhe und Schwälmer Füße nicht zusammen passen würden, sei früher des Öfteren gewitzelt worden. Das sagte Dieter Dötenbier (Treysa) als einer der Gratulanten im Sparkassen-Veranstaltungsbereich. Doch auch das möge dem „Dinosaurier der Branche im besten Sinne“ noch gelingen.

Wie vier Generationen von Herches das Schuhhaus in Treysa groß machten, zeigte der heutige Chef Christian Herche anhand einiger Fotos. 1890 gab es dem zufolge noch kein Geschäft mit einem Schaufenster drin, die Keimzelle war ein Schusterbetrieb Am Angel 2. Doch schon bald fand man Herche am Marktplatz, bis der brandneue Bahnhof 1905 an den heutigen Standort lockte.

In dritter Generation führte Vater August das Geschäft („er konnte besser schöne Schuhe verkaufen, als schöne Schuhe fertigen“). Ihm folgten Tochter Simone und dann Sohn Christian mit damals gerade mal 26 Jahren nach. Seinen Job in Hamburg habe er lachend zurückgelassen und Treysa einfach für ebenso schön erklärt. Seit 1992 sei dann manche Klippe erfolgreich umschifft sowie immer weiter investiert worden.

Was nicht einfach sei in Zeiten von Zalando und schreienden Schuhkäuferinnen, anerkannte Dr. Gerold Kreuter (Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg), der den „Spirit eines alteingesessenen Unternehmens“ würdigte. Kreuter verortete Herche auch als einen derer, die die einst für undenkbar gehaltene Verschmelzung der Gewerbevereine von Treysa und Ziegenhain erreicht haben („für einen solchen Gedanken wäre man vor 15 Jahren noch gesteinigt worden“). Hintergrund: Die Händlervereinigungen sind vor wenigen Tagen im G.u.T. (Gewerbe- und Tourismusverein) aufgegangen. Kreuter: „Wir sind ein Mittelzentrum.“

Einen Exkurs in die Historie unternahm Horst W. Gömpel, der die Protokolle des Vorläufers der HGV, dessen Sprecher Christian Gömpel war, studiert hatte. 1905 bis zur Auflösung auf Geheiß der Nazis 1934 hatte jener Bürgerverein Treysa Bestand. Aber auch an die alten Tage in der fast autofreien Bahnhofstraße und das Dauerthema Wieragrund erinnerte Gömpel. Um den Wieragrund gehe es seit den Zeiten von Bürgermeister Hohmeyer, in den sechziger Jahren hätte das Gelände gerademal 640 000 Mark bringen sollen. Gömpels Glückwunsch zum Schluss: „Das Beispiel der Firma Herche beweist, wie eine Stadt sich entwickeln kann.“

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