Drei Kommunen vor Fusion?

Machbarkeitsstudie soll Diskussionsgrundlage schaffen: Neukirchen, Ottrau und Oberaula prüfen Zusammenschluss

Eine Luftaufnahme von Oberaula.
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Sollte es irgendwann einmal zu einer Fusion von Neukirchen, Oberaula und Ottrau kommen, wäre Oberaula das Bindeglied der neuen Kommune in Richtung Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Mit einer Machbarkeitsstudie wollen Neukirchen, Ottrau und Oberaula jetzt prüfen lassen, ob und wenn ja wie, eine mögliche Fusion der drei Kommunen aussehen könnte.

Neukirchen/Oberaula/Ottrau – Im Schwalm-Eder-Kreis übernehmen die Gemeinden damit eine Vorreiterrolle. Mit der Untersuchung soll eine umfassende Bestandsaufnahme der interkommunalen Zusammenarbeit erfolgen sowie alle Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion aufgelistet und bewertet werden. Schon heute arbeiten die drei Gemeinden im Gemeindeverwaltungsverband Südlicher Knüll sehr eng zusammen.

Eine Voraussetzung für die Studie ist, dass die drei Parlamente die Zustimmung dafür geben. Neukirchens und Ottraus Gemeindevertreter votierten einstimmig für das Vorhaben. In Oberaula kommt das Thema in einer der nächsten Sitzungen ebenfalls auf die Tagesordnung.

Kosten entstehen für die drei Gemeinden keine. Die Machbarkeitsstudie wird laut Oberaulas Bürgermeister Klaus Wagner durch das Land Hessen zu 100 Prozent gefördert. Die Verantwortlichen in Oberaula, Neukirchen und Ottrau sind sich einig, dass man erst nach dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie weitere Überlegungen anstellen kann.

Gemeindefusion im Knüll: Einwohner haben das letzte Wort

Eine Einbindung der Bürger ist dabei unabdingbar. Mentalitäts-, historische und Emotionalitätsgrenzen in den Köpfen der Menschen seien ein sehr bedeutender und nicht zu unterschätzender Faktor, der nach der Gebietsreform von 1974 den Kommunen einiges abverlangt habe, weiß die Vorsitzende der Verbandsversammlung des Gemeindeverwaltungsverbands, Marianne Hühn: „Die Tendenz, die eigene überschaubare Kommune zu behalten, ist groß und kann nur rational mit der verbesserten kommunalen Aufgabenwahrnehmung einen Ausgleich finden.“

Es sei noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten, sagt auch Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich: „Die bisherigen „Errungenschaften“ machen allerdings sehr viel Mut, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.“         Seit zehn Jahren arbeiten Neukirchen, Ottrau und Oberaula im Gemeindeverwaltungsverband Süd zusammen. Am Ende könnte eine Fusion der drei Kommunen zu einer Großgemeinde stehen.

Gemeindefusion im Knüll: Machbarkeitsstudie

Mit dem im Sommer angekündigten Rücktritt von Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz stand nicht nur die kleine Kommune im Fokus der Öffentlichkeit, auch das Thema Fusion der Stadt Neukirchen und der Gemeinden Oberaula und Ottrau lag plötzlich auf dem Tapet. Im Gespräch mit der HNA hatte Norbert Miltz damals erklärt, die Umwandlung des hauptamtlichen Bürgermeisteramts in ein Ehrenamt könnte ein weiterer Schritt in Richtung Fusion sein.

Die Idee einer Fusion ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen, wird aber von Miltz’ ehemaligen Berufskollegen in den anderen beiden Rathäusern wesentlich vorsichtiger angegangen. Auch in Ottrau tritt man wieder etwas auf die Bremse und will im kommenden Frühjahr erst mal einen hauptamtlichen Bürgermeister wählen.

Wenn die Machbarkeitsstudie im Herbst 2021 voraussichtlich vorliege, würden sich Oberaulas Mandatsträger mit den Ergebnissen befassen, sagte Bürgermeister Klaus Wagner: „Deren Entscheidungen möchte ich in keiner Weise bereits jetzt durch entsprechende Meinungsäußerungen – schon gar nicht in der Presse – beeinflussen.“ Abhängig von den Entscheidungen der drei Parlamente könnte sich Wagner aber vorstellen, dass möglicherweise im Jahr 2022 Informationsveranstaltungen stattfinden werden, wo ganz transparent und ergebnisoffen über die Studie informiert und die Meinung der Bürgerschaft gehört werden wird.

Eine Fusion der drei Kommunen zu einer Großgemeinde mit womöglich Stadtrechten erscheine ihm zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, sagt Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich, sieht aber auch, dass es ein Thema ist, das polarisiert: „Manchen geht es nicht schnell genug und manche Menschen sehen in einem Zusammenschluss einen Verlust der eigenen dörflichen oder städtischen Identität.“ Man arbeite seit zehn Jahren sehr erfolgreich im Gemeindeverwaltungsverband Süd zusammen und nutze Synergieeffekte aus, aber zu einer Fusion gehöre noch mehr, ist Olbrich überzeugt.

Gemeindefusion im Knüll: Debatte müsse beginnen

Alle drei Kommunen hätten ihren eigenen Charakter und ihre eigene Geschichte. Die Menschen identifizieren sich mit ihrer Stadt, mit ihrer Gemeinde, gibt der Verwaltungschef zu bedenken: „Die Bürger müssen informiert und davon überzeugt werden, dass eine gemeinsame Verwaltungsarbeit in allen drei Mitgliedskommunen in Form einer „Fusion“ sinnvoll ist, Vorteile für uns alle bringt und uns in eine gute Zukunft führt.“

Frühestens zur Kommunalwahl 2026 könnte aus Sicht Olbrichs nach einer ausgiebigen Diskussion über das „Für und wider“ eine Fusion machbar sein. Die Debatte darüber müsse jedoch schon bald begonnen werden, mahnt Olbrich: „Sechs Jahre sind meines Erachtens eine sehr kurze Zeit.“ Prinzipiell sei die Fusion der letzte logische Schritt in der erfolgreichen Zusammenarbeit des Gemeindeverwaltungsverbands, findet Neukirchens Bürgermeister. In einer Intensivierung der Kooperation der drei Kommunen sehe er in der heutigen Zeit des „Aufeinander zugehens“ und der bisherigen – zwar manchmal etwas zähen – aber dennoch verlässlichen Zusammenarbeit, mehr Chancen als Risiken, betont Olbrich.

Um eine Entscheidung treffen zu können, sei eine gute Vorbereitung und vor allem auch eine gewisse Geduld erforderlich, ist der Bürgermeister überzeugt: „Dieser Meinungsbildungsprozess könnte, nachdem wir über zehn Jahre erfolgreich zusammen gearbeitet haben, durchaus noch einmal zehn Jahre dauern.“

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