Aktionstag: Hessenweit wurde über Glücksspielsucht aufgeklärt – Auch in der Schwalm

Es ist die männlichste Sucht

Rückten das Thema Sportwetten beim landesweiten Aktionstag in den Mittelpunkt: Elke Tressel, Konrad Kraft, Elke Brixius, Dieter Wilhelm, Dieter Schmitz und Horst Brixius (von links). Foto:  Rose

Treysa. Sportwetten – das klingt für die meisten harmlos. „Das wird ähnlich wie ein Rubbellos gesehen“, sagt Dieter Schmitz vom Diakonischen Werk Oberhessen, der in Marburg und Treysa Spielsüchtige berät. Insbesondere steige die Zahl der Jugendlichen, die ihr Geld in Sportwetten einsetzten.

Zur Glücksspielsucht gab es gestern einen hessenweiten Aktionstag. Schmitz klärte an den Beruflichen Schulen und in der Bahnhofstraße über das Thema auf. Auf einer Bodenzeitung konfrontierte der Berater die Passanten mit Aussagen zum Glücksspiel. „Zu der gefährdetsten Gruppe zählen junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren“, erläuterte Schmitz. Die Zahl der jungen Spieler steige stetig an. Knapp 40 Prozent aller Spieler, die in eine Beratung kämen, seien zwischen 18 und 25 Jahren. Dabei sei Spielsucht „die männlichste Sucht“, 90 Prozent der Spieler seien Männer. Als Gründe nannte Schmitz, dass das Spiel um Geld mit Erfolg verknüpft ist: „Anfällig sind diejenigen, die vielleicht in der Arbeit nicht so erfolgreich sind und ein eher niedriges Selbstwertgefühl haben.“

Für die Sportwetten gebe es mittlerweile nicht nur staatliche, sondern auch viele private Wettanbieter. „Hierzu wurde ein Glücksspiel-Staatsvertrag novelliert. Darin ist die Vergabe von Konzessionen geregelt“, verdeutlicht Schmitz. Generell – und das sei vielfach nicht bekannt – sei die Teilnahme an Sportwetten erst ab 18 Jahren erlaubt. Jüngere Spielsüchtige kämen häufig nach etwa einem Jahr in die Beratung, ältere würden ihre Sucht häufig deutlich länger verheimlichen. „Sie verschulden sich, leihen oder beschaffen sich Geld, zum Teil illegal“, erzählt der Berater.

Problematisch sei, dass Sportwetten nicht in Verbindung mit Spielsucht gebracht würden, sagt Schmitz: „Dadurch wird das Risiko massiv unterschätzt.“ Wer jedoch in die Beratung komme, gebe häufig sofort zu, spielsüchtig zu sein. „Man muss die Klienten auf diesem Weg motivieren und stärken, um die Spielabstinenz zu vertiefen“, erklärt Schmitz.

Vermittelt werde auch der Kontakt zu Fachkliniken, die sich auf die Therapie von Spielsüchtigen spezialisiert haben.

Organisiert wurde der Aktionstag in der Schwalm vom Diakonischen Werk Oberhessen zusammen mit der Hephata-Beratungsstelle für Jugend, Drogen und Sucht.

Von Sandra Rose

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