Drogenplantage in Treysa: Vier Männer vor dem Marburger Landgericht

Marihuana-Zucht scheiterte

Anklagebank: Vier Angeklagte, vier Anwälte und drei Polizisten versammelten sich dort. Foto: Koelschtzky

Marburg. Vier Männer aus dem Kreisteil Fritzlar-Homberg zwischen 24 und 40 Jahren müssen sich seit gestern vor dem Marburger Landgericht wegen Drogenhandels und dem Aufbau einer professionellen Marihuana-Plantage verantworten. Sie sollen in einer Wohnung in Treysa im vergangenen Jahr vollautomatisch 300 Marihuanapflanzen aufgezogen haben.

Die Anklage wirft den Männern vor, rund 19 Kilogramm Marihuana im Oktober geerntet und verkauft haben. Die Kosten für Bau und Unterhaltung der Plantage bezifferte die Staatsanwaltschaft auf 13 500 Euro. Außerdem sollen drei der vier Angeklagten mit Amphetaminen (Aufputschmitteln) gehandelt haben.

Zwei der vier Angeklagten machten am ersten Prozesstag ausführliche Aussagen und berichteten von technischen und organisatorischen Schwierigkeiten. Der 40-Jährige, der zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung wegen eines ähnlichen Deliktes stand, berichtete dem Gericht, er habe eine vollautomatische Anbauanlage konstruieren wollen. Wenn diese funktionierte, habe er solche Anlagen bauen und im Internet verkaufen wollen. Dafür gebe es einen legalen Markt. Mit technischer Begeisterung schilderte er den Planungs- und Konstruktionsprozess. Der mitangeklagte 25-Jährige habe 5000 Euro für den Bau der Anlage zur Verfügung gestellt, gemeinsam mit einem 34-jährigen Freund hätten sie in einer Scheune in Homberg die Anlage zusammengebaut.

Dann sei die Wohnung in Treysa gemietet worden, wo die Männer zwei Wände durchbrachen, um eine Bewässerungsanlage und eine Abluftanlage mit der Aufzuchtanlage zu verbinden.

300 Marihuanapflanzen seien aus Österreich besorgt worden, allerdings sei die Anlage noch nicht fertig gewesen und viele Pflanzen seien eingegangen. Am Ende seien nur noch 75 Pflanzen aufgezogen worden. Diese seien noch nicht reif gewesen, als die Männer feststellten, dass Pflanzen gestohlen worden waren. Da die Wohnung nicht zu sichern gewesen sei, hätten sie sofort alles geerntet. Am Ende seien nur rund 200 Gramm Marihuana übrig geblieben. Er sei aber ohnehin nur an der Entwicklung der Aufzuchtanlage interessiert gewesen, sagte der 40-Jährige. Eine kleine Menge Marihuana habe er für seinen eigenen Bedarf bekommen. Er konsumiere seit vielen Jahren Cannabis und Aufputschmittel.

Das Risiko übernommen

Auch der 34-Jährige sagte ausführlich aus. Er berichtete, da er kein Geld gehabt habe, habe er beispielsweise das Risiko übernommen, die Wohnung zu mieten. Diese sei durch die Umbauten und einen Wasserschaden durch die Anlage unbewohnbar. Da er wegen der Untersuchungshaft die Reparaturen nicht erledigen könne, rechne er mit Schadenersatzforderungen von 10 000 Euro. Außerdem seien noch Stromkosten von 4800 Euro zu bezahlen.

Den Handel mit Amphetaminen räumte er ein, ebenso wie der 40-Jährige. Erstaunt zeigte er sich, den jüngsten Angeklagten neben sich auf der Bank zu sehen. „Das war eine Sache von uns dreien, ihn habe ich nicht als Beteiligten erlebt“, sagte er. Die drei älteren Angeklagten befinden sich seit dem 27. November in Untersuchungshaft. (bf)

• Die Verhandlung wird fortgesetzt, ein Urteil für den 28. April erwartet.

Von Martina Koelschtzky

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