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Martingans wird zum Luxus - Gastronomen rechnen mit hohen Preisen

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Von: Matthias Haaß

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Das Bild zeigt etwa 50 Gänse im Stroh.
Für eine Martinsgans müssen Verbraucher in diesem Jahr tief in die Tasche greifen. Gastwirte rechnen mit 180 bis 200 Euro für eine Gans mit Beilage. © Claudia Brandau

Wer sich in diesem Jahr in einer Gastwirtschaft eine Martinsgans gönnen möchte, muss tief in den Geldbeutel greifen.

Schwalm – Für Liebhaber der Martinsgans ist es eine schlechte Nachricht. Die Gastronomen in der Region rechnen mit 180 bis 200 Euro für eine Gans mit Beilagen.

Es stellt sich die Frage: Können die Wirte den Gästen eine satte Preissteigerung für das beliebte Gänseessen zumuten und sind die Gäste bereit, diesen markanten Preissprung zu bezahlen.

Wie es seitens der Dehoga-Kreisgruppe Schwalm-Eder heißt, werde wohl die Hälfte der Mitgliedsbetriebe in dieser Saison kein Gänseessen auf der Karte haben. Einer davon ist das Hassia in Frielendorf. Mit Blick auf die enorme Preissteigerung werde man in diesem Jahr aussetzen, sagt Inhaber Fritz Wilhelm: „Das will ich meinen Gästen nicht zumuten.“

hohe Preise durch Vogelgrippe und Energiekrise

Nicht nur die gestiegenen Preise der Mangelware Gans – durch die Vogelgrippe mussten viele Tieren vor der Schlachtreife gekeult werden – macht den Gastronomen zu schaffen, auch die Energiekrise trifft die Branche hart. Bereits in der Coronapandemie angegriffene Finanzpolster werden durch explodierende Strom- und Heizkosten und gestiegene Lohnkosten endgültig aufgezehrt.

Alle diese Faktoren würden in den Mitgliedsbetrieben eine Anpassung der Kalkulation nötig machen, heißt es von der Dehoga. Bereits bei einem ganz banalen Beispiel wie dem Backofen wird das deutlich. Sein Ofen verbrauche achtzehn Kilowatt in der Stunde, erzählt Peter Weitzel vom Gasthaus Zum Adler in Niedergrenzebach: „Früher war das ein Posten, der lief einfach so nebenher, das ist jetzt anders.“

Nachfrage geht zurück

Dennoch hat sich der Niedergrenzebacher dazu entschlossen, Gänseessen anzubieten. 180 Euro wird es kosten. Man habe sehr spitz kalkulieren müssen, um diesen Preis anbieten zu können, sagt Weitzel: „Wir haben viele Stammkunden.“

Dennoch bemerkt der Niedergrenzebacher bei den Kunden eine spürbare Zurückhaltung. „Die Anfragen für Gänseessen haben sich um ein Drittel reduziert.“

Alles entlang der Wertschöpfungskette ist fast unerschwinglich teuer geworden, berichtet die Dehoga-Kreisgruppe. Das zeigt sich nicht nur beim Hauptprodukt Gans, auch die Beilagen fallen beim Gesamtpreis ins Gewicht. Im vergangenen Jahr habe er für einen Kohlkopf nicht einen Euro gezahlt, erzählt Peter Weitzel: „Jetzt kostet er mich 1,50 Euro.“

Auch Gänseteile sind teuer

Wer jetzt denkt, dann verzichte ich halt auf eine ganze Gans und bestell stattdessen Gänseteile, kommt nicht günstiger weg. Bei den Gänseteilen – zum Beispiel Brust oder Keule – sei der Preis sogar um 130 Prozent gestiegen, weiß der Niedergrenzebacher Wirt.

Grund auch hier wohl gestiegene Lohn- und Energiekosten. Möchte man mit mehreren Personen essen, sei die Gans im Vergleich schon wieder günstiger, empfiehlt der Inhaber des Familienbetriebs.

Die Wirte in der Region haben die Hoffnung, dass sich die Preise für das beliebte Gänseessen im kommenden Jahr wieder etwas nach unten entwickeln. Theresia Liebermann, die Vorsitzende der Dehoga-Kreisgruppe, sagt aber auch, dass man als Gesellschaft bereit sein müsse, für gute Lebensmittel entsprechende Preise zu bezahlen.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn man an Tierwohl, vernünftige Löhne für Angestellte und an sichere Einkommen der Gastronomen denkt.

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