Wenn Angst vor Corona zur Gefahr wird

Mediziner warnen vor falscher Zurückhaltung bei schweren Erkrankungen

Corona-Impfungen im Kirchsaal der Hephata-Kirche: Das
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Corona-Impfungen im Kirchsaal der Hephata-Kirche: Das

In der Hephata-Klinik werden gemäß der hessischen Landesverordnung Betten für Covid-Patienten mit leichten bis mittleren Verläufen bereitgehalten (HNA berichtete). Doch das Thema Pandemie macht den Verantwortlichen weiter in einer anderen Hinsicht Sorgen.

Schwalmstadt – Wie im Zusammenhang mit der Recherche über die Auslastung von Betten durch Covid-19-Patienten mitgeteilt wurde, vermeiden offenbar viele trotz dringender Behandlungsnotwendigkeit von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen die Kliniken, und zwar aus Angst vor Ansteckungen mit dem Coronavirus. Es sei sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Sicherheitsstandards in Sachen Infektionsschutz in der Hephataklinik sehr hoch seien. Chefarzt Dr. Bernd Schade betont: „Alle Hygiene- und Isolationsmaßnahmen werden strikt eingehalten.“

Zur Sicherheit der Patienten trage außerdem bei: Das Klinik-Personal ist schon zu einem großen Anteil geimpft und alle neu aufgenommen Patientinnen und Patienten werden zunächst isoliert und sowohl mit einem Antigen-Schnelltest als auch mit PCR-Tests getestet.

Für schnelle PCR-Testergebnisse investiere die Klinik zudem derzeit in hochmoderne Labordiagnostik-Geräte. „Dies alles ermöglicht, dass wir als Hephata-Klinik unseren Versorgungsauftrag in Neurologie und Psychiatrie vollumfänglich gewährleisten können“, so Chefarzt Schade.

In der Hephataklinik stehen neurologische und psychiatrische Diagnosen im Mittelpunkt, die einzelnen Patientinnen und Patienten mit Covid, die derzeit in dem Haus sind, seien dort schwerpunktmäßig wegen einer anderen Erkrankung aus dem neurologischen oder psychiatrischen Bereich.

Immer wieder appellieren Mediziner, mit dem Aufsuchen ärztlicher Hilfe nicht aus Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu zögern. Sehr gefährlich sei dies gerade auch beim Verdacht auf Schlaganfall. „Die Fachkliniken für Psychiatrie und Neurologie sind weiterhin uneingeschränkt für alle Patienten da – auch in der Notfallversorgung von Schlaganfällen“, hatte daher kürzlich auch Klinik-Geschäftsführer Alexander Stein unterstrichen.

Die Hephata-Klinik gehört innerhalb Hessens zum Versorgungsgebiet I, in dem das Klinikum Kassel die Koordinationsaufgaben übernommen hat. Vor Ort gebe es ergänzend einen kurzen Dienstweg zu den Kollegen im Krankenhaus in Ziegenhain. Für den südlichen Schwalm-Eder-Kreis hat die Psychiatrische Fachklinik Hephatas einen Pflichtversorgungsauftrag – deshalb müssen, wenn es erforderlich ist, auch psychiatrische Patienten aufgenommen werden, die an Covid-19 erkrankt sind.

Zum Teil sei die Zahl der behandelten Schlaganfälle deutlich geringer als vor der Pandemie, was darauf hindeute, dass viele Schlaganfälle unbehandelt blieben. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss“, unterstrich Stein.

Die weitere Auffälligkeit für die Spezialisten sei, dass vermehrt auch psychische Folgen von Covid-19-Erkrankungen behandelt werden müssen, zum Beispiel Angststörungen nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung. (Anne Quehl)

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