Moderne Technik auf dem Acker: Logistische Herausforderung Maisernte

Mehr PS als ein Schützenpanzer

Ein Maishäcksler häckselt Mais. Daneben fährt ein Schlepper (Traktor) mit Wagen
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Hightech auf dem Feld: Ein moderner Maishäcksler kann bei guten Bedingungen in der Stunde bis zu 300 Tonnen Mais ernten. Die selbstfahrende Arbeitsmaschine bläst das Häckselgut auf die Wagen.

Die Maisernte ist, wie so viele Arbeiten in der modernen Landwirtschaft, eine logistische Herausforderung. Der Mais muss schließlich nicht nur geerntet, also gehäckselt werden, sondern auch zum Lagerplatz transportiert und dann in einem Fahrsilo festgefahren werden.

Frielendorf - In diesen Tagen neigt sich die Erntekampagne ihrem Ende zu. Die Biogas Bächt GBR in Todenhausen ist im Altkreis Ziegenhain einer der letzten Betriebe, die Mais ernten. Familie Bächt nutzt den Mais in erster Linie für die Biogasanlage. Geerntet wird aber auch Futtermais. Neben der Familie waren auch viele Helfer eingebunden. Die Maisernte gliedert sich in drei Phasen: häckseln, transportieren und festfahren.

Maisernte 2020: Sebastian Bächt zeigt den gehäckselten Mais.

Häckseln

Los geht es auf dem Feld. Eine selbstfahrende Arbeitsmaschine häckselt die großen Maispflanzen. Bis zu 300 Tonnen Mais können moderne Maschinen pro Stunde verarbeiten. Eine beeindruckende Zahl, die symbolisch für den Innovationssprung in der Landwirtschaft steht. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ein- oder zweireihige von Schleppern gezogene Häcksler auf den Feldern unterwegs waren.

An der grundsätzlichen Funktionsweise der Maishäcksler hat sich nichts geändert: Presswalzen verdichten die Pflanzen und führen sie zu einer Messertrommel. Die Maiskolben werden durch einen nachgelagerten Kolbencracker zerbröselt. Ein Gebläse pustet die Pflanzenteile des Mais hinaus auf bereitstehende Wagen.

Maishäcksler erntet bei Frielendorf Mais.

Das Geräusch, das beim Häckseln entsteht, erinnert ein bisschen an eine Luftschutzsirene. Kein Wunder – die rotierenden Messer werden von bis zu 1000 PS-starken Motoren angetrieben. Zum Vergleich: Ein Schützenpanzer Marder der Bundeswehr hat nur 600 PS.

Während Landwirte früher oft eigene Häcksler hatten, übernehmen heute in der Regel Lohnunternehmer die Arbeiten. Die Vorhaltung eines solchen Spezialgeräts für nur wenige Tage ist schlicht und ergreifend zu teuer. Rund 1000 PS starke Spitzenmodelle bekannter Hersteller wie Claas und John Deer – das sind die mit dem Hirsch im Logo – kosten schon mal bis zu 500 000 Euro.

Transportieren

Um den gehäckselten Mais zum Lagerplatz zu bringen, waren bei Familie Bächt fünf Schlepper und Wagen im Einsatz. Idealerweise wird ein Gespann beladen, während am Feldrand die anderen bereitstehen. So ist gewährleistet, dass der Häcksler nie still steht. Zeit ist knapp. Die Termine der Lohnunternehmer sind eng getaktet.

Wie die Häcksler haben sich auch die Silagewagen mit über 20 Tonnen Gesamtgewicht und mit mehr als 40 Kubikmetern Ladevolumen enorm weiterentwickelt. Bis zu 13 Tonnen passen auf einen Wagen, so Sebastian Bächt.

Die Zugmaschinen sind ebenfalls entsprechend groß und mit über 50 km/h auch ziemlich flott unterwegs. Schnell kann so ein Gespann die Ausmaße eines Lkw bekommen.

Autofahrer unterschätzen oft die Gefahr, die von solchen Maschinen ausgeht, daher appellieren Landwirte regelmäßig an die Aufmerksamkeit und das Verständnis anderer Verkehrsteilnehmer. Immer wider ein Ärgernis: Bei nasser Witterung verschmutzen die landwirtschaftlichen Maschinen die Straße.

Man sei sich dessen bewusst und versuche, den Dreck mit Kehrmaschine und Räumschild frühzeitig zu beseitigen, so Sebastian Bächt.

Alle auf einen Haufen: Der gehäckselte Mais wird in Todenhausen direkt neben der Biogasanlage gelagert. Das Festfahren des Mais mit Schleppern soll Lufteinschlüsse vermeiden. Dadurch wird die Silage haltbarer.

Festfahren

Der nächste Arbeitsschritt bei der Maisernte ist das Festfahren des Maishaufens. Dadurch sollen Lufteinschlüsse und in Folge Schimmel vermieden werden. Jede Schicht wird von Schleppern festgefahren. Je sorgfältiger gearbeitet wird, desto besser wird die spätere Silage.

Zum Abschluss kommt noch eine große Plane über den Mais.

Zehn Prozent Mais im Schwalm-Eder-Kreis

In diesem Jahr betrug der Flächenanteil von Mais im Schwalm-Eder-Kreis rund zehn Prozent oder 5600 Hektar. Insgesamt wurden 2020 laut Regionalbauernverband Kurhessen auf 55 888 Hektar Ackerfläche Kulturpflanzen angebaut. Die meisten Flächen beansprucht Getreide. Seit 2010 verzeichnet der Regionalbauernverband im Landkreis eine Zunahme der Maisanbaufläche. 2010 waren es noch 7,3 Prozent, 2015 dann bereits neun Prozent. Damit liegt der Landkreis aber voll im Trend. Die Silomaisanbaufläche in Hessen erreiche mit 42600 Hektar (Stand 2014) allmählich wieder das Niveau von Anfang der 1980-er Jahre, so der Regionalbauernverband.

Entgegen der subjektiven Wahrnehmung; bedingt durch die relativ hohe Wuchshöhe von Mais; spielt der Maisanbau zur Biogasgewinnung laut Bauernverband nur eine relativ geringe Rolle: 2019 wurde in Deutschland auf insgesamt 2,6 Mio. Hektar Mais angebaut. Das sind deutschlandweit etwa 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Für die Verwendung von Mais als Energiepflanze, vorrangig in Biogasanlagen, wurden nur 0,8 Mio. Hektar oder 30 Prozent der Maisanbaufläche genutzt. Nach wie vor wird Mais von Landwirten in erster Linie als Tierfutter angebaut. (mha)

Von Matthias Haaß

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