Auf der Streuobstwiese in Mengsberg reifen überwiegend alte Apfelsorten heran

Mehr Vielfalt in den Obstkorb

Nur alte Apfelsorten: Helmut Zieße, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsverein Mengsberg, erklärt das Konzept der Streuobstwiese. Die Bäume haben die Mitglieder dort angepflanzt. Fotos:  Rose

Mengsberg. Nicht nur die Obstbauern in Hessen sind mit der diesjährigen Apfelernte überaus zufrieden. Auch Hobbygärtnern ist eine reiche Ernte sicher. Allerorten tragen die Bäume nicht nur viele, sondern häufig auch besonders große Früchte. Experten rechnen mit der zweitbesten Apfelernte seit 10 Jahren. In den Anbaugebieten hingen Schätzungen zufolge mehrere Hundert Tonnen Äpfel an den Bäumen.

Auch in der Schwalm werden zurzeit die Streuobstwiesen ihrer leckeren und saftigen Äpfel entledigt. Die Apfelernte ist immer noch in vollem Gange.

Dabei rücken in den vergangenen Jahren wieder stärker alte und regionale Apfelsorten in den Mittelpunkt. In Mengsberg hat der Heimat- und Verschönerungsverein mit Unterstützung von knapp 50 Helfern 2012 eine Streuobstwiese mit überwiegend älteren Sorten angelegt. „Die Wiese entstand auf Initiative des Vereins zusammen mit dem Ortsbeirat und den Waldinteressenten“, erklärt der Vorsitzende Helmut Zieße.

Dazu pachtete der Verein eine Wiese von der Stadt. Die Fläche ist Teil eines Naturlehrpfades, zu dem ein Hainbuchen-Bestand und der so genannte Kinderwald gehören. Auf der Streuobstwiese stehen 56 Bäume, überwiegend Apfel-, aber auch Birnen- und Pflaumenbäume. Jeder Baum ist beschildert. „Uns ist wichtig, dass man erklärt, wie alte Apfelsorten wie Gravensteiner, Prinzessapfel, Boskoop oder Schafsnase schmecken, wie sie verarbeitet und gelagert werden können“, sagt Zieße.

Stolz sei man etwa auf den Elisabethapfel – eine Sorte, die ihren Ursprung an der Elisabethkirche in Marburg habe.

Experten aus Marburg, vom Amt für ländlichen Raum, hatten die Mengsberger seinerzeit bei der Anlage der Wiese beraten. „Damit es mit der Bestäubung noch besser klappt, wurde uns empfohlen, auch Zwetschgen- und Pflaumenbäume zu pflanzen“, erläutert der Vorsitzende.

Auch Bienenkästen sowie Frühblüher wie Holunder und Speierling sollen die Befruchtung unterstützen. „Ziel war es, Vielfalt zu zeigen“, sagt Zieße. Dazu habe man im Ort ältere Leute nach den Namen alter Apfelsorten befragt. Auf der Wiese werde aktuell auf eine extensive Beweidung mit Schafen geachtet. Zudem habe man Bäume zum Veredeln gepflanzt, um Besuchergruppen die Technik zu erklären. Die Bäume haben bereits gut getragen. „In 2015 planen wir ein Saftfest. Der Verein hat sich schon eine Presse angeschafft“, erklärt der 74-Jährige.

Forstwirtschaftsmeister Heinrich Schmeck aus Mengsberg sorge zudem für den richtigen Schnitt, erklärt Zieße: „Es gibt einen Pflanz-, einen Erziehungs- und einen Erhaltungsschnitt.“ Auch die Bewässerung der Wiese regelt der Verein. „Allein im Frühjahr haben wir mit dem Schlepper um die 1000 Liter Wasser hoch gefahren“, sagt der Mengsberger. An die Bekämpfung der Mäuse auf der Fläche sei ebenfalls gedacht: „Hierfür wurden Anflugstützen für Rotmilane installiert.“ Neu angeschafft werden soll demnächst noch die Hessische Lokalsorte 2014 – der Vaterapfel.

Mehr zum Thema alte Obstsorten unter www.pomologen-verein.de

Von Sandra Rose

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