Hans Pfränger ist Deutschlands ältester Sportschütze – Heute wird er 100 Jahre alt

Meister der ruhigen Hand

Großes Fest zum 100.: Hans Pfränger aus Oberaula will heute mit 60 Gästen – darunter seine Tochter sowie ein Enkel und drei Urenkel – seinen runden Geburtstag feiern. Foto: Rose

Oberaula. Hans Pfränger fährt seit 80 Jahren unfallfrei. Darauf ist er stolz. „Deshalb fahre ich nur noch hier im Ort. Ich möchte ja auf meine alten Tage nicht noch ein Knöllchen kassieren“, sagt er. In Oberaula kennt ihn wohl jeder – den Rentner mit dem wachen Blick. Heute wird Hans Pfränger, Deutschlands ältester aktiver Sportschütze (wir berichteten), 100 Jahre alt.

In allen Winkeln in Pfrängers kleinem Haus prangen Pokale, hängen in Schaukästen Medaillen und Nadeln. Der 100-jährige Senior weiß, wo er steht zwischen seinen jüngeren Kollegen im Kyffhäuser Verein und der Schützengilde: „Die haben wohl Respekt vor mir“, meint der pensionierte Vollzugsbeamte. Bis heute nimmt Pfränger an Wettkämpfen teil.

Zur Welt kam er 1910 in Kassel. Acht Jahre später zog die Familie nach Oberaula, wo Pfränger mit fünf Geschwistern aufwuchs. In Bad Hersfeld absolvierte er nach der Schule eine Lehre zum Schlosser. Die Einberufung in den Krieg führte Pfränger nach Polen, Frankreich und nach Russland. 1945 erlitt er eine Schussverwundung am Bein. „Aber ich selbst habe im Leben nie auf einen Menschen oder ein Tier geschossen“, sagt er mit Nachdruck.

Besser als Fußball

In die Kreise der Sportschützen kam Pfränger durch seinen Vater, einen Förster. „An Fußball hatte ich nie Spaß“, erzählt der 100-Jährige. „Ich fand es blöd, dass sich 22 Mann um einen Ball zanken.“ Schwimmen gehörte zu Pfrängers großen Leidenschaften, auch das Wandern. 1947 heiratete der Oberaulaer seine kleine Familie, eine Witwe mit Tochter.

1961 bekam er eine Stelle beim Amtsgericht Neukirchen, von 1965 bis zur Pensionierung 1973 arbeitete Pfränger in Homberg. 1969 kaufte die Familie in Oberaula ein Haus. „Das Haus wurde mal von einem Zahnarzt genutzt. Hier im Wohnzimmer war das Sprechzimmer“, berichtet er.

In die Ferne zog es den Oberaulaer und seine Frau nie: „Wir gingen höchstens mal mit dem Motorrad samt Beiwagen auf Reisen ins Allgäu.“

Seit fünf Jahren, als seine Frau starb, lebt Pfränger allein. An drei Tagen in der Woche besucht ihn seine Tochter. Mit ihr telefoniert er täglich, „immer um 18 Uhr.“

Frühstück und Abendbrot richtet sich Pfränger noch selbst her, mittags bekommt er Essen auf Rädern.

Der Oberaulaer ist ein Frühaufsteher. „Als erstes mache ich meine Bewegungsübungen“, sagt er. Er habe zwar einen Treppenlift eingebaut: „Aber ich gehe konsequent noch alle Stufen hoch.“ Täglich liest er die Zeitung, kreuzworträtselt, geht spazieren.

Von Krankheiten blieb Pfränger verschont: „In meinem Körper ist noch alles drin.“ Seinen 100. Geburtstag will der Jubilar heute groß feiern. Er erwartet 60 Gäste, darunter ein Enkel und drei Urenkel. Und der Mann mit der ruhigen Hand gibt zu: „Ein bisschen aufgeregt bin ich doch.“

Von Sandra Rose

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