Melissa Ruiz Lopez arbeitet auch mit Hörschädigung in ihrem Traumberuf Frisör

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Hat für ihren Traum Frisörin zu werden, kämpfen müssen: Melissa Ruiz Lopez macht seit vier Monaten im Salon von Carsten Ciemer ihre Ausbildung. Dabei gehört es zu ihren Aufgaben, Kunden wie Christina Baumgardt, die Haare zu föhnen.

Loshausen. Melissa Ruiz Lopez ist eine Kämpferin. Das sagt nicht nur ihr Chef, das zeigt auch ihr Durchhaltewille. Die hörgeschädigte 18-Jährige macht im Salon von Carsten Ciemer in Loshausen eine Ausbildung zur Frisörin und das obwohl Ciemer sie am Anfang nicht einstellen wollte.

Denn vor vier Jahren machte ihr jetziger Chef der Loshäuserin nach einem Schulpraktikum wenig Hoffnung auf den Job. Ihr Geschick und Engagement sei ihm schon damals aufgefallen, sagt der Friseurmeister. Trotzdem wollte er sie nicht einstellen.

Der Grund sei nicht die Hörschädigung der 1,52-Meter-großen Ruiz Lopez gewesen, sondern ihre zierliche Statur. Man sei als Frisör viel auf den Beinen und auch jetzt müsse sich Ruiz Lopez manchmal ordentlich strecken, erklärt Ciemer. Außerdem habe sie zu dem Zeitpunkt noch die Hauptschule besucht.

Von Ciemers Ablehnung ließ sich Ruiz Lopez jedoch nicht aufhalten. „Es ist einfach mein Traumberuf“, sagt Ruiz Lopez.

Daher holte sie ihren Realschulabschluss nach und legte den Nachweis eines Arztes vor, der ihr bescheinigte, dass sie fit für den Beruf ist. „Und ein paar Zentimeter gewachsen ist sie auch“, sagt Ciemer schmunzelnd.

„Mich hat beeindruckt, wie sehr sie sich für ihren Traum einsetzt“, sagt der stellvertretende Obermeister der Frisörinnung. Er stellte sie ein und bereut den Schritt nicht.

Wenn man Ruiz Lopez beobachtet, kann man leicht vergessen, dass sie eingeschränkt hört. Um ihre Schwäche auszugleichen trägt die Loshäuserin Hörgeräte. „Ohne müssten die Leute laut sprechen, damit ich sie verstehe“, sagt Ruiz Lopez, deren Hörvermögen seit ihrer Geburt eingeschränkt ist.

Mit Hörgeräten machen ihr lediglich die Nebengeräusche, wie etwa das Föhnen, Probleme. „Dann höre ich zum Beispiel das Telefon nicht“, sagt die 18-Jährige. Ciemer hat daher ein spezielles Telefon angeschafft, das Signale direkt an die Hörgeräte sendet.

Auch mit den Kunden gäbe es keine Probleme, sagt Ruiz Lopez. „Mehr“, ergänzt Ciemer. Am Anfang hätten schon einige nachgefragt, warum sie nicht richtig zuhöre oder manche Fragen mehrmals stelle. Inzwischen wüssten die meisten Bescheid und gingen sehr positiv damit um, sagt Ciemer. „Wenn ich etwas nicht verstehe, dann bitte ich einfach darum, lauter zu sprechen“, sagt Ruiz Lopez.

Seit vier Monaten macht sie jetzt ihre Ausbildung. Inzwischen hat sie schon zahlreiche Köpfe gewaschen, viele Frisuren in Form geföhnt sowie Farbe aufgetragen. Jetzt freut sie sich auf den nächsten Schritt: Das Schneiden. „Die meisten machen das erst im zweiten Lehrjahr“, erklärt Ruiz Lopez. „Schneiden ist die Kür“, findet auch Ciemer. Doch er hat Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Auszubildenden und erklärt, dass sie sich nach dem Weihnachtsgeschäft langsam heran tasten werden.

Jürgen Altenhof, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder, erklärt, dass Integration von Menschen mit Behinderung wichtig ist. „Für das nächste Jahr ist auch ein Projekt angedacht, um Schwerbehinderte besser in den Berufsalltag zu integrieren“, sagt Altenhof. Das Handwerk habe Probleme alle Ausbildungsplätze zu besetzen, „50 Plätze sind in diesem Jahr unbesetzt geblieben“. Es sei auch für die Betriebe wichtig, „sich für Bewerbergruppen wie Hauptschülern, Menschen mit Behinderung und Studienabbrechern zu öffnen.“ Ein Praktikum oder Probearbeiten sei immer ein guter Weg, um zu sehen, ob der Bewerber zum Beruf passe und der Beruf zum Bewerber. (mia)

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