Chor und Orchester brachten in der Stadtkirche Mendelssohn-Kantate zu Gehör

Mit melodischen Farben

Unter der Leitung von Jens Koch musizierten das Kammerorchester Marburg und der Chor der Bezirkskantorei Ziegenhain. Foto: Rose

Treysa. Einen Kantatengottesdienst mit Chor und Orchester erlebten am Sonntagabend die Besucher der Treysaer Stadtkirche. Im Kirchenschiff waren die Bankreihen dicht gefüllt, auch auf der Empore hatten noch Zuhörer Platz genommen, um sich mitnehmen zu lassen in die Passionszeit.

Mit Worten und Klängen brachten Bezirkskantor Jens Koch und Pfarrer Hartmut Wagner den Gläubigen den Leidensweg Christi näher. Zu hören war „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, der die Kirchenkantate 1830 komponierte. Voraus ging der Kantate der gleichnamige Kirchenlied des Dichters Paul Gerhardt, der den lateinischen Hymnus 1656 ins Deutsche übersetzte.

Noch lange danach wurde Bernhard von Clairvaux als Erstautor angesehen. Für Mendelssohn spielte die Bearbeitung schon früh eine große Rolle. Der Komponist beschäftigte sich Zeit seines Schaffens mit dem evangelischen Choral. Die im Zusammenhang mit der Wiederaufführung der Matthäuspassion besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Bachs führte zu einer Reihe von Kantaten über bekannte Choralweisen für Chor, Instrumente und auch Soli. In Treysa erlebten die Gäste, welch große Bereicherung Mendelssohns Werk für den Gottesdienst darstellt. Unter der Leitung von Jens Koch, der eingangs auch an der Orgel zu hören war, sang der beeindruckende Chor der Bezirkskantorei die eindringlichen Zeilen und charakterisierte damit den Weg Jesu zum Kreuz.

Düstere Stimmung

Unterstützt wurden die Sänger von Musikern des Kammerorchesters Marburg. An den Flöten waren Jens Josef und Chan Yang Park zu erleben, Peter Vielhauer und Annette Himmelmann an den Oboen. Melodische Farbe brachten die Klarinettisten Michael Mahner und Michael Kuhhaupt ins Spiel. Ebenso Christiane Stöhr und Heike Sonneborn, beide am Fagott. Den sonoren Boden bildeten Peter Cloos und Michael Klappert an den Hörnern.

Besonders der erste Satz von Mendelssohns Werk impliziert eine düstere Stimmung. Charakteristisch ist jedoch eine modale Mehrdeutigkeit - zu hören unter anderem in der Schlusskadenz des Chores in Es-Dur, die verbleibenden sieben Takte der Instrumentalstimmen modulieren über C-Moll zu dessen Dominante G-Dur.

Die Zuhörer lauschten gebannt und machten den Akteuren am Schluss mit einem gebührend langen Applaus ihre hohe Anerkennung deutlich.

Von Sandra Rose

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