Erinnerungen an die Kriegsjahre 

Bomber schaffte es nicht zurück: Mengsberg war Schauplatz von Notlandungen

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Erinnerungsfoto: Der bei Mengsberg notgelandete US-Bomber wurde von der Mengsberger Dorfjugend neugierig inspiziert. Dritter von links ist Walter Gömpel. Der heute 89-Jährige kann sich noch gut an den Absturz erinnern.

„Damals gab es auch keine Hefe. An meiner Konfirmation gab es Blechkuchen mit einem Sauerteig-Boden. Es war eine harte Zeit“, sagt Walter Gömpel, der seit den 70er Jahren viele historische Begebenheiten dokumentiert und so auch seine Erinnerungen an die Kriegsjahre zu Papier brachte.

Das kleine Mengsberg war gleich drei Mal Schauplatz von Flugzeugabstürzen und Notlandungen und gerade die Notlandung des amerikanischen Bombers am zweiten Pfingsttag 1944 ist Walter Gömpel im Gedächtnis.

„Es war einfach fürchterlich, ständig die Bomber“, so der heute 89-Jährige, der als 14-Jähriger die Notlandung miterlebte. Inzwischen sei er der letzte Überlebende seiner damaligen Schulkasse, für die das Wrack des amerikanischen Bombers auf dem Acker kurz vor der Wierastraße eine Attraktion war. „Es war der erste Kontakt zu Amerikanern“, erinnert sich Gömpel.

Besatzungsmitglieder in Mengsberg gefangen

Der Bomber hatte Halle als Ziel gehabt und sei beim Angriff von der dortigen Flak getroffen worden. „Die Besatzung wollte es noch zurück nach Holland schaffen, kam dann aber nur noch bis Mengsberg“, weiß Gömpel.

Kaum war der Bomber niedergegangen, nahm der Mengsberger Oberfeldwebel Johannes Wagner, der gerade auf Heimaturlaub war, die acht Besatzungsmitglieder gefangen.

Die Gefangenen wurden zunächst im Schulkeller eingesperrt, bis drei Polizisten die Amerikaner aus dem Keller holten. „Am Ortsausgang werden sie erschossen“, hätte einer der Polizisten gesagt, erinnert sich Walter Gömpel. Der Spruch sei aber nicht ernst gemeint gewesen, der Polizist habe sie erschrecken wollen, so 89-Jährige weiter.

Erinnerungen an die Kriegszeit 

Die Polizei führte die Gefangenen in Richtung Treysa ab und ein in Kassel ausgebombter Mann, der in der Gastwirtschaft Hainmöller untergekommen war, habe die abgeschossenen Flieger geschlagen und getreten, erinnert sich der Mengsberger.

Im Bomber habe er dann mit seinen Freunden nach brauchbaren Dingen wie Fallschirme, Zigaretten, Kaugummis gesucht um die Sachen im Wald zu verstecken, so Gömpel.

Nachdem die Beute in vermeintlicher Sicherheit war, besichtigten die Jungen den Flieger. Männer der Landwacht hätten sie dann verjagt, berichtet der 89-Jährige.

Gefangene kamen in ein Lager 

Später kam ein Kübelwagen mit Soldaten der Flak aus Fritzlar hinzu, die sich brüsteten, dass sie den Flieger abgeschossen hätten, so Gömpel weiter: „Das stimmte nicht, denn der Bomber war ja in Halle schon getroffen worden.“ Einige Wochen lag der Flieger an seinem Absturzort und wurde von der Strafkompanie 888 aus Schwarzenborn bewacht. Die Mengsberger Jungen nutzten die Zeit, um den Flieger zu besuchen.

Die Gefangenen hatte man in ein Lager gebracht und 40 Jahre später kehrte der damalige amerikanische Navigator gemeinsam mit seiner Frau zum Unglücksort zurück.

Ostern 1945

Ein Jahr später, Ostern 1945, stürzte erneut ein Bomber gleichen Typs im Staatswald gegenüber dem Waldhäuschen. Das Flugzeug erlitt Totalschaden, doch die Besatzung konnte sich mit Fallschirmen retten. Zur selben Zeit rückten die Amerikaner in Mengsberg ein und so fand man den abgestürzten Bomber erst später.

Im Frühjahr 1944 war bereits ein deutscher Nachtjäger zwischen Oberförsters Wiese und dem Dreimärker Mengsberg-Wolferode und Lischeid abgestürzt.

Der Pilot, ein deutscher Oberfeldwebel, sei im Nahkampf mit amerikanischen Bombern abgeschossen worden und wurde auf dem Lischeider Friedhof beerdigt.

Von Regina Ziegler-Dörhöfer 

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