Ehe-Streit: Landgericht spricht Mann schuldig

Streit um Pudel: Angeklagter soll Hund erwürgt und Ehefrau traktiert haben

Justizia hält eine Waage
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Streit um Pudel. Mann wurde wegen Körperverletzung und Bedrohung verurteilt. (Symbolbild)

Bei einem Ehe-Streit soll ein Mann einen Hund grausam getötet und seine Frau bedroht haben. Jetzt hat ihn ein Gericht schuldig gesprochen.

Schwalm/Marburg - Schwalm-Eder/Marburg – Ein 63-jähriger Angeklagter ist von der 2. Strafkammer des Marburger Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Kern der Vorwürfe war ein Streit des Angeklagten mit seiner damaligen Lebensgefährtin um einen Pudel.

Wie Richter Pfotenhauer ausführte, hat sich der Angeklagte aus dem Schwalm-Eder-Kreis der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung schuldig gemacht.

Die ehemalige Lebensgefährtin, die jetzt als Nebenklägerin auftrat, hatte schon am ersten Verhandlungstag in ihrer detailreichen Schilderung erklärt, was sich am 13. August 2016 in ihrer Wohnung zugetragen haben soll (die HNA berichtete): Als der Angeklagte den gemeinsamen Hund bei ihr abholen wollte, hatte die 64-Jährige dies zunächst verweigert. Daraufhin habe der Angeklagte sie geschubst, mit Fäusten gegen ihren Oberkörper geschlagen und dann auch mit der Hundeleine und den daran befestigten Karabinerhaken.

Weiter habe er versucht, sie mit der Leine zu strangulieren. Die Nebenklägerin habe in diesem Augenblick „Todesangst“ gehabt. Ihr sei es aber gelungen, mit ihren Händen die Drossel ein stückweit zu lösen, woraufhin der Angeklagte mit dem Pudel verschwunden sei. Es handelt sich um einen „Vier-Augen-Delikt“, wie Verteidiger Alexander Knapp es bezeichnete. Keiner war dabei, außer dem Angeklagten und der Nebenklägerin.

Gericht: Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Die 64-Jährige ist eine Frau, die seit Jahren ein Tierhaltungsverbot hat, aber dennoch diverse Tiere kaufte und hielt. In Zeugenaussagen wurde ihr vorgeworfen, extra Partnerschaften mit Männern zu suchen, mit denen sie das Halten der Tiere verschleiern kann. „Die Zeugin hätte den Angeklagten sogar geheiratet, um den Hund zu bekommen. Das hat schon gewisse krankhafte Züge“, sagte Verteidiger Knapp.

Auf der Anklagebank indes saß ein 63-jähriger Mann, der die Vorwürfe bestritt. Sein Vorstrafenregister weist 22 Eintragungen auf, auch einschlägige.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte der Richter durch Nachfragen die Glaubhaftigkeit der Nebenklägerin prüfen wollen. „Ganz viel sprach für die Richtigkeit der Aussage“, erklärte der Vorsitzende jetzt bei der Urteilsverkündung. Zuvor hatte die Sachverständige Dr. Bettina Reinhold ihr aussage-psychologisches Gutachten erstattet. Die Psychologin erklärte, dass die Aussage der 64-Jährigen erlebnisfundiert sein muss und dass sie nicht in der Lage wäre, eine solche Geschichte zu erfinden.

Gericht: Mann muss Schmerzensgeld zahlen

Auch andere Aspekte überzeugten die Kammer von der Richtigkeit der Erklärungen der Nebenklägerin. Etwa habe sie über einen „langen“ Zeitraum von vier Jahren in sechs verschiedenen Vernehmungen im Großen und Ganzen die gleiche detailreiche Geschichte erzählt. Dr. Pfotenhauer reagierte auf Alexander Knapps Einwurf mit dem zweckmäßigen Heiratsangebot und sagte: „Auch jemand, der eine ungewöhnliche Lebensvariante wählt, die offenbar durch bedingungslose Liebe zu Tieren motiviert ist, kann zum Opfer werden.“

Als eine der Bewährungsauflagen muss der Angeklagte nun in Raten ein Schmerzensgeld von 1000 Euro an die Nebenklägerin zahlen. Alle Seiten erklärten Rechtsmittelverzicht. Das Urteil ist also rechtskräftig.

Von Beatrix Achinger

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