Mit Tradition in die Zukunft

Schwälmer Weihnachtsmarkt: Planungen laufen, Ungewissheit ist groß

Steht vor großen Herausforderungen: Erst im Oktober konnte Marktmeister Gerhard Reidt mit den Planungen für den Weihnachtsmarkt beginnen.
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Steht vor großen Herausforderungen: Erst im Oktober konnte Marktmeister Gerhard Reidt mit den Planungen für den Weihnachtsmarkt beginnen.

Seit 2013 organisiert Gerhard Reidt den Schwälmer Weihnachtsmarkt – doch ob er stattfinden kann, ist angesichts der Coronalage ungewiss. Aktuell laufen die Planungen für eine abgespeckte Neuauflage.

Ziegenhain. Seinen finalen Schwälmer Weihnachtsmarkt als Marktmeister hatte sich Gerhard Reidt definitiv anders vorgestellt – seit 2013 organisiert der Ziegenhainer den Traditionsmarkt rund um den Paradeplatz, in diesem Jahr sollte es sein letzter als Organisator sein. Ob er allerdings stattfinden kann, ist ungewiss. Mit Sorge beobachtet Reidt deshalb die täglichen Coronazahlen, unterdessen laufen Planungen, wenn auch erst seit Oktober für einen Weihnachtsmarkt unter Pandemiebedingungen.

„In der ersten Planung hätten wir den Marktbereich einzäunen und die Besucher kontrollieren müssen – das wäre aber kostentechnisch nicht machbar gewesen“, berichtet Reidt. Aktuell sind für Freiluft-Veranstaltungen bis zu 5000 Menschen keine Kontrollen vorgesehen. Der Magistrat hatte sich für den coronagerechten Markt ausgesprochen, nachdem er im vergangenen Jahr ausgefallen war. Klar ist aktuell: Sollte der Markt stattfinden, dann nur unter freiem Himmel und mit deutlich abgespecktem Programm (siehe Artikel unten). Für Gerhard Reidt ist die Planung eine echte Herausforderung. Weil wesentlich weniger Marktbeschicker kommen, muss der Paradeplatz neu gestaltet werden. „Die Unsicherheit ist bei allen groß, die Bedingungen katastrophal“, sagt der 64-Jährige, der beim Aufbau von Platzmeister Andreas Krüger unterstützt wird.

Blick von oben: Um die 100 Aussteller bestücken gewöhnlich mit ihren Angeboten das Areal rund um den Paradeplatz, für dieses Jahr rechnen die Organisatoren nur mit der Hälfte der Marktbeschicker.

Konzept kam gut an

2012 stieg der gebürtige Ziegenhainer in die Planungen des Marktes ein, seinerzeit noch unter Waltraud Rink, Leiterin der Schwalm-Touristik. Als Reidt dann übernahm, änderte der gelernte Hotelfachmann gleich mal das Konzept: „Manches wurde kontrovers diskutiert, und das war gut so, daraus hat sich viel Neues entwickelt“, sagt er. In der Kritik stand beispielsweise der Umzug des Weihnachtsbaumes aus der Mitte auf den Brunnen und die Mallorca-Party. „Die wollten die Schwälmer nicht – daraus haben wir gelernt.“ Polarisiert hatte zunächst auch der Coca-Cola-Truck, der 2015 einen Tourstopp in der Schwalm machte. Der wurde allerdings für Marktmeister Reidt zum größten Erfolg: 25 000 Menschen kamen, um das beleuchtete Fahrzeug zu bestaunen. „Alle Straßen waren zugeparkt, es ging nichts mehr. Die Polizei hat es einigermaßen gelassen genommen. Ich durfte im Begleitfahrzeug fahren – das war unbeschreiblich“, erzählt er.

Als gigantisch beschreibt der 64-Jährige auch den Aufbau fürs Weihnachtssingen des Radiosenders FFH. Früh um 5 sollte ein riesiger Truck auf den Paradeplatz einfahren, der aber erst im laufenden Betrieb gegen 11 Uhr am Marktsonntag kam. „Das Manöver war kniffelig, letztlich musste der Fahrer den Lkw vorbei an der Metzgerei Bechtel rückwärts einzirkeln“, erzählt er ein wenig wehmütig.

Die ganz großen Räder kann Gerhard Reidt nun bei seinem finalen Markt nicht mehr drehen – aber er freut sich doch, ihn hoffentlich im kommenden Jahr „ohne Verantwortung“ zu besuchen. Wer die Organisation dann übernimmt, ist laut des Ziegenhainers noch unklar. (Sandra Rose)

So könnte der Markt in der Pandemie ablaufen 

Geplant ist der Schwälmer Weihnachtsmarkt von Freitag, 10., bis Sonntag, 12. Dezember, auf dem Paradeplatz in Ziegenhain. Anders als in früheren Jahren findet das komplette Programm unter freiem Himmel statt, beispielsweise die Eröffnung am Freitag, 14 Uhr, die sonst in der Schlosskirche gefeiert wurde. Sternen- und Märchenzelt wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Marktbereich erstreckt sich diesmal ausschließlich rund um den Paradeplatz, den Vincent-Burek-Platz hinter dem Museum und die Kornhausstraße. Die Landgraf-Philipp-Straße ist nicht eingebunden.

Das Museum der Schwalm wird seine Türen zwar öffnen, Stände wird es im Inneren allerdings nicht geben. Im und vor dem Lüderkeller soll es Kleinigkeiten zu essen geben. Organisator Gerhard Reidt rechnet mit deutlich weniger Marktbeschickern: Vor Pandemiezeiten kamen um die 100, aktuell liegt die Zahl der Stände bei gut der Hälfte. „Es gab Absagen – einigen Marktbeschickern ist das einfach zu heikel“, erklärt der 64-Jährige. Etwas schmäler fallen auch die Öffnungszeiten aus: Am Freitag öffnet der Marktbereich von 14 Uhr bis 20 Uhr, am Samstag von 12 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 19 Uhr.

Alle Konzerte und Vorführungen werden auf der großen Bühne in der Mitte des Paradeplatzes stattfinden. Auftreten werden unter anderem die Kindertanzgruppe „Zappelfüße“, Schwälmer Posaunenchöre und das Blasorchester Schwalmstadt. Ein besonderes Konzert in der Stadtkirche werde es nicht geben. Als Höhepunkt verspricht Reidt die Fuldaer Gruppe „Targe of gordon“, die am Sonntag um 17 Uhr erwartet wird. Sollte der Markt stattfinden, appelliert der Marktmeister an die Verantwortung der Besucher, sich an das Hygienekonzept zu halten. Die Einhaltung der Regeln würde auch kontrolliert. (sro)

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