Bewohner flüchteten vor Fliegerangriffen: Heimatfreude war erste Hephata-Außenwohngruppe

Mühle wurde ein Zuhause

Jochen Walz (74): Er wuchs mit seinen Geschwistern im Heim Heimatfreude auf, sein Vater war dort stellvertretender Hausvater. Foto: Rose

Treysa. Betroffen von den Wirren des Krieges, die im Frühjahr 1945 mit Fliegerangriffen in der Region ihren Höhepunkt erreichten, war auch Hephatas erste Außen-Wohngruppe Heimatfreude. Das Heim für „schwererziehbare Psychopathen“ – so schrieb damals der Chronist – war 1922 eingeweiht worden. Untergebracht war das Heim auf dem Gelände und in den Gebäuden der früheren Horschmühle, am Ortsausgang Treysas Richtung Wiera gelegen.

Jochen Walz, Sohn des damaligen stellvertretenden Hausvaters Diakon Bruder Walz, erinnert sich gut. Nicht nur Familie Walz, auch die Zöglinge wurden aus Sorge vor Fliegerangriffen anderweitig untergebracht. Veranlasst vom damaligen Heimerzieher Dr. Trost. Familie Walz zog zur Familie Trost ins heutige Haus Brockelmann/Neurath.

Im Küchenkeller in Hephata richtete man einen Ess- und Gemeinschaftsraum ein. Am Palmsonntag wurde das Heim tatsächlich bei einem Angriff schwer beschädigt. „Am Karfreitag rollten die Amerikaner mit ihren Panzern von Wiera her nach Treysa ein“, erzählt Jochen Walz.

Am frühen Morgen dieses Tages sei Adolf Scheuermann, ehemaliger Heimbewohner und späterer Fahrer, bereits mit seinem Eselwagen zur Bäckerei unterwegs gewesen, um Brot für Hephata und das Lazarett abzuholen.

In der Einmündung zur Roesestraße wurde er von den ersten amerikanischen Panzern eingeholt und gestoppt. Die Amerikaner vermuteten, dass Scheuermann deutsche Soldaten auf dem Wagen versteckte. Unter der Plane entdeckten sie jedoch nur Brot und ließen ihn passieren.

Am Nachmittag hatte sich die Lage soweit geklärt, dass Bewohner und Mitarbeiter des Heims mit einem Teil ihres Hab und Guts wieder zurück kehren konnten.

Die Amerikaner vergaben an die Mitarbeiter Hephatas Passierscheine, die zum Verlassen und Betreten der Anstalt berechtigten. Sofort nach der Übergabe wurde das Eingangstor außerdem mit amerikanischen Doppelposten besetzt. ARTIKEL UNTEN

Von Sandra Rose

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