Margarethe Werner ist aus Willingshausen ist eine Schapplerfrau in Ausbildung

„Nähen liegt mir im Blut“

Spaß an der Tradition: Margarethe Werner beginnt im September eine Ausbildung zur Schneiderin. In ihrer Freizeit spielt die Schwälmer Tracht eine große Rolle: Margarethe ist angehende Schapplerin. Foto: Heinz

Willingshausen. In wenigen Wochen schlägt Margarethe Werner den Weg ein, den vor ihr schon Mutter und Großmutter gewählt haben: Die 19-Jährige beginnt eine Ausbildung zur Schneiderin. Das ist aber nicht die einzige Tradition, die sie fortführt – auch die Schwälmer Tracht liegt ihr am Herzen.

„Mich interessiert die Geschichte hinter der Tracht und wie sich der Stil über die Jahre verändert hat“, sagt Margarethe. Mit dem Nähen hat sie schon früh begonnen: Im Alter von fünf Jahren machte sie ihre ersten Versuche, mit sechs bekam sie eine eigene Nähmaschine. „Mir liegt das Nähen im Blut. Diese Arbeit macht mir einfach Spaß“, sagt Margarethe.

Ihre Großmutter macht immer noch leidenschaftlich gerne Handarbeiten, besonders die Schwälmer Stickereien. An Volkshochschulen in der Gegend leitet sie seit 1970 Kurse.

Mit Wickelröcken hat alles angefangen, inzwischen ist die 19-Jährige eine „Schapplerfrau in Ausbildung“, wie sie selbst sagt. Als eine der wenigen jungen Erwachsenen im Kreis lernt sie, das sogenannte „Brett“ zu stecken.

Das Brett wird auf dem Rücken getragen und besteht aus einem Doppelfächer und wird mit Samtbändern und Schappelschnürchen versetzt. Acht Schnüre müssen einzeln gesteckt werden. „Da kommt es dann auch immer auf die Figur der Trägerin an. Bei einem breiteren Rücken liegen die Schnüre weiter auseinander“, sagt Margarethe. Ihre Lehrerin Maria Dietz, die ihr zunächst nur Röcke steckte, bringt Margarethe auch alles bei, was man alles über das Geschappel wissen muss. Genau wie das Brett kann dieser Kopfschmuck nur mit Hilfe befestigt werden.

„Die Schwälmer Tracht ist schon eine Wissenschaft für sich. Man muss auf jedes Detail achten.“ Die Tracht der Braut ist besonders aufwändig: Die Schnüre sind aus Samt oder Seide und lassen sich schwieriger stecken. Durch unterschiedliche Längen dauert es oft etwas, bis die Schnüre gleichmäßig liegen und gesteckt werden können. „Das ist manchmal stundenlange Arbeit“, sagt Margarethe.

Einen offiziellen Trachtenverein gibt es in Willingshausen nicht. „Einige Leute, die Interesse an der Tracht haben, treffen sich immer mal wieder zum Tanzen. Das ist ein lockerer Zusammenschluss“, sagt Margarethe. Bei Festen oder besonderen Anlässen, an denen Tracht getragen wird, hilft sie beim Einkleiden oder trägt auch selbst Tracht.

„Für mich ist das ein Hobby, wie für andere Fußball. Ich fühle mich der Tradition nicht verpflichtet.“ Durch ihre Familie habe sie aber einen besonderen Bezug zur Tracht. Neben nähen und stricken gehört auch sticken zu Margarethes Repertoire. „Das kann ich aber lange nicht so gut wie meine Oma. Dazu fehlt mir die Ruhe“, sagt sie und lacht.

Von Christine Heinz

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