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Schwalmstadt: Naturgarten in der Stadt

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Nicht nur schön, sondern auch ökologisch wertvoll: Der Garten von Silke Deinstrop und Oliver Hamann aus Treysa ist mit der Natur im Garten Plakette ausgezeichnet worden.
Nicht nur schön, sondern auch ökologisch wertvoll: Der Garten von Silke Deinstrop und Oliver Hamann aus Treysa ist mit der Natur im Garten Plakette ausgezeichnet worden. © Silke Deinstrop

Nicht nur schön, sondern auch ökologisch wertvoll: Der Garten von Silke Deinstrop und Oliver Hamann aus Treysa ist mit der Natur im Garten Plakette ausgezeichnet worden.

Treysa – Als Silke Deinstrop und Oliver Hamann in 2006 das hübsche Backsteinhaus in der Heinrich-Wiegand-Straße in Treysa bezogen haben, war der Garten in erster Linie pflegeleicht gestaltet: große Rasenflächen, ein Kirschbaum, Rhododendren-Büsche und eine ordentlich kurz gehaltene Hainbuchen-Hecke prägten das Bild.

Seitdem hat sich viel getan. „Wir verbringen seit vielen Jahren an den Wochenenden etliche Stunden in unserem Garten.“ sagt Silke Deinstrop „Hier vergessen wir die Zeit, es ist eine gemeinsame Leidenschaft.“ Und so hat das Paar im Laufe der Jahre ein kleines Naturgarten-Paradies erschaffen. Sie pflanzten Blumen, verschiedene Obstbäume, Obststräucher und Büsche, legten einen kleinen Gartenteich und ein Kräuterbeet an. „Für uns ist es immer wieder ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie lebendig unser Garten geworden ist.“ freut sich die Gartenbesitzerin.

Totholz ist eine natürliche und ökologisch wertvolle Gartendeko.
Totholz ist eine natürliche und ökologisch wertvolle Gartendeko. © Anne Schönfeld

Den Bereich vor dem Haus gestalteten sie zunächst im Cottage-Stil, doch der hohe Pflege- und Wasserbedarf bewogen sie bald zu einem anderen Konzept. Und so kann man heute über den Gartenzaun eine bunte Blumenwiese bewundern, wo Margeriten, Kornblumen, Kamille, Klatschmohn, Witwenblumen, Natternkopf, Wiesen-Labkraut und weitere Wildblumen wachsen. Das besondere daran ist, dass die naturverbundenen Gärtner keine dieser Blumen gesät haben. Sie haben sich alle im Laufe der Zeit von selber auf der Wiese angesiedelt. Damit das funktioniert, ist allerdings die richtige Pflege der Blumenwiese essentiell. „Bis auf die sogenannten Laufwege mähen wir die Wiese nur zweimal im Jahr: einmal im Sommer und einmal im Herbst.“ erklärt Silke Deinstrop. Die abgemähten Pflanzen bleiben dann noch eine Weile zum Trocknen auf der Wiese liegen. Danach werden sie entfernt, damit sie nicht verrotten und zu nährstoffreichem Humus werden. So wird der Boden von Jahr zu Jahr immer magerer, was genau den Vorlieben vieler heimischer Wildblumen entspricht.

Naturgarten Ungefüllte Rosensorten, wie hier die „Lichtkönigin Lucia“, bieten Bienen eine wertvolle Nahrungsquelle
Naturgarten Ungefüllte Rosensorten, wie hier die „Lichtkönigin Lucia“, bieten Bienen eine wertvolle Nahrungsquelle © Anne Schönfeld

Neben der Blumenwiese führt ein von Lavendel gesäumter Weg zur Haustür. Die duftenden Stauden ziehen unzählige Bienen und Schmetterlinge an. „In der Woche kommen viele Besucher der Tagesklink und der Arztpraxen hier vorbei. Immer wieder bleiben die Leute fasziniert stehen, um die vielen Insekten zu beobachten. Daraus haben sich schon sehr viele interessante Gespräche ergeben.“ freut sich die Gartenbesitzerin über das große Interesse an ihrer naturnahen Vorgartengestaltung.

Regelmäßige Öffnung geplant

Einer der Besucher war es auch, der das Paar auf die „Natur im Garten“ Bewegung aufmerksam machte. Die Gartenbesitzer waren sofort begeistert, recherchierten im Internet und nahmen Kontakt zu Horst Türke aus Lauterbach auf, dem für Hessen zuständigen Berater. Von ihm konnten Silke Deinstrop und Oliver Hamann im Juli 2021 ihre eigene „Natur im Garten“ Auszeichnung entgegen nehmen. Natürlich hat sie einen besonderen Platz im Vorgarten bekommen, wo sie gut sichtbar ist. „Die „Natur im Garten“ Plakette ist eine Auszeichnung für einen wichtigen Beitrag von privaten Gärtnerinnen und Gärtnern für eine gesündere Natur. Die Kernkriterien sind eine naturnahe Gartengestaltung, sowie der Verzicht auf Gifte, Kunstdünger und Torf.“ erklärt Silke Deinstrop. „Es wäre schön, noch mehr Menschen für die „Natur im Garten“ Bewegung zu begeistern.“ sind sich Silke Deinstrop und Oliver Hamann einig. Ab dem nächsten Frühjahr plant das engagierte Paar daher eine regelmäßige Öffnung ihres Gartens, wo Interessierte sich den Garten anschauen, sich informieren und austauschen können.

Bei diesen Gelegenheiten haben die Besucher dann die Möglichkeit, auch den hinter dem Haus liegenden Bereich des Gartens zu besichtigen. Bereits im Februar schauen hier die ersten Blumen, wie Krokusse und Traubenhyazinthen, aus der Erde. Und auch Sträucher, wie der Duftschneeball und die Winter-Heckenkirsche, stehen dann bereits in voller Blüte und locken die ersten Bienen an. „Es ist wichtig, den Bienen auch schon im zeitigen Frühjahr eine Nahrungsquelle zu bieten.“ weiß Silke Deinstrop. Doch Blumen sind nicht das einzige, was man für die wertvollen kleinen Bestäuber tun kann:

Hainbuchenhecke blieb erhalten

Zwischen den Blumen und entlang des Schuppens haben die Gartenbesitzer Totholz dekorativ arrangiert. Das sieht nicht nur schön aus, sondern ist ökologisch auch äußerst wertvoll. In einige der Stämme haben sie Löcher gebohrt, die gerne von Wildbienen als Nistmöglichkeit angenommen werden. Weiterhin entsteht hier aktuell eine sogenannte „Benjes-Hecke“. Genau genommen handelt es sich bei dieser Anlage nicht um eine Hecke, sondern um eine Ansammlung von Gehölzschnitt, Ästen und Zweigen. Diese werden locker aufeinander geschichtet und ergeben einen beliebten Unterschlupf für Vögel, Igel, Reptilien, Amphibien und Insekten.

Aber auch bei der echten Hecke hat der Garten viel zu bieten: Die Hainbuchenhecke der Vorbesitzer hat das Paar erhalten. Mittlerweile sind es rund 80 Meter, die das Grundstück umgeben. Sie dient nicht nur als Sichtschutz, sondern wird auch von den vielen Vögeln sehr gerne zum Brüten angenommen. „Den ersten Schnitt bekommt die Hecke jedes Jahr im Februar, gefolgt von einem zweiten Pflegeschnitt im September, nachdem die brütenden Vögel die Aufzucht ihrer Jungen beendet haben.“ erklärt Silke Deinstrop ihr Konzept.

„Auch in einem kleinen Garten kann man sehr viel für die Natur tun.“ ist sich Silke Deinstrop sicher. Mit der Natur im Garten Plakette und der regelmäßigen Öffnung ihrer Gartenpforte für interessierte Menschen möchte sie zeigen, wie man einen Garten nicht nur schön, sondern auch naturnah pflegen und gestalten kann. Auch in der Stadt kann man so wertvolle Lebensräume für verschiedene Tiere schaffen und einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und der ökologischen Vielfalt leisten.

Hintergrund: Die „Natur im Garten“ Bewegung

Die „Natur im Garten“ Bewegung entstand 1997 in Niederösterreich mit dem Ziel, die Ökologisierung von Gärten und Grünräumen voran zu treiben. Seit einigen Jahren erfreut sich die Bewegung auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Träger der Initiative „Natur im Garten“ in Hessen ist der „Kreisverband Lauterbach zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege e.V.“. Der erste Vorsitzende, Horst Türke, ist für die Auszeichnung der Gärten in Hessen verantwortlich. Er hat auch dem Garten von Silke Deinstrop und Oliver Hamann in Treysa die Plakette verliehen.

Das Stroh hält Feuchtigkeit im Boden, unterdrückt Unkrautwuchs und fördert das Bodenleben.
Das Stroh hält Feuchtigkeit im Boden, unterdrückt Unkrautwuchs und fördert das Bodenleben. © Anne Schönfeld

Herr Türke, warum sollte man seinen Garten zertifizieren lassen?

Ein zertifizierter Garten mit der damit erhaltenen Plakette kennzeichnet nach außen eine aktive Bemühung um ökologische Vielfalt und Klimaschutz. Die Plakette am Gartenzaun macht neugierig, regt in der Umgebung zu Fragen an und trägt so die wichtige Idee des ökologischen Gartens weiter. Manchmal führt eine Plakette auch zu mehr Verständnis in der Nachbarschaft, wenn diese einen vermeintlich „unordentlichen“ Garten reklamiert.

Kleine Wasserstellen nehmen Insekten bei Trockenheit an. Sie brauchen das Wasser zum Trinken und für den Nestbau. Die Murmeln dienen als sichere Landeplätze.
Kleine Wasserstellen nehmen Insekten bei Trockenheit an. Sie brauchen das Wasser zum Trinken und für den Nestbau. Die Murmeln dienen als sichere Landeplätze. © Anne Schönfeld

Was sind die Kernkriterien, die ein Garten erfüllen muss, um eine „Natur im Garten“ Plakette zu bekommen?

Es gibt 3 Kernkriterien: 1. Verzicht auf Torf. 2. Keine Verwendung von chemisch synthetischen Düngern. 3. Keine Verwendung von chemisch synthetischen Pestiziden. Daneben gibt es einen ganzen Katalog von Gartenelementen, die aber nur teilweise vorhanden sein müssen wie z.B. Zulassen von Wildwuchs, Nützlingsunterkünfte, Regenwassernutzung, umweltfreundliche Materialwahl usw. (Näheres auf der WEB-Seite www.kv-lauterbach.de).

Was kostet die Zertifizierung?

Die Kosten für unseren (gemeinnützigen) Verein und somit für eine Zertifizierung betragen 100 €, Vereinsmitglieder zahlen 80 €. Diese Kosten decken lediglich die Ausgaben der Berater, die den Garten besuchen und zertifizieren. Die Emailleplakette ist ebenfalls in den Kosten erhalten. (Anne Schönfeld)

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